Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Säbel rasseln immer lauter

Nun wird also boykottiert und Krieg soll es auch geben. Boykottiert wird nicht etwa Heizöl. Das erlebt seit dem Wochenende eine Kaufwelle. Und Krieg gibt es nicht in Deutschland, auch wenn manche Kommentarkommentatoren sich hier schon als Verbraucherkriegsminister bewerben. Die EU wird iranisches Öl boykottieren. Teheran bemüht sich, die Beleidigung als Kriegserklärung zu deuten. Die EU fängt nicht heute, sondern am 1. Juli mit dem Boykott an. Teheran entwirft Notausgänge zum Krieg. Am 1. Mai wird geprüft, ob sich die EU den Boykott wirklich leisten kann. Teheran lässt verlauten, dass Europa nur sich selbst schade, wenn es auf iranisches Öl verzichtet. An den Börsen sorgte die Meldung für geringfügigen Preisauftrieb. Der spielte sich ausschließlich im Rahmen des Seitwärtstrends ab.

Das Säbelrasseln ist ohne Zweifel beängstigend. Teheran geht einen totalitären Kurs, der, wie es für Totalitarismus üblich ist, das ideologische Handeln über die Bedürfnisse der Menschen stellt. Insofern ist die Kriegsgefahr real. Angesichts der wirtschaftlichen Lage Teherans ist sie absurd. Ein Gewinn, der das Absurde aufwiegen könnte, wäre auch nicht zu erzielen. Diese Tatsache und die sanfte Gefangenschaft der EU im weltweiten Ölnetz relativieren die martialischen Töne. Die Wahrscheinlichkeit für einen Waffengang ist derzeit gering. Die Börse teilt diese Sicht.

Was würde Krieg überhaupt bedeuten? Im Blickpunkt ist die Meerenge von Hormus, durch die ein Viertel der globalen Ölströme geschifft wird. Der Iran spielt mit der Schließung des Wasserwegs. Sie wäre auf Grund amerikanischer, britischer und französischer Präsenz sicher nur ein kurzes Ereignis. Gefährlicher wäre der Beschuss Saudi Arabischer Ölfelder mit Kurz- und Mittelstreckenraketen. Diese könnten einen langfristigen Schaden in der globalen Ölversorgung anrichten. Ein nennenswerter Ausfall würde der Welt unweigerlich eine schwere Rezession zufügen. Das regionale Pulverfass, in dessen Nahbereich Iran, Saudi Arabien, Irak, Kuwait, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate liegen, verfügt über 53 Prozent der Weltölreserven. Diese Tatsache kann einen unter Druck stehenden totalitären Dogmatiker schon mal dazu verführen, einen totalen Ölkrieg auszurufen. Anders als in Nordkorea kann er mit seinem Waffenarsenal in der Golfregion tatsächlich geeignete Ziele erreichen.

Es macht für uns keinen Sinn, sich mit totalen Zerstörungen auseinanderzusetzen. Es macht aber Sinn sich mit der Überwindung totaler Abhängigkeiten von hoch komplexen Strukturen zu beschäftigen. Das betrifft die Öl- und Gasversorgung. Das betrifft auch das Geld- und Finanzsystem. Den politischen Führungen der Industriestaaten ist das bewusst. Erkennbare Pläne, Resilienz aufzubauen, haben indes nur wenige von ihnen. Resilienz bedeutet Toleranz eines Systems gegen Störungen. Das Thema ist derzeit eher eines der Graswurzelbewegungen als der offiziellen Politik. So gibt es beispielsweise eine bescheidene Verbreitung der in Großbritannien geborenen Transition Town Bewegung, die am Übergang in eine postfossile Wirtschaft bastelt. Weniger auf Resilienz als auf Entkopplung von globalen Energiestrukturen setzen die USA und Deutschland. Die USA bemühen sich darum, bald nur noch Öl vom nordamerikanischen Kontinent zu beziehen. Deutschland arbeitet an der Energiewende, die nicht nur auf Atomstrom verzichten, sondern den Verbrauch fossiler Energieträger insgesamt reduzieren wird. China, das für sein weitsichtiges Handeln bekannt ist, geht in eine ähnliche Richtung. Das Land ist bereits heute der größte Installateur regenerativer Energieeinrichtungen. Dass es gleichzeitig der größte Verbraucher fossiler Energieträger ist, ist seinem rasanten Wirtschaftswachstum geschuldet. Das ist heute noch nicht ohne fossile Energie machbar.

Beim Geld- und Finanzsystem sieht die Lage noch schlechter aus. In Graswurzelstrukturen werden Parallelwährungen oder Regiogeld erprobt. Davon gibt es allein in Deutschland über 70 bestehende oder in Gründung befindliche. Die arrivierte Politik arbeitet sich indes an der Rettung bestehender Systeme ab. Dabei entfernt sie sich von Resilienz, anstatt sich ihr anzunähern. Das Eurodesaster und die Dollarverschuldung erscheinen in diesen Tagen zwar weniger brisant als in der zweiten Hälfte des letzten Jahres. In Wirklichkeit haben sie aber nichts an Sprengvermögen für unsere Sozialsysteme verloren. Im Gegenteil, die Sprengkraft wird weiter aufgebaut. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Bombe wieder hörbar tickt. Irgendwann wird sie hochgehen. Wir müssen hoffen, dass Menschen bis dahin eine einigermaßen brauchbare Parallelstruktur entwickelt haben, die sie resilient macht.

Fragt man Spitzenbanker nach Resilienz, könnte es sogar sein, dass man eine konstruktive Debatte erlebt. Der latent drohende Zusammenbruch des Geld- und Finanzsysteme hat die Berufsgruppe zur Horizonterweiterung gezwungen. Anders sieht es bei Öl- und Gasgesellschaften aus. Sie sehen sich durch den Zugewinn an Technikkompetenz in ihrer Systematik bestätigt. Peak Oil and Gas entfernt sich als Thema aus den Führungsetagen, seit die Suche nach unkonventionellem Öl und Gas erfolgreich zu sein scheint. Das Zauberwort heißt Fracking oder Fracturing. Es eröffnet neue Quellen fossiler Energieträger. Die sind allerdings mit wachsenden Risiken für die Umwelt verbunden. Deshalb arbeitet man derzeit mehr an einem Kommunikations- als an einem Ausbeutungskonzept. Wir werden noch einiges zum Thema zu hören bekommen.

Heute Morgen sieht es so aus, als wollten die Ölpreise den Kriegsrufen am Golf folgen. Sie steigen. Vermutlich steckt in der Bewegung aber mehr Charttechnik als Fundamentallogik. Fundamental wären immerhin auch eine aussichtsreiche Versorgungslage und die geringe Nachfrage alter Industrienationen. Charttechnisch sieht die Abwärtsbewegung der Ölpreise hingegen verbraucht aus. Es könnte eine kleine Preiserholung folgen. Die Tonne Gasöl kostet 950,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,45 Dollar und in London zu 110,29 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,95 Eurocent.

Unsere Heizölpreise fallen immer noch. Sie haben gut zwei Drittel der von uns geschätzten Preisspanne nach unten durchlaufen. Verbraucher goutieren den Abgang mit Heizölkäufen. Die Akzeptanz der Realität sticht offensichtlich unrealistische Preisabsturzhoffnungen. Der jüngste Abwärtstrend ist bemerkenswert. Er sieht sehr intakt aus. Geopolitische Gefahren und Eurodesaster können ihn aber jederzeit kippen. Insofern sehen wir das Käuferverhalten als sehr rational an. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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