Ölmarkt setzt auf Iran-Verhandlungen – Preise bleiben unter 100 Dollar
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Aussicht auf eine zweite Gesprächsrunde zwischen Iran und den USA hält die Ölpreise weiter unter der Marke von 100 Dollar. Zum Auftakt in die Wochenmitte stabilisieren sich die Notierungen, nachdem sie gestern noch einmal nachgegeben hatten. Brent-Rohöl startet bei 94,90 Dollar je Barrel in den Handel.
Trotz der signalisierten Gesprächsmöglichkeit bleibt die Lage zwischen den USA und Iran hochangespannt. Seit Wochenbeginn blockiert das US-Militär alle Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen, um den Seehandel des Irans vollständig zu unterbrechen. Gleichzeitig kündigte die US-Regierung an, die vorübergehende Ausnahmeregelung für sanktioniertes iranisches Öl am Sonntag enden zu lassen. Der wirtschaftliche Druck auf Teheran ist immens. Doch genauso steht Donald Trump unter Druck, einen Ausweg aus diesem Krieg zu finden.
Beide Seiten haben also gute Gründe für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Washington deutet an, dass Gespräche bereits in den kommenden zwei Tagen möglich sind. Zugleich wächst jedoch das Risiko militärischer Zwischenfälle in der Straße von Hormus, wo beide Seiten die Schifffahrt blockieren – mit der Gefahr, dass die Feuerpause bricht.
Auch die fundamentalen Daten unterstreichen die Unsicherheit am Ölmarkt. Die Internationale Energieagentur (IEA) verweist in ihrem aktuellen Monatsbericht auf eine extrem fragile Angebots- und Nachfragesituation. Das OPEC-Plus-Angebot ist gegenüber den letzten Schätzungen um 2,4 Millionen Barrel pro Tag gesunken. Das Angebotswachstum der übrigen Produzenten fällt mit 850.000 Barrel täglich um 250.000 Barrel geringer aus als bislang erwartet.
Zudem sind die weltweiten Ölbestände im März laut IEA um 85 Millionen Barrel gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Das globale Ölangebot lag im März bei 97 Millionen Barrel pro Tag. Selbst bei einer zeitnahen Wiederöffnung der Straße von Hormus rechnet die IEA für 2026 mit einem Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um rund 80.000 Barrel am Tag.
Von konjunktureller Seite kommt ebenfalls Gegenwind: Der Internationale Währungsfonds senkt die Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft und betont, dass nur ein baldiges Ende der Kriegshandlungen die Entwicklung noch abmildern könnte. Eine schwächere wirtschaftliche Dynamik würde auch die Ölnachfrage dämpfen.
Solange der Markt darauf hofft, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden und eine Lösung für die Meerenge von Hormus gefunden wird, dürften sich die Preise unter der 100-Dollar-Marke halten. Entscheidend wird nun, welche Fortschritte innerhalb der noch eine Woche andauernden Waffenruhe erzielt werden können.
Die Notierungen loten zur Stunde ihr Aufwärtspotenzial nach dem gestrigen Rücksetzer aus. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 91,49 Dollar
. Brent kostet 95,47 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1144,75 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8481 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1787 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise haben gestern einen Schritt abwärts getan und stabilisieren sich heute Morgen auf dem etwas niedrigeren Niveau. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 134,20 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Am internationalen Ölmarkt wirkt sich die Hoffnung auf weitere Iran-Gespräche preisdämpfend aus. Das macht sich auch im Binnenland bemerkbar und trägt zudem dazu bei, dass Heizölkunden derzeit optimistischer auf die mögliche Preisentwicklung schauen als zuletzt. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 70 Prozent der Befragten künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer zeitnah Heizöl braucht, kann momentan nur auf die kleinen Preisrückgänge setzen. Solange es keine Signale für einen greifbaren Frieden am Persischen Golf gibt und die Meerenge von Hormus faktisch gesperrt ist, bleiben die Preise hoch.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 15. April 2026
