Ölvorräte in den USA schrumpfen im Rekordtempo. Möglicher Waffenstillstand im Libanon
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Der Anstieg der Rohölpreise endete gestern. Der wieder aufflammende Konflikt am Persischen Golf hatte Brent-Rohöl in der ersten Wochenhälfte von 92 bis auf 99 Dollar je Barrel geführt. Heute steht der Preis am Vormittag bei 97 Dollar je Barrel.
Ein iranischer Drohnenangriff auf den Flughafen in Kuwait-Stadt forderte gestern ein Todesopfer und verletzte über 60 Menschen. Offiziell gibt es noch immer einen Waffenstillstand, aber er ist offenbar nicht stabil. Bei den Verhandlungen zwischen Teheran und Washington geht es seit Monaten nicht voran. Die Straße von Hormus bleibt geschlossen.
Immerhin verkündeten Israel und Libanon gestern einen Waffenstillstand, an den sich möglicherweise auch die Hisbollah-Terrormilizen halten wollen. Israelische Streitkräfte kontrollieren inzwischen weite Teile des Südlibanon. Stärker als die USA will Tel Aviv allerdings den Druck auf den Iran und damit auch auf die Hisbollah aufrechterhalten.
Trotz der Blockade der Ölexporte im Persischen Golf bleiben die Rohölpreise unter der Marke von 100 Dollar je Barrel. Das ist vor allem China und den USA zu verdanken.
Neue Zahlen zeigen, dass China seine Ölimporte im Mai nahezu halbiert hat. Die sinkende Nachfrage im eigenen Land und vor allem der Lagerabbau machen das möglich. Dadurch wird im Moment fast die Hälfte des weltweiten Versorgungsdefizits von 13 Mio. Barrel pro Tag ausgeglichen. Allerdings ist unklar, wie lange die chinesischen Raffinerien das noch durchhalten können oder wollen.
Gleichzeitig exportieren die USA auf Rekordniveau. Mit zusätzlichen 2-3 Millionen Barrel pro Tag versorgt der größte Ölproduzent der Welt derzeit den Weltmarkt. Der aktuelle Wochenbericht zeigt, dass auch das nur auf Kosten rapide schwindender Bestände in der nationalen Ölreserve möglich ist. Acht Millionen Barrel, also etwas über 1 Mio. Barrel pro Tag, wurden in den Markt gegeben.
Doch das reichte nicht aus. Die kommerziellen Rohölbestände schrumpften um weitere 8 Mio. Barrel. Dafür gab es leichte Aufbauten bei den Hauptprodukten Benzin und Diesel. Einen Abbau der Rohölbestände um insgesamt 16 Mio. Barrel in nur einer Woche kann der Markt nicht lange durchhalten, ohne dass die Preise oder die Exporte stärker als bisher reagieren. Vor allem in der Exportregion an der Golfküste wird es allmählich kritisch.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -8,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,8 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: +1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +3,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,5 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -8,0 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen starten heute relativ ruhig in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet kurz nach Börseneröffnung 97,06 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 95,33 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1108,50 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8614 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1606 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Bei den Heizölpreisen ist die Entspannung im Rohölmarkt noch nicht angekommen. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen leichten Anstieg des landesweiten Durchschnittspreises auf 124 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind acht Euro mehr als Ende Mai.
Der Markt wirkt ruhig. Die Zahl der Bestellungen liegt am unteren Ende der üblichen Mengen. Noch immer schieben viele Haushalte die Bestellung vor sich her und warten auf einen Preisrutsch. Auch das mathematische Tiefpreis-System hat sich auf eine neutrale Haltung zurückgezogen.
Allerdings zeigt der Optimismus bei den Verbrauchern erste Risse. Nur noch jede zweite Stimme erwartet in der täglichen Lesereinschätzung demnächst sinkende Heizölpreise. Das sind deutlich weniger als vor einer Woche.
In der Tat sind die Preisrisiken groß. Zwar ist es in den letzten Wochen gelungen, die größten Löcher in der globalen Ölversorgung zu stopfen. Doch das gelingt nur auf Kosten der Lagerbestände. Wenn es weiterhin keine Lösung für die Krise am Persischen Golf geben sollte, werden die Preise über kurz oder lang wieder anziehen.
Daher gilt nach wie vor: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 04. Juni 2026
