Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Teuerredner sind unterwegs

Bisher war die 100-Dollar-Marke die Attraktion im Ölmarkt. Kurz vor ihrem Erreichen geriet die Preisentwicklung ins Stocken. Ob die 100 Dollar für das Barrel in dieser Saison noch zu zahlen sind, ist seit letzter Woche ein eigenes Spekulationsfeld. Zweifel sind angebracht und das um so mehr, je extremer die Höchstpreisnennungen für die kommenden Jahre ausfallen. Wenn der Bewegung nur eine Richtung zugetraut wir, wächst die Wahrscheinlichkeit für eine Umkehr. Das haben alle spekulationsgetriebenen Märkte gemeinsam. Beim Dollar sieht es anders aus. Hier begegnen sich zwei Fraktionen mit grundsätzlich unterschiedlicher Einschätzung. Für die eine ist die US-Währung längst unterbewertet und eine Umkehr der Bewegung überfällig. Für die andere geht die Tendenz in Richtung 50 Eurocent für einen Dollar.

Die oft zitierte Begründung, dass Öl so teuer ist, weil der Dollar so billig ist, macht wenig Sinn. Die Kursveränderungen liegen in unterschiedlichen Dimensionen. Ihr Verhältnis beträgt ungefähr 90/10. Es ist wenig lukrativ, in Dollar notiertes Öl zu kaufen, wenn der Dollar um fünf Prozent gefallen ist und der Ölpreis um 45 Prozent gestiegen ist. Öl ist damit schlicht deutlich teurer geworden. Genau das empfinden die Verbraucher. Und sie reagieren mit Kaufzurückhaltung. Diese wird in den alten Industrieländern zu einem moderaten Nachfragerückgang führen. Der wird aller Voraussicht nach sogar nachhaltig sein. Die neuen Industrieländer überkompensieren den Effekt allerdings, so dass die Weltnachfrage insgesamt weiter steigen wird. So jedenfalls lauten die aktuellen Prognosen.

Der Nachfrageanstieg wird stärker ausfallen als das Angebotswachstum. Das führt zu weiter steigenden Preisen. Diese einfache Logik wird auch in Zukunft gelten. Aus ihr leiten Auguren neue Höchstpreise ab. Das DIW (Deutsche Institut der Wirtschaft) mit Claudia Kemfert in Person wird mit einer Angabe von 200 bis 250 Dollar pro Barrel für das Jahr 2020 zitiert. Hugo Chavez, schillernder Linksdiktator Venezuelas, sagt 200 Dollar voraus, wenn die USA sich auf eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran einlassen. Solche Preisnennungen befriedigen die Sensationslust. Sie bieten keine aufklärende Substanz. Das heißt nicht, dass sie falsch sind. Es stellt sich nur die Frage, was sie bewirken sollen.

Im Fall von Chavez ist es klar. Die USA sollen keinen Militärschlag gegen den Iran führen. Die Botschaft des DIW bedarf hingegen eines Interpretationshinweises. Sollen wir uns vom Öl abwenden oder sollen wir uns auf den Preis einstellen? Sollen die Förderländer mehr Öl anbieten, damit der Preis nicht eintritt? Können sie das überhaupt? Die letzte Frage beantworten konservative Vertreter der Ölindustrie mit Ja, Kritiker hingegen mit Nein. Für die Jasager liegt ein Mangel an Öl nicht an einem Mangel an Ressourcen sondern an einem Mangel an Investitionen in ihre Förderung. Wechselweise bezichtigen sich Staatsunternehmen und Privatunternehmen gegenseitig, Schuld an der Preisentwicklung zu sein, weil sie zu wenig in den Aufbau von Ölinfrastruktur investiert hätten und damit den heute diskutierten Mangel billigend in Kauf nähmen. Die Privaten fordern von Saudi Arabien, Russland und Co. sowohl deutlich höhere Investitionen als auch eigene Zugänge zu den Ressourcen, um selbst investieren zu können. Die Staatlichen fordern von ExxonMobil, BP und Co. den Bau von Raffinerien und eigene Zutrittsrechte zum Endverbraucher.

Das Dilemma, in dem sich alle Ölunternehmen, egal ob staatlich oder privat, befinden, ist das gleiche. Es ist die Angst, noch einmal ein Desaster wie in den 1980er Jahren erleben zu müssen. Damals verfügte man über gewaltige Überkapazitäten, weil die vorausgegangenen Prognosen von andauerndem Nachfragewachstum berichteten, auf das man sich eingestellt hatte. Als Folge der politisch bedingten Hochpreisphase um 1980 brachen die Wirtschaft und Nachfrage zusammen. Außerdem setzte sich ein Paradigmenwechsel durch, der zu sparsamerer Verwendung von Energie führte. Die Produzenten besaßen verfügbares Öl, das keine Käufer mehr fand. In logischer Konsequenz verfiel der Preis. Unternehmen machten Pleite und Volkswirtschaften insbesondere der OPEC-Staaten wurden ruiniert. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Ölproduzenten panisch werden, wenn sie „weg vom Öl“-Tendenzen in den Industrieländern erleben. Derartige Tendenzen werden, wenn sie einseitig und unabgestimmt verlaufen, zu weiteren Ölpreis- und damit Energiepreissteigerungen führen, weil notwendige Investitionen unterbleiben und damit das Nachfragewachstum bereits jetzt das Angebotswachstum dauerhaft übersteigen wird.

Eine ernsthafte Politik für niedrigere Preise und für die allemal notwendige Senkung des Verbrauchs muss die wechselseitigen Interessen von Anbietern und Nachfragern gleichermaßen berücksichtigen. Zu Lieferverpflichtungen gehören auch Abnahmeverpflichtungen. Feinbilder und Feindschaften werden den Ölpreis befördern. Nur Partnerschaften mit OPEC- und Nicht-OPEC-Anbietern können ihn im Zaum halten.

Wie das Thema in Zukunft auch behandelt wird, ändert es nichts an der Tatsache, dass das Angebot aktuell ausreichend ist und die Preise, wenn sie denn einer reinen Angebots-Nachfrage-Logik folgten, fallen müssten. Wenn sie es nicht tun, mag das u.a. auch daran liegen, dass man an den Börsen nicht glaubt, dass die genannten Zusammenhänge zukünftig Beachtung finden werden.

Heute Morgen hält sich der Gasölpreis auf dem gestern erreichten Niveau. Die Tonne kostet 832,25 $. Die Börse nähert sich der Frage, Anstieg beendet oder neue Preisrunde?

Unsere Heizölpreise haben erneut zugelegt. Sie befinden sich abermals auf Höchstniveau. Neben der weltmarktbedingten Teuerung kommt nun eine Verbesserung der Margenlage im Inland hinzu. Diese wurde trotz schwacher Geschäfte möglich, weil vermehrt Leerstände auftreten, die Verbraucher in Kaufzwang bringen. Wer einmal in eine solche Lage geraten ist und die unangenehmen Folgen zu spüren bekam, sollte alles daran setzen, diese zu vermeiden. Hierbei hilft beispielsweise die Tankinhaltsmessung elektronischer Peilstab.

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