Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Schüttelpartie geht weiter

Die Finanzszene spekuliert sich um den Verstand oder sie hat schon keinen mehr. Nachdem sie, berauscht von den unerwartet guten chinesischen Wirtschaftsdaten und der Aussicht auf Hilfsgelder für spanische Banken, Aktien und Ölnotierungen bereits zum Wochenende höher hievte, gab sie ihnen gestern Morgen Flügel. Von Freitagmorgen bis Montagmorgen legten Ölpapiere um rund fünf Prozent zu. Bemerkenswert ist, dass der geballte Sachverstand der bei Banken und Ölgesellschaften beschäftigten Volkswirte offensichtlich nutzlos ist, um die chinesische Wirtschaft im Speziellen und die Weltwirtschaft im Allgemeinen hinreichend zu erklären. Wirtschaft scheint überraschend zu sein wie eine Lotterie. Das widerspricht dem wissenschaftlichen Pathos, das Volkswirte mit ihrem Denken und Handeln vermitteln. Es gelingt ihnen nicht mehr, sich der Realität anzunähern, weil ihre Modelle der Realität entrückt sind. Man fühlt sich an das ausklingende Mittelalter erinnert, als die Macht der Kirche einzustürzen begann, weil die Modelle der aufkommenden Naturwissenschaften die Lebenswirklichkeit besser beschrieben als die in die Jahre geratenen Glaubenssätze des Klerus. Die einst sinnstiftenden Sätze waren zu reinen Machtinstrumenten verkommen. So verhält es sich heute mit dem institutionalisierten Wirtschafts- und Finanzsystem. Im Kern wurde es durch seine Protagonisten ausgehöhlt. Der moderne Klerus ist die Finanzwirtschaft. Die Glaubenskongregation wird von der klassischen Volkswirtschaft dargestellt. Herrschende Politik steht in der Tradition und der Macht des so beschriebenen Glaubens. Es gibt wachsenden Zweifel, dass dieses Wirtschafts- und Finanzsystem dem Wohl der Menschen dient. Ohne Zweifel dient es dem Wohl seiner Protagonisten.

Vom Zweifel ist mittlerweile sogar die Finanzszene erfasst. Deshalb kann geschehen, was in diesen Tagen geschieht. Konkret zeigt sich das am Fortgang der oben skizzierten Preisbildung. Von ihrem unglaublichen Höhenflug kamen die Ölnotierungen im Verlauf des gestrigen Handelstags um sagenhafte sechs Prozent zurück. Weder gab es anders lautende Daten aus China noch irgendeine Katastrophe, die die reale Weltwirtschaft schlagartig dahinstrecken könnte. Die Aktiennotierungen taten es den Ölwerten in ihrem Bewegungsdrang übrigens annähernd gleich. Fazit zu den jüngsten Wirtschaftsdaten und politischen Bekundungen: Die Worte hören wir wohl, allein der Glaube fehlt uns.

Glauben braucht es auch heute, damit die auf dem Geld- und Finanzsystem basierende Wirtschaft funktioniert. Der Wert des Geldes und der Finanzmittel basiert einzig darauf, dass seine Besitzer an diesen glauben. Es gibt keinen materiellen Standard für Geld, es gibt nur den, der in seinem Kredit steckt. Glaube = Kredit. Hinter jedem Euro und jedem Dollar steht ein Kredit gleichen Werts, das heißt der Glaube, dass ich morgen den gleichen Wert als Ware oder Dienstleistung für eine Geldeinheit bekomme, wie ich gestern dafür geben habe. Indem das Geld- und Finanzsystem zum Spielball der Finanzindustrie wurde, sinkt seine Glaubwürdigkeit, das heißt seine Kreditfähigkeit und damit sein realwirtschaftlicher Sinn. Alle politischen Maßnahmen, den Glaubwürdigkeitsverlust aufzufangen, schlugen bisher fehl. Eine Erklärung hierfür ist sicher, dass das Aushöhlen des Systems durch seine Protagonisten unverändert andauert. Der Geldklerus ist, um es simpel zu formulieren, verkommen. Das ist ihm selbst bewusst. Deshalb glaubt in der Welt der Finanzen keiner keinem mehr. Das System hat, so wie es heute angewendet wird, keine Zukunft. Es braucht eine so weitreichende Veränderung wie am Ende des Mittelalters, als die Naturwissenschaft der Kirche den Glauben abjagte. Damit soll nicht gesagt sein, dass die konsequente Anwendung der naturwissenschaftlichen Modellbildung den Weg aus den Problemen weisen wird. Sie hat aufgrund der Endgrenzung, die in ihr steckt, sogar zu den außerhalb des Geld- und Finanzsystems angesiedelten Problemen unserer Welt maßgeblich beigetragen. Jedes Problem, das ein Ingenieur seit der Neuzeit gelöst hat, hat ein neues Problem hervorgerufen. Mit der Fähigkeit zur Reflexion sollten sich trotz der Ansammlung negativer Fakten menschlichen Handelns zukunftsweisende Strategien finden lassen. Im zahlenmäßigen Aufblasen des Geld- und Finanzsystems mit kreditbasierten Hilfsprogrammen, an die kaum noch jemand glaubt, gelingt das nicht. Damit wird keine Zeit gewonnen, wie so oft gesagt wird, sondern Zeit verschwendet. Ebenso wenig wird das mit immer schneller drehender Rohstoffverwertung gelingen, weil die Rohstoffe endlich sind.

Da der gestrige Verfall der Ölpreise unter anderem mit dem mangelhaften Glauben an die Sinnfälligkeit der Hilfsgelder für spanische Banken zusammenhängt, versteht es sich quasi von selbst, dass der Euro, der Tags zuvor mit den Ölnotierungen stieg, ebenfalls fiel. Die Vergleichswährung, der Dollar, stieg demzufolge. Die tagesbezogene Änderung betrug 1,5 Prozent.

Heute Morgen wird der starke Verfall der Ölnotierungen ein wenig zurückgenommen. Eine Tagesrichtung ist damit nicht vorgegeben. Die übergeordnete Bewegung bleibt ungeachtet der gewaltigen Schüttelpartie der Kurse erhalten. Sie weist abwärts. Beim Dollar weist sie aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet 855,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 81,91 Dollar und in London zu 97,27 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 79,97 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Die Bewegung ist längst nicht so heftig wie die der börsengetriebenen Ölnotierungen, weil sie zum einen durch den Dollar gedämpft und zum anderen über einen Tag geglättet ist. Das heißt, im Heizölpreis wird nicht jede Regung der Börse abgebildet. Schließlich handelt es sich um ein physisches Gut, deren Bewegung zeitbehaftet und damit gegenüber der immateriellen Zahlenwelt an den Börsen träge ist. Ein Händler muss Heizöl kaufen und an Kunden verkaufen. In der dazwischen liegenden Zeit kann dieser Händler den Preis des Produkts nicht ändern, wenn er ein seriöser Kaufmann ist. So ist das Prinzip. Aber auch davon wird in einer immer schnelleren Welt abgewichen. Dem einen gefällt das, dem anderen nicht. Der Heizölpreistrend litt nicht unter der Schüttelpartie der letzten Tage. Er weist weiterhin abwärts. Insofern haben Spekulanten unter den Heizölkäufern weiterhin Grund, auf tiefere Preise zu setzen. Wer Spekulieren ablehnt, findet weiterhin recht freundliche Preise zum Sofortkauf. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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