Trump macht sein Ding und die Ölpreise das ihre
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Das Regime der Ölpreise hat sich in den letzten zwei Wochen für Käufer positiv verändert. Nun weisen die Trends für Rohöl und Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl, in sämtlichen Zeitansichten abwärts. Damit ist nicht nur die Ausgangslage gegenüber dem Vorjahr deutlich günstiger, die Preisperspektive lässt sogar weiteren Abgang erahnen. Die lange angekündigte Ölschwemme findet tatsächlich ihren Weg in die Preise.
Trotz der wunderbaren Aussicht kann nicht genug vor den geopolitischen Unwägbarkeiten gewarnt werden. Die regelbasierte Ordnung, auf die man sich in Europa jahrzehntelang verlassen hatte, bekam vor vier Jahren mit dem russischen Überfall auf die Ukraine einen schmerzvollen Knacks. Spätestens heute wissen wir, dass diese Ordnung nicht mehr existiert. Ihre Zerstörung wird federführend von den drei großen Hegemonialmächten USA, Russland und China betrieben, wobei sich die USA den Vorwurf der Anstiftung gefallen lassen müssen. Die EU hat dem nichts entgegenzusetzen, obwohl sie bis 2018 die Zone mit der größten Wirtschaftskraft der Welt war. Sie hat aber versäumt, die Kraft für den Aufbau militärischer Verteidigungsstärke und wirtschaftlicher Prosperität zu nutzen. Damit hätte sie der Zerstörung der regelbasierten Ordnung eventuell Einhalt gebieten können. Nun muss sie diese akzeptieren und um den eigenen Fortbestand ringen.
Derweil haben die USA in Venezuela mit der Entführung von Staatspräsident Nicolás Maduro samt seiner Gattin erste Tatsachen geschaffen. Wie weit sie sich damit dem gewünschten Systemwechsel in ihrem Vorhof und dem Wiederaufbau der Ölindustrie angenähert haben, muss sich noch zeigen. Gegenwärtig könnte das Land auch dem Irak, Libyen, Syrien und anderen gescheiterten Staaten folgen, die die USA zu verantworten haben. Derartige, selbst anerkannte Fehlleistungen wollten sie eigentlich unterlassen.
Außenminister Marco Rubio kündigte inzwischen an, dass die seit Mitte Dezember laufende Ölblockade gegen Venezuela fortgesetzt werde, um politische Veränderungen im Interesse der USA zu erzwingen. Er widersprach zudem der Darstellung seines Präsidenten, dass die USA die Führung des Landes übernommen hätten.
Zeitgleich warnt Donald Trump Indien erneut, die bereits bestehenden Importzölle von 50 Prozent rasch weiter zu erhöhen, falls Neu-Delhi die Ölkäufe in Russland nicht drastisch einschränken sollte. Diese Käufe wurden zuletzt gedrosselt, jedoch nicht so stark wie erwartet. Aus Insiderkreisen hört man allerdings, dass die Mengen bald nennenswert fallen könnten, da Indien an einem Handelsabkommen mit den USA interessiert sei.
Auf die Ölpreise wirkt die Trumpsche Politik derzeit nicht. Die Angebotsseite erscheint zu stark, um dem Ausfall Venezuelas oder einer Umorientierung Indiens einen Risikopreis zu geben. Daran ändert auch der gestern bestätigte Beschluss der OPEC-Plus, die Ölproduktion bis Ende des ersten Quartals 2026 unverändert zu belassen, nichts. Die Maßgabe wurde bereits im November angekündigt und soll die saisonal schwächere Nachfrage zum Jahresbeginn sowie die erwartete Überversorgung am Markt berücksichtigen. Gleichzeitig gab sich die Gruppe hinsichtlich der Wahrung ihrer Interessen optimistisch und verwies auf vergleichsweise niedrige globale Lagerbestände, die trotz des Preisrückgangs im Vorjahr auf einen insgesamt ausgewogenen Markt hindeuteten. Von geopolitischen Spannungen lasse man sich kurzfristig nicht irritieren.
An den Börsen bewegen sich die Preise heute Morgen schwungvoll. Rohöl- und Gasölnotierungen verloren zu Handelsbeginn ordentlich an Wert, konnten den Verlust dann aber fast vollständig annullieren.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 57,34 Dollar
und das Barrel Brent zu 60,73 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 616,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8555 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1685 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise zeigen zum Jahresbeginn wenig Bewegung, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den Vorgaben des internationalen Markts. An der Höhe der Preise ist wenig auszusetzen. Sie liegen fast zehn Prozent unter den Startwerten des Vorjahres, obwohl eine weitere Erhöhung der CO2-Abgabe eingepreist ist. Darüber hinaus gibt es eine Perspektive für nachgebende Preise. Das vermitteln zumindest die Trendkanäle in den verschiedenen Zeitansichten, die allesamt abwärts weisen.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist belebt. Die Hoffnung auf tiefere Preise wird situativ von der Preisentwicklung geprägt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem recht starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Das mathematische Tiefpreis-System zeigt nur noch im Süden der Republik ein Kaufsignal an.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer Sicherheit möchte, kann zu diesen Preisen beherzt kaufen. Um von eventuell deutlich tieferen Preisen trotzdem profitieren zu können, sollte gegebenenfalls nicht vollgetankt werden.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 05. Januar 2026
