Iran manövriert die Ölpreise kurzerhand aufwärts
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Der Ölpreis ist der, der er ist, weil er eine beachtliche Risikoprämie enthält. Mit ihr werden denkbare Marktstörungen monetarisiert. Die prominenteste ist die Blockade der Meerenge von Hormus im Persischen Golf, durch die täglich 20 Prozent des global benötigten Öls transportiert wird. Andere Störungen werden durch kriegerische Handlungen oder Sanktionen hervorgerufen. Virulente Ursachen dafür sind vielfältig vorhanden. Bisweilen führen sie zu realer Zerstörung, wie am Beispiel der russischen Ölindustrie deutlich wird. Ohne die Risikoprämie könnte der Preis für das Barrel Brent locker unter die 60 Dollar-Marke fallen.
Mit den Sanktionen gegen die russische Ölindustrie versucht die EU mit Unterstützung der USA, die Finanzierung des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu unterbinden. Öl ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Kremls. Es wird in der Tat immer schwieriger, Käufer für dieses Öl zu finden. Viele Kunden wenden sich mittlerweile davon ab, aber beileibe nicht alle.
So steigt die chinesische Nachfrage nach russischem Öl derzeit stark, weil Indien seine Käufe deutlich reduziert hat. Gemäß Publikationen einiger Datendienstleister könnten Chinas Importanfragen für russisches Öl im aktuellen Monat auf über zwei Millionen Barrel pro Tag steigen. Das wäre ein Rekordwert, der rund 20 Prozent über den Januar-Lieferungen liegt. Grund dafür ist in erster Linie der günstige Preis für Russlands Urals-Öl. Es wird mit Abschlägen von neun bis elf Dollar gegenüber Rohöl der Sorte Brent gehandelt. Gleichzeitig hat Chinas Rohölbedarf im vergangenen Jahr deutlich zugenommen, von etwa elf Millionen Barrel pro Tag auf über 13 Millionen Barrel pro Tag am Jahresende. Im Februar setzt sich dieser Trend fort.
Betrachtet man die Ölströme, könnte man konstatieren, dass die Sanktionen gegen Russland erfolgreich seien. Betrachtet man aber die Preisentwicklung, wird eine solche Feststellung relativiert, denn ohne Sanktionen wäre der Ölpreis aufgrund des sicheren russischen Angebots niedriger (Reduktion der Risikoprämie). Die Abschläge, die China derzeit einheimst, wären indes geringer. Es ist gut möglich, dass die Einnahmenbilanz für Russland ohne Sanktionen annähernd neutral ausfiele. China müsste indes mehr Geld für seine Ölimporte bezahlen.
Gestern hat der Iran in der Straße von Hormus Marineübungen gestartet und damit umgehend steigende Ölpreise hervorgerufen. Der Markt hat das Risiko für die Ölversorgung einpreist. Die Angelegenheit könnte durchaus auf einer Absprache mit Russland beruhen, denn beide sanktionierten Ölländer profitieren von der Börsenreaktion. Teheran lässt zu den Übungen wissen, dass man zwar zu Gesprächen mit den USA bereit sei, doch weiterhin auf militärische Abschreckung als Druckmittel setze. Die Verhandlungen mit den USA sollen heute fortgesetzt werden. Es ist schwer vorstellbar, dass dabei irgendeine Art von Politikwechsel hinsichtlich des Atomprogramms, der Unterstützung von Terrorgruppen oder der blutigen Niederschlag von Freiheitsansprüchen der eigenen Bevölkerung herauskommt. Wahrscheinlicher ist es, dass die Geduld der USA überstrapaziert wird und zu einem erneuten Militärschlag gemeinsam mit Israel gegen den Iran führt. Das Szenario wird die Risikoprämie im Ölpreis vergrößern.
Erfreulicherweise beruht nicht alles, was den Ölpreis ausmacht, auf Gewaltausbrüchen. Saudi Aramco hat die Preisaufschläge für wichtige Ölsorten auf den niedrigsten Stand seit Ende 2020 gesenkt. Dadurch ist die Nachfrage in Asien stark gestiegen. China erhöht die Bestellungen für März postwendend um acht Millionen Barrel und Indien um eine Million Barrel gegenüber den bestehenden Lieferverträgen. Mehrmengen werden auch für Japan und Südkorea erwartet. Bereits 2025 waren die saudischen Ölexporte deutlich gestiegen, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Dennoch nutzt das Land derzeit nur 70 Prozent seiner Kapazitäten. Branchenexperten gehen davon aus, dass diese bis 2029 auf etwa 13 Millionen Barrel pro Tag ausgebaut werden könnten. Das entspricht rund zwölf Prozent des globalen Angebots.
Man erkennt, dass tatsächlich sehr viel Öl im Spiel ist, dass die Nachfrage locker denken könnte. Es ist aber leider nicht frei verfügbar, weil geopolitische Spannungen und Störungen das Marktgeschehen behindern.
Nachdem die Ölbörsen gestern einigermaßen scharf auf die iranischen Manöver in der Straße von Hormus reagierten, kommen die Notierungen heute Morgen ein wenig zurück. Da der Handel feiertagsbedingt ohne die USA verlief, wird es spannend anzusehen sein, was heute Nachmittag mit dem Wiedereintritt der US-Broker geschieht.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 63,15 Dollar
und das Barrel Brent zu 67,98 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 677,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8438 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1848 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise steigen heute Morgen, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Die Wirkung einer lange angekündigten Ölschwemme bleibt in den Preisen weiterhin unerfüllt. Das wird sich möglicherweise auch nicht mehr ändern. Vielmehr könnte es zu einem plötzlichen Preisauftrieb aufgrund eines neuen Waffengangs im Iran kommen. Nicht dieser Umstand aber der fehlende Nachweis der Ölschwemme macht sich auch in den verschiedenen Ansichten der Preischarts bemerkbar. Sie weisen in allen kaufrelevanten Perioden seitwärts.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist leidlich belebt. Die Hoffnung auf tiefere Preise folgt der realen Preisentwicklung und ist entsprechend volatil. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine wabert heute Morgen zwischen hohem und mittlerem Niveau für die Kaufintensität hin und her, das andere ist auf einen nicht mehr ganz starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise gefallen.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, sollte zu diesen Preisen kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, kann man über den Bezug einer Teilmenge nachdenken.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 17. Februar 2026
