Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Aufhellendes zum Dollar

Nun sinkt der Ölverbrauch noch weiter. Davon geht der gemeine Spekulant nach dem ihm eigenen Marktverständnis aus. Dieser Spekulant sitzt in New York und denkt amerikanisch. Er kennt zwei Jahreszeiten mit hohem und zwei Jahreszeiten mit geringem Ölverbrauch. Hoch ist der Verbrauch im Winter, wenn schlecht isolierte Häuser vornehmlich im Nordosten des Landes beheizt werden müssen. Dann ruft der Markt nach Heizöl. Und hoch ist der Verbrauch im Sommer zwischen dem Memorial Day am letzten Montag im Mai und dem Labor Day am ersten Montag im September. Es ist die Fahrsaison. In dieser Zeit sollen US-Amerikaner besonders lange Wegstrecken mit ihren überdimensionierten, ineffizient motorisierten Vehikeln zurückgelegen. Dann schreit der Markt nach Benzin. Zwischen den genannten Jahreszeiten ist der Ölmarkt entspannt. Gestern war Labor Day. Der Markt wird sich folglich entspannen. Das ist der Plan. Der stimmt aber nicht mehr. Weil die Amerikaner ihre Fahrsaison nicht mehr wie früher zelebrieren, ist der Markt schon seit Monaten entspannt. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass irgendwann in Zukunft wieder ein Benzinengpass auftreten kann. Wenn die Nordstaatler nun noch ihre Häuser isolieren, muss der Heizölengpass auch abgeschrieben werden.

Spekulanten sind erschüttert. Ihre Wünsche bleiben in Gänze unerfüllt. Die als besonders hart erwartete Hurrikansaison fiel bisher aus. Die als Wiederbelebung US-amerikanischer Lebensweise erwartete Fahrsaison fand nicht statt. Und China hat sich bisher nur bedingt als Schwarzes Loch der Ölwelt erwiesen. Die Nachfrageseite insgesamt ist für die Finanzszene eine große Enttäuschung. Auf dieser Basis lässt sich keine Ölpreistreiberei veranstalten. Als Konsequenz holt sie ihre Mittel zurück auf Los. Das bedeutet, dass sie Liquidität in US-Dollar hält.

Der Dollar ist das Basissystem der realen Weltwirtschaft und der irrealen Finanzwirtschaft. In der Physik wäre es das Inertialsystem. Von diesem System gehen alle Messungen aus. Ein solches System ist nicht naturgegeben. Es ist willkürlich gewählt. Der US-Dollar wurde im Abkommen von Bretton-Woods gegen Ende des zweiten Weltkriegs zur weltweiten Leitwährung erklärt. Dem Abkommen trat später die große Mehrheit aller Staaten bei. Das Bretton-Woods-System sollte den Welthandel durch barrierefreie Waren- und Zahlungsflüsse stimulieren. Dass dem Dollar in diesem System die Leitrolle zugesprochen wurde, war nicht unumstritten. Es gab Vorschläge ein künstliches, nicht von einem Land dominiertes Zahlungssystem als Parallelwährung zur Verrechnung der Warenströme einzuführen. Dazu kam es nicht, weil die USA ihre Interessen als größter Gläubiger der Verhandlungspartner durchsetzen konnten. Der US-Dollar als Zentralwährung war quasi ihr Gläubigerschutz. Im Bretton-Woods-System wurden feste Wechselkurse unter den Staaten vereinbart und Mechanismen, diese Wechselkurse zu schützen. Das Tauschverhältnis von Dollar und Gold wurde fixiert. Schließlich verpflichteten sich die USA, die Dollarreserven jedes Mitgliedslandes gegen Gold zu tauschen. Solange die USA große Außenhandelsüberschüsse erwirtschafteten, funktionierte das System zufriedenstellend. Mit zunehmender Verschuldung der USA und wachsendem Außenhandelsdefizit war es aber nicht mehr haltbar. Als Frankreich 1969 Dollarreserven gegen Gold einlösen wollte, waren die USA „zahlungsunfähig“. Nachdem weitere Länder sich dem Ersuchen Frankreichs anschlossen, löste Richard Nixon die Bretton-Woods-Verpflichtung 1971 auf. Dabei sagte er unter anderem folgende Worte: „Wir müssen die Position des US-Dollars als eines Stützpfeilers der Währungsstabilität überall in der Welt schützen. In den letzten sieben Jahren kam es durchschnittlich jedes Jahr zu einer internationalen Währungskrise. Wer profitiert von solchen Krisen? Nicht der Arbeiter, nicht der Kapitalanleger, nicht die wahren Produzenten von Vermögenswerten. Die Gewinner sind die internationalen Geldspekulanten. Weil sie von Krisen leben, helfen sie mit, Krisen zu schaffen.“

Man ließ und lässt Spekulanten bis heute nicht nur gewähren. Mit einer weitreichenden Aufhebung von Regeln und Kontrollen erlaubte man ihnen, ihr Treiben auszuweiten. Die Konsequenzen sind hinlänglich bekannt. Seit 1971 hat sich das Spekulantentum zu einer gigantischen Finanzindustrie entwickelt. Ihr Einfluss auf die Weltwirtschaft ist krakenhaft gewachsen. Geblieben ist der Dollar als Zentralsystem ihres Handelns. Mit dem Verständnis eines finanztechnischen Inertialsystems machen so geläufige Sätze wie, der Dollar hat gegenüber dem Euro zugelegt, wenig Sinn. Eigentlich handelt es sich dabei um eine Flucht aus dem Euro zurück ins Mutterhaus aller Währungen, der den Wert des Euro sinken lässt. Jeder Trend zur Investition in Rohstoffe, Aktien oder Währungen ist ein Verschieben von Dollar in andere Werte. Dabei gewinnen diese Werte gegenüber dem Dollar. Ob der Dollar verliert, ist eine Frage des Standpunkts. Aus Sicht des Inertialsystems verliert er nicht.

Heute Morgen werden Finanzmittel zurückgeholt in den Dollar. Dabei sinken Öl- und Euronotierungen. Für den Ölpreis macht das mit Blick auf die realen Marktverhältnisse Sinn. Dem Euro als Repräsentanten des europäischen Wirtschafts- und Sozialsystems wird die Veränderung nicht unbedingt gerecht, wenn es mit dem US-Pendant verglichen wird. Finanzspekulanten stellen diesen Vergleich aber nicht an. Die Tonne Gasöl kostet 641 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 73,42 Dollar und in London 76,09 Dollar. Der US-Dollar wird zu 78,20 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise dümpeln weiterhin seitwärts. Diese Richtung wird der Lage an den Finanzmärkten gerecht. Dort herrscht matte Ideenlosigkeit. Die realen Verhältnisse am Ölmarkt legen einen Preisabgang nahe. Damit es dazu kommt, muss die Finanzszene sich aus ihrer Lethargie befreien. Etwas Panik würde Verbrauchern sicher gut gefallen. Absehbar ist sie derzeit nicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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