Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Preise werden durch Glauben bewegt

Internationaler Markt

Seit zwei Wochen steigen die Ölpreise, genauer gesagt die Rohölpreise. Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, wurde in den letzten Tagen etwas billiger. Sinkende Preise scheinen der Marktlage angemessener zu sein als anziehende Preise. Die Begründung lässt sich auf die einfache Formel bringen, hohes Angebot trifft auf schwache Nachfrage. Diesen Satz unterschreiben allerdings nicht alle Kenner und Meinungsmacher des ölhandelnden Finanzvolks.

Leider gibt es keine unumstößlichen Fakten zum Thema, sondern nur mehr oder weniger ähnliche Ansichten. Aktuell sind die Ansichten konträr. Nur eines ist ihnen allen gemeinsam. Sie verfolgen Gewinninteressen.

Manche Finanzjongleure sehen die Zeit für Gewinne aus steigenden Kursen wiedergekommen. Sie brauchen einen knapp versorgten Markt und viel frisches Geld von den Notenbanken. Ihre Antennen erfassen jede Störung im Versorgungssystem, jedes freundliche Konjunkturdatum und, wenn beide Aspekte die eigenen Vorstellungen nicht genügend unterstützen, jede Bereitschaft einer Notenbank, helfend zur Seite zu springen. Ihnen erscheint bereits eine sinkende Nordseeförderung, obwohl die aktuellen Zahlen anders lauten. Sie fühlen bereits die anziehende Ölnachfrage, obwohl alle Berichte der berufenen Institutionen ein schwieriges Jahr 2013 prognostizieren. Sie ignorieren, dass die USA immer mehr Öl zu Tage fördern und damit Öl anderer Herkunft am Weltmarkt nach neuen Abnehmern sucht. Die USA sind zwar nur ein Wirtschaftskreis unter vielen. Beim Öl sind sie aber nach wie vor das Nonplusultra, drittgrößer Anbieter und größter Verbraucher. Die beiden Nordamerikastaaten USA und Kanada zusammen wären als ein Land der größte Ölproduzent weltweit. Dort steigt das Angebot gerade rasant, während die Nachfrage sinkt.

Andere Finanzjongleure erkennen genau diese Tatsache. Für sie ist der Markt in naher Zukunft überversorgt mit steigender Tendenz. Sie sehen die Nachfrage aufgrund diverser Konjunkturstörungen deutlich geringer wachsen als das Angebot. Und sie nehmen Signale von Notenbanken ernst, die Zweifel am exzessiven Gelddrucken anmelden. Diese Finanzjongleure glauben nicht an mittelfristig steigende Ölnotierungen.

Die Ansichten der beiden Gruppen sind konträr. Sie sind vom Glauben, nicht vom Wissen geprägt. Da die Ölwirtschaft, wie jede andere Wirtschaft auch, eine Disziplin ist, bei der die Analysten Teil des Geschehens sind, fügen sie ihre möglichen Handlungen in die Analyse ein. Wenn sie Glück haben, ergibt sich eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn das nicht der Fall ist, wird ihre Analyse als falsch gewertet. Eine Prognose ist also so gut, wie die Fähigkeit, einen Trend zu erfassen.

Die aktuelle Bewegung für die Ölnotierungen ist konträr, Rohöl rauf, Gasöl runter. Das könnte den Bruch des kurzfristigen Aufwärtstrends einläuten. Der mittelfristige Trend weist nach wie vor abwärts. Längerfristig tendieren die Notierungen seitwärts. Für jeden ist etwas dabei, zum Glauben, nicht zum Wissen. Die Tonne Gasöl kostet 855,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,26 Dollar und in London zu 103,69 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,52 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie folgen damit den Vorgaben der Börsen. Im Binnenmarkt gibt es in einigen Regionen immer noch eine Margen- und Preisüberhöhung aufgrund des vorausgegangenen Nachfrage-Tsunamis. Der Ansturm ist vorüber. Die Preise werden zurückkommen, sobald die Ölwirtschaft Verkaufsdruck spürt. Noch ist das in den betreffenden Regionen nicht der Fall, weil die Auftragsbücher nicht leer sind. Damit die Heizölpreise in attraktivere Bereiche fallen können, muss sich die Erkenntnis, dass der Weltmarkt ausgezeichnet mit Öl versorgt ist, durchsetzen. Derzeit gibt es zu viele Finanzjongleure, die das nicht zulassen. Ich denke, dass sie ihre Position nicht lange halten können. Spätestens beim nächsten Finanzkrach in Europa oder den USA kippen sie um. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Einige kleine Infrastrukturstörungen
FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
China wächst weiterhin
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US- und Nordseeförderungen steigen
Sehr viel Öl am Markt
EIA- und OPEC-Monatsberichte prognostizieren schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

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