Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Teuer oder billig?

In den Reihen der OPEC herrscht dem Vernehmen nach Besorgnis über den hohen Ölpreis. Die außerordentlich einträglichen Erlöse weiß man selbstverständlich zu schätzen. Die Preisentwicklung lässt aber Erinnerungen an 2008 aufkommen. Und die sind für Produzenten furchteinflößend. Damals brachen die Preise nach einem rasant erklommenen Hoch binnen sechs Monaten um fast 70 Prozent ein. Bis heute diskutieren die Gelehrten, ob der Crash einzig durch das Platzen der Immobilienblase in den USA verursacht wurde oder ob die Ölpreisentwicklung selbst maßgeblich dafür war, indem sie die Wirtschaft strangulierte.

In Euro notiertes Rohöl hat das Preishoch von 2008 bereits überschritten. Für Europa sehen die Konjunkturindikatoren bescheiden aus und ein gewaltiges Finanzproblem hat die Region auch. Der Mix ist hinlänglich bekannt. Insofern ist die Sorge über die realwirtschaftliche Entwicklung berechtigt. Der Unterschied zum Vorgängermodell der Krise, die ohne ernst genommene Vorwarnung hereinbrach, besteht im langsameren Anstieg der Ölpreise, die einen Gewöhnungseffekt ermöglichen, und in permanenten finanzpolitischen Feuerwehrmaßnahmen. Der Gewöhnungseffekt läuft auf eine Mischung aus Sparmaßnahmen und Leiden hinaus. Die Feuerwehrmaßnahmen bringen den Staat in immer tiefere Nöte. Auch diese Gemengelage lässt ein Finale erwarten.

Nun geht die Besorgnis der OPEC nicht soweit, dass sie mit Nachdruck an Preissenkungen arbeitete. Die Preise werden schließlich nur als „ein klein wenig“ zu hoch angesehen. Statt 125 Dollar pro Barrel wären 110 oder vielleicht 100 Dollar angemessen. Die Überhöhung gehe auf das Konto der Iranaffäre. In dieser Sache könne man nur hoffen, dass der Streit bald beigelegt sein möge. Dann sollten sich die Preise wieder beruhigen. Unerwähnt blieb, dass Unruhe in Produzentenstaaten der Normalfall ist. So wird aus dem Irak, der in den letzten Tagen erfolgreiche Produktions- und Exportsteigerungen meldete, über eine Drosselung der Förderung in Kurdistan um knapp 60 Prozent berichtet. Grund sei das Ausbleiben der Ölbezahlung durch die Zentralregierung seit zehn Monaten.

Die Offenheit für tiefere Preise wird vernommen. Die Möglichkeit, diese selbst bei bestem Willen durchzusetzen, steht indes infrage. Es ist ungewiss, ob Produzenten über ausreichende Reserven verfügen, um die Nachfrage üppig zu befriedigen. Angaben zum Thema sind grundsätzlich politisch. Sie halten keiner wissenschaftlichen Betrachtung stand. Die Fachwelt hat eine Ahnung, wie viel Öl in den Böden des Nahen Ostens schlummert. Wissen darüber hat sie nicht. Aktuell kann nur konstatiert werden, dass das Angebot die Nachfrage deckt und dass ein begrenzter Ausfall eines Lieferanten aufgefangen werden kann. Das ist schon mehr als man sich in schlechten Szenarien ausmalen darf. Endlichkeit erhebt sich in diesem Zusammenhang zu einem für die aufgeklärte Menschheit grundsätzlich neuen Lebensgefühl. Über Jahrhunderte, in denen der Mensch daran arbeitete, die Natur zum eigenen Wohlbefinden zu unterwerfen, galt der Fundus an Rohstoffen, der dienstbar gemacht werden konnte, als grenzenlos. Das gilt heute nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was darf Öl kosten, neu. Es gibt vielfältige Ansätze, diese Frage zu beantworten. Der Rückgriff auf eine geschichtliche Entwicklung und die volkswirtschaftliche Kontinuität ist einer. Dabei wird der Mangel, den gängige volkswirtschaftliche Modelle tragen, an der steigenden Zahl von Krisen ohne Lösung immer deutlicher. Ein anderer Ansatz bezieht die Kosten der Umweltschäden, die durch intensive Ausbeutung und Nutzung der Ressourcen verursacht wurden und werden, ein. Er bleibt in den wissenschaftlichen Institutionen eingeschlossen. In die Wirtschaft dringt er nicht vor. Ein dritter Ansatz stellt den Arbeitswert von Öl ins Verhältnis zu menschlichen Arbeitskosten. Ein schwer arbeitender Mensch kann eine Dauerleistung von 200 Watt erbringen. Um damit die Arbeit zu verrichten, die mit einem Barrel Öl in einer zeitgemäßen Maschine (Wirkungsgrad 35 %) erbracht werden kann, müsste er 2.783 Stunden arbeiten. Bei einer 40-Stunden-Woche entspricht das fast 70 Wochen Arbeit ohne Urlaub. Zum einen wird an dieser Betrachtung deutlich, warum die Menschheit die Erde in der großartigen Weise umbauen konnte, wie die Geschichte dies zeigt. Ihr stand die Arbeitsleistung von vielen Menschheiten zur Verfügung. Zum anderen zeigt das, wie billig Öl immer noch ist. Das Barrel kostet 125 Dollar. Von diesem Betrag kann kein Mensch in der modernen Welt überleben. Die Kostenschere zwischen „ewig“ lebenden Menschen und im Vergleich dazu sehr kurz verfügbarem Öl ist viel zu groß. Diese Anmerkung beantwortet selbstverständlich nicht die Frage, was Öl kosten darf. Die Antwort darauf wird einstweilen der Markt geben.

Heute Morgen sagen seine Teilnehmer, dass sie am gegenwärtigen Preisniveau festhalten wollen. Die Tonne Gasöl kostet 1.038,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,84 Dollar und in London zu 125,75 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,12 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Gleiches galt gestern für die Tagesendbetrachtung von Öl- und Dollarnotierungen. Sie scheinen sich auf ihren erreichten Niveaus einzupendeln. Das würde den im Aufwärtstrend befindlichen Heizölpreisen den Auftrieb entziehen. Sie würden auf Seitwärts wechseln. Diese Möglichkeit halten wir für plausibel. Einzig einen rasanten Preisabgang sehen wir aktuell gar nicht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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