Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Peak Oil verschoben

Die Preise dürfen weiter fallen, denn ExxonMobil hat Peak Oil auf die ferne Zukunft verschoben. In seinem 50. Jahresbericht mit dem Namen Oeldorado weist das Unternehmen darauf hin, dass die Reserven in 2007 deutlich stärker gewachsen sind als die Förderung. Vor 50 Jahren betrugen die nachgewiesen Reserven 265 Mrd. Barrel. Aktuell beziffert ExxonMobil sie mit 1.334 Mrd. Barrel. BP nennt 1.390 Mrd. Barrel. Darin enthalten sind 152 Mrd. Barrel, die in kanadischen Ölsänden gebunden sind. Die Briten unterstreichen ebenfalls, dass seit vielen Jahren mehr gefunden als gefördert wird. Fazit: Die Ölversorgung ist sicher. Anmerkung: So sicher wie das deutsche Rentensystem.

Der Höhenflug der Preise wurde im letzten halben Jahr durch eine Peak-Oil-Hysterie unterstützt. Peak Oil besagt, dass das Maximum der Förderung erreicht ist. Eine Angebotserhöhung ist nicht mehr möglich. Das wird von den großen Ölgesellschaften in Abrede gestellt. Mit den Zahlen ihrer jährlichen Berichte versuchen die Ölmultis ihre Sicht der Lage zu untermauern.

Nun sind Daten im Ölmarkt eine höchst ungewisse Angelegenheit. Ihre Verlässlichkeit liegt qualitativ zwischen Wetterberichten und politischen Versprechungen. Die Zahlen von BP basieren auf Selbstauskünften der Ölförderländer. Sie werden ungeprüft übernommen. Es sind die gleichen Zahlen, mit den in OPEC-Ländern Quoten festgelegt werden. Diese basieren auf den Angaben zu Reserven eines Landes. Je höher die Reserven angegeben werden, um so höher fällt die Förderquote aus. Über viele Jahre wuchsen die Reserven in den OPEC-Staaten ohne nennenswerte Investitionen in die Erkundung von Lagerstätten.

Fakt ist, dass die großen Entdeckungen der Ölvorkommen zwischen 1938 und 1980 erfolgten. Danach wurden nur wenige und vor allen Dingen vergleichsweise kleine Felder gefunden. Ölnachfrage und Ölförderung sind mit wenigen Ausnahmejahren, in denen die Wirtschaft in Rezessionen steckte, gestiegen. Seit 1980 ist der weltweite Ölverbrauch um 42 Prozent gestiegen. Die Neufunde haben sich in etwa halbiert. Dennoch stieg die Reichweite der Reserven, also die Zeit, in der die ausbeutbaren Vorkommen einen als konstant angenommenen Verbrauch decken können. Das sieht nach Zauberei aus. Und es ist in der Tat kaufmännische Zauberei. Sie hat mit der Bewertung von Reserven zu tun. Früher wurden diese sehr konservativ angesetzt. Man ging von dem Gedanken aus, nur die Ölmengen ins Kalkül zu ziehen, die zu geringen Kosten förderbar sind. Mit steigenden Ölpreisen steigen die akzeptierten Förderkosten. Öl aus tiefen Lagerstätten oder aus Ölsänden, die man früher links liegen gelassen hätte, werden nun als förderbare Reserven deklariert. Wohlgemerkt, man hat kein neues Öl gefunden. Man hat lediglich längst bekanntes Öl in den Stand einer Reserve erhoben. Daraus folgt das simple Gesetz, je höher der Ölpreis desto höher die Reserven. Das heißt nicht zwingend, dass man mehr Öl gefunden hat. Im Umkehrschluss heißt das, wenn wir genug Geld bezahlen, haben wir noch sehr lange Öl.

Ob Peak Oil noch vor uns liegt oder ob wir den Peak bereits überschritten haben, ist irrelevant. Das Thema ist populistisch. Es dient der Börse und dem Journalismus. Die Ölindustrie fühlt sich dadurch düpiert. Wenn es ihnen ins Geschäft passt, argumentieren Ölvertreter aber auch gerne mit Peak Oil. So begründete BP-Chef Browne den hohen Ölpreis im Mai mit einem nur noch unzureichenden Angebot. Den alternativen Energieunternehmern dient Peak Oil allemal als Argument für ihre Sache. Der Begriff wird meistens wie eine Naturkonstante gehandelt. Das ist falsch. Neben der real existierenden Ölmenge wird Peak Oil durch Nachfrage, durch Förderbereitschaft, durch Investitionen in Infrastruktur und durch den Ölpreis bestimmt. Es handelt sich also um eine in jeder Hinsicht flexible Größe.

Aktuell zeigt sich die Ölpreisbildung unbeeindruckt von der Thematik. Der Hype ist einstweilen vorbei. Nun ist Klagen über die Konjunkturaussichten angesagt. Die Preise folgen einem Abwärtstrend. Der hat zwar im August pausiert. Gebrochen ist er aber nicht. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen weniger als 1.000 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 113,42 Dollar. Der Dollar profitiert von der neu entdeckten Schwäche des Euros. Er setzt seinen Aufwärtstrend fort. Innerhalb eines Monats hat er um acht Prozent zugelegt. Für eine Ölpreisbewegung wäre das normal. Für eine Devisenbewegung ist das viel.

Unsere Heizölpreise hinterlassen bei manchem Kaufwilligen ein Fragezeichen. Von Abwärtstrend am Weltmarkt ist die Rede. Aber Heizöl wird teurer. Wer spielt hier falsch? Antwort: Niemand. Begründung: Von einem Trend spricht man solange, bis die Preisentwicklung nachhaltig eine andere Richtung einschlägt. Das ist beim Ölpreis nicht der Fall. Der Trend steht. Der Rückgang verläuft lediglich sehr langsam. Dem wirkt der höhere Dollarkurs entgegen. Er führt zu leicht ansteigenden Heizölpreisen. Die Chance, dass die Bewegung wieder nach unten zeigt, ist nach wie vor gegeben. Für etwas Preisauftrieb sorgt auch die extreme Nachfragesituation im Inland. Man kann es dem Handel nicht übel nehmen, dass er nach eineinhalb Jahren mit teilweise verlustreichem Geschäft, die Situation nutzt, um die knappen Margen etwas aufzubessern. Dem Kunden bleibt immer noch ein Preisrückgang von 13 Prozent gegenüber er Spitze im Juli. Die Lieferzeiten tendieren mancherorts zu fünf Wochen.

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