Ölpreise: Winteraufschlag bröckelt nach Einschätzung der Lage ein wenig
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Gestern haben die Ölpreise ein vorläufiges Hoch überwunden, das maßgeblich durch die winterlichen Störungen der Ölindustrie verursacht wurde. Die Kälte und ein Schneesturm haben die US-Rohölproduktion offensichtlich stärker getroffen als angenommen. Während einige Analysten anfangs nur geringe Ausfälle wähnten, machten ab Samstag Schätzungen von rund zwei Mio. Barrel pro Tag die Runde. Das entspricht 15 Prozent der US-Rohölproduktion. Dreiviertel dieser Fehlmenge steckte im Schiefergestein des ertragreichen Permian Basin (Texas) fest. Gestern konnte die Hälfte dieses Ausfalls wieder gangbar gemacht werden. Hier rechnet man mit der Rückkehr zur Normalität bis kommenden Freitag. In den nördlichen Regionen der USA könnten die Einschränkungen länger anhalten.
Ob das Gros der Ausfälle im Wochenverlauf tatsächlich behoben werden kann, hängt in erster Linie vom Wetter ab. Die Temperaturen in den USA sollen vorläufig niedrig bleiben und weitere Schneestürme seien den Wetterdiensten zufolge möglich. Betroffen ist nicht nur die Rohölförderung, sondern auch der Raffineriebetrieb. Zu Stillständen kommt es nicht allein aufgrund gestörter Anlagen, sondern auch wegen Stromausfällen und unpassierbaren Verkehrswegen, die die Anfahrt des Personals vereiteln.
Die positive Meldung aus Texas wurden gestern um die Nachricht von der Wiederinbetriebnahme des Tengiz-Ölfelds in Kasachstan ergänzt. Die Förderung musste dort am 18. Januar aufgrund eines Brands an zwei Stromgeneratoren eingestellt werden. Das Betreiberunternehmen Tengizchevroil gab nun den ordnungsgemäßen Hochlauf der Stromversorgung bekannt. Damit könne die Rohölproduktion schrittweise gesteigert werden, hieß es. Wann die volle Leistung erreicht wird, lässt sich allerdings noch nicht sagen.
Kasachstans Ölproduktion war zuletzt mehrfach durch ukrainische Drohnenangriffe auf das CPC-Terminal im Schwarzmeerhafen Noworossijsk beeinträchtigt. Obwohl das Terminal inzwischen repariert ist und die Wiederinbetriebnahme von Tengiz begonnen hat, verlangt Premierminister Bektenov Maßnahmen gegen die Störung des Ölexports. Dazu gehört auch die Entwicklung alternativer Exportrouten, um Ausfälle am CPC-Terminal besser abfedern zu können.
Geopolitische Regungen wie die trilateralen Gespräche über die Beendigung des Ukraine-Kriegs und der Druck der USA auf das Mullah-Regime im Iran blieben gestern ohne nennenswerten Einfluss auf die Preisbildung. Sie bleiben dem Markt aber als generelle Impulsgeber erhalten. Gleiches gilt für jedwede Entschließung in den Reihen der OPEC-Plus. Kommenden Sonntag trifft man sich wieder zur Bewertung der aktuellen Lage. Da dem letzte Beschluss eine Gültigkeit für das gesamte erste Quartal 2026 mitgegeben wurde, erwartet man keinen dezidierten Impuls von diesem Meeting.
Die Ölbörsen spiegeln heute Morgen die teilweise Entspannung wider, die den vorausgegangenen Zeilen zu entnehmen ist. Rohöl- und Gasölnotierungen haben vom gestrigen Tageshoch gut zwei Prozent an Wert abgebaut.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 60,63 Dollar
und das Barrel Brent zu 65,51 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 677,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8422 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1870 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise bewegen sich heute Morgen noch nicht, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die internationalen Vorgaben sind zu frisch und zu volatil, um sie in den Heizölpreisen abzubilden. Für die Hoffnung auf etwas Abgang lassen sie dennoch Raum. Diese Hoffnung wird auch vom Blick auf die verschiedenen Preischarts angeregt. Die Trendkanäle weisen in allen Zeitbereichen abwärts. Der Wermutstropfen dabei ist, dass die gesamte Information hinter diesen Grafiken auf Vergangenheitsdaten basiert. Die Zukunft muss sich keinesfalls daran halten.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist leidlich belebt. Die Hoffnung auf tiefere Preise wird situativ von der Preisentwicklung geprägt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem mittelmäßigen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, sollte zu diesen Preisen kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, macht es gegebenenfalls Sinn, nicht vollzutanken.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 27. Januar 2026
