Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Mit Ansage gewinnen

Der Ölpreis hängt an der Wirtschaftsentwicklung. Läuft die Konjunktur gut, steigt der Ölpreis und umgekehrt. Der Zusammenhang ist leicht verständlich und gut vermittelbar. Im Sommer ist Heizöl billig, denn es wird wenig nachgefragt. Das klingt auch logisch und bestimmt das Handeln vieler Heizölverbraucher. Die Weisheiten haben allerdings einen Haken. Sie treffen nur unzureichend zu.

Dass Heizöl im Sommer billiger als im Winter ist, gehört eher in ein Buch mit Bauernregeln als in den Empfehlungskorb von Verbrauchervereinigungen. Der Brennstoff wird saisonal in unterschiedlichen Mengen produziert, im Winter mehr im Sommer weniger. In erster Nährung ergeben sich Preisbewegungen aus Abweichungen zwischen Angebots- und Nachfragemengen. Wenn ein Winter wetterbedingt weniger Heizöl verlangt als planmäßig produziert wurde, wird der Preis tendenziell nachgeben. Kommt es im Sommer, aus welchen Gründen auch immer, zu einer erhöhten Nachfrage, die das gegenüber dem Winter knappere Angebot überfordert, wird der Heizölpreis steigen. Diese Marktzusammenhänge sind, um im Bild zu bleiben, leicht verständlich und gut vermittelbar.

Mit ihnen lässt sich zum Beispiel die relative Benzinpreisüberhöhung im Frühjahr erklären. In diesem Jahr gibt es in den USA tatsächlich eine gewisse Knappheit der Ware. Das liegt an einer Fehleinschätzung der Nachfrage. Diese ist nicht ganz so stark gesunken wie zuvor kalkuliert. Darüber hinaus haben einige US-Raffinerien mal wieder größere Probleme als erwartet. Das führt dazu, dass Ware am Weltmarkt beschafft werden musste. Dort ist sie reichlich vorhanden. Den Preis trieb die Situation gleichwohl in die Höhe. Im Jahresverlauf wird sie sich bereinigen. Im letzten Monat stieg der Benzinpreis bereits geringer als die Rohöl- und Heizölpreise.

Die sinnenfälligen Zusammenhängen erklären die Feinjustierung der Preise hinreichend. Die grobe Linie der Preisbildung wird damit allerdings nicht erfasst. Sie hat wenig mit Angebot und Nachfrage zu tun. Sie hängt am Spielinteresse großer Spekulanten. Das war vor dem Finanzcrash so. Das ist heute immer noch so. Trotz vieler Lippenbekenntnisse der Politik ist keine nennenswerte Besserung in Sicht. Ohne Zweifel ist man bemüht, für Ordnung zu sorgen. Eine klare Linie ist aber nicht zu erkennen. Banken im Geschäft mit ihren Kleinanlegern ein üppiges Regelwerk aufzuerlegen, das kein Kunde durchdringen kann, ist nicht die Lösung des Problems. Die kann nur darin bestehen, die mächtige Finanzbranche an die Kette zu legen. Es bedarf einer Reihe von Verboten. An erster Stelle stehen dabei außerbörsliche Geschäfte mit Rohstoffen. An die geht die Politik immer noch nicht ran. Erklärt wird die Zurückhaltung damit, dass man Innovationen nicht bremsen sollte, von denen die Zukunft modernen Lebens abhängt. Diese Erklärung zeigt, dass die Zukunft nach wie vor in der jüngeren Vergangenheit gesucht wird. Wenn es verboten ist, einen Computervirus über das Internet zu verbreiten, sollte es allemal verboten sein, Finanzgeschäfte zu betreiben, mit denen die Weltwirtschaft unterminiert und ihr Kollaps dabei billigend in Kauf genommen wird.

Nicht die Entwicklung der realen Wirtschaft bestimmt den Ölpreis sondern die Spekulation mit virtuellem Geld. Sie hat dafür gesorgt, dass sich der Rohölpreis in diesem Jahr bereits verdoppelt hat. Angebot und Nachfrage haben nur marginale Wirkungen auf die Preisentwicklung. Gestaltet wird der Preis von einflussreichen Ansagern, die im Eigeninteresse handeln. Goldman & Sachs ist so ein ansagender Eigenhändler. Ein erster politischer Schritt wäre es, diesem und gleichgestellten Unternehmen entweder die öffentliche Stellungsnahme oder den eigenen Handel zu untersagen. Man könnte nach dem Motto verfahren, wer ansagt und handelt betreibt ein Insidergeschäft. Das ist verboten.

Goldman & Sachs verstehen sich trefflich darauf, die Preise hoch und runter zu beten. Im letzten Jahr wurden die Kurse mit Zielansagen zwischen 150 und 200 Dollar pro Barrel heraufgeredet. Als das Spiel ausgereizt war, wurde den Preisen in ihrem Absturz mit Zielvorgaben von weniger als 30 Dollar nachgeholfen. Seitdem sich die Bodenbildung vollzog, werden Zielprognosen nach oben angehoben. Für nächstes Jahr wurden schon wieder 110 Dollar angesagt. Wie die reale Wirtschaft dazu steht, interessiert nur beiläufig. Dass sie mit einem solchen Preis keine Chance auf Genesung hat, ist ein offenes Geheimnis. Für Goldman & Sachs ist das kein Problem. Sie verdienen immer, weil sie auf die richtige Richtung setzen. Schließlich geben sie diese weitgehend vor.

Zuletzt haben die Ölpreise etwas nachgegeben. Schlechte Wirtschaftsdaten seien Schuld daran und ein erstarkter Dollar. Am Aufwärtstrend ändert das gar nichts. Heute Morgen halten die Kurse ihr gestern erreichtes Niveau. Die Tonne Gasöl kostet 565,25 Dollar. Rohöl kostet in New York 70,58 Dollar. Der US-Dollar wird zu 72,14 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise unterbrechen ihren Aufwärtstrend. Gebrochen ist er nicht. Die Wirtschaftsaussichten sprechen zwar prinzipiell für ein Ende oder sogar eine Umkehr der Preisbewegung. Die Situation in der Spekulantenszene lässt dies hingegen nicht erwarten. Wir gehen derzeit von einer weiteren Preissteigerung aus. Diese dürfte sich immerhin verlangsamen. Es gilt die immer wieder zitierte Weisheit, nach der das eigene Handeln den Verbrauch und damit die Kosten für Wärme am zuverlässigsten beeinflusst. Nehmen Sie doch mal Ihr Haus mit unserem Logbuch für den Heizölverbrauch unter die Lupe.

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