Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Verbrauch wächst stärker als Produktion

Die Ölpreise steigen. Rohöl nähert sich der 60$-Marke. Ein Durchbruch steht kurz bevor. Auf dem heimischen Markt hat der Heizölpreis in der letzten Woche ein Allzeithoch erreicht. Der Verlauf der Preisbewegung lässt einen Fortgang des Steigerungskurses erahnen. Der starke Anstieg des Dollars gegenüber dem Euro ist bis auf Weiteres unterbrochen. Das US-Leistungsbilanzdefizit und ungenügende Kapitalzuflüsse werden nach einer Phase der Euro-Ablehnung wieder wahrgenommen.

Inflationsbereinigt liegt der Rekordpreis für Rohöl bei 66$ pro Barrel. Er geht auf das Jahr 1981 zurück. Damals entfachte der Iran-Irak-Krieg größte Sorgen über ein Wegbrechen der Förderung beider Länder. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der alte Rekord im Verlauf des Jahres 2005 fällt. Dass Rohöl immer teurer wird, ist nicht zwingend. Denn das Ungleichgewicht aus Angebot und Nachfrage stammt ursächlich von zu geringen Produktströmen nicht aber von ungenügender Rohölförderung. Letztere ist gut, was sich nicht zuletzt in recht üppig gefüllten Lagern zeigt. Die Bevorratung von Heizöl und Diesel ist dagegen wenig befriedigend. Sie ist allerdings auch nicht sensationell tief. Die Vergangenheit brachte mehrfach ähnliche Werte wie heute zu Tage.

Wie kritisch die Versorgung mit Ölprodukten ist, lässt sich aus den Zahlen des ?BP Statistical Review of World Energy 2005? entnehmen. U.a. erfahren wir aus dem Werk, dass der absolute Zuwachs des weltweiten Energieverbrauchs im letzten Jahr den höchsten Wert der Geschichte angenommen hat. Der relative Zuwachs betrug 4,3%. Er war vor 1985 schon mal höher. Der Verbrauchsanstieg für Öl bleibt mit einem Plus von 3,4% hinter der allgemeinen Energieverbrauchszunahme zurück. Das Problem beim Ölverbrauch ist die ungenügende Steigerung der Raffineriekapazitäten. Diese wurden in 2004 lediglich um 1% erhöht. Die Aussichten für 2005 sind nicht besser, da der Bau von neuen Anlagen zu spät begonnen wurde. In den USA, wo der Ölverbrauch im letzten Jahr um 2,8% stieg, wurde seit 30 Jahren keine neue Raffinerie mehr gebaut. An ausreichenden Vorhaben zur Beseitigung des Missverhältnisses fehlt es immer noch. Der Löwenanteil des Mehrbrauchs, nämlich 36%, geht übrigens auf das Konto Chinas. Die USA sind mit 20% an der Steigerung beteiligt.

Dem BP-Werk entnehmen wir auch, dass die Ölförderung nicht das ursächliche Problem für steigende Preise sein sollte. Sie stieg im letzten Jahr immerhin um 4,5%, also deutlich höher als der Verbrauch. Die größten Produzenten waren Saudi Arabien, Russland und die USA. Während die beiden erst genannten Staaten ihre Förderung steigern konnten, musste die USA eine Reduktion hinnehmen.

Der Irak, auf den vor Beginn des letzten Krieges große Hoffnungen als Öllieferant gesetzt wurden, hat weiterhin aller größte Mühe, seinen Lieferverpflichtungen nachzukommen. Krieg und vor allen Dingen Sabotage verhindern weiterhin einen zügigen Ausbau der Fördermöglichkeiten des Landes. Abermals wurde von der neuen Regierung die Zielsetzung ausgegeben, in den kommenden 10 Jahren eine Fördermenge von 6 Mio. Barrel pro Tag erreichen zu wollen. Bisher kämpft man darum, wenigstens 2 Mio. Barrel pro Tag zu halten. Die Menge ist geringer als zu Zeiten der Sanktionen. Damals waren es ca. 2,5 Mio. Barrel. Um die gewaltige Steigerung zu erzielen, seien Investitionen von mehr als 20 Mrd. Dollar erforderlich. Angesichts der nach wie vor nicht gegebenen Sicherheit und Stabilität wird es schwierig werden, das Geld einzuwerben.

Still und abseits der öffentlichen Preisbildung haben einige Nahost-Länder Anfang Juni ihre Preise angehoben. Die Abschläge von bis zu 14$ pro Barrel gegenüber den bekannten Sorten WTI und Brent wurden durch die Preisrunde auf 2$ pro Barrel reduziert. Es ist kein gutes Zeichen für Verbraucher, dass sich die Steigerung (locker) zusetzen ließ.

Die Konstellation der Preischarts lässt gegenwärtig keinen anderen Schluss als neue und u.U. sogar umfangreiche Steigerungen zu. Lediglich die Verteilung der von großen Spekulanten gehaltenen Kontrakte, Long und Short, lässt noch Hoffnung, dass dem Markt eine breite Auftriebskraft fehlen könnte. Die Lage kann sich aber nach den deutlichen Signalen der Preischarts schnell ändern.

Der Gasölpreis steigt heute Morgen. Die Tonne kostet 527,50$. Der Preis liegt über der Handelsspanne vom Freitag.

Unsere Heizölpreise steigen. Entgegen der vergangenen Wochen erhalten sie momentan etwas Dämpfung von einem rückläufigen Dollar. Der Auftrieb aus der internationalen Ölwelt ist allerdings stärker. Wir können leider kein verbraucherfreundliches Bild für die kommenden Monate malen. Nach wie vor halten wir es für sinnvoll, sich trotz der hohen Preise kurzfristig mit einer Teilmenge einzudecken, die wenigstens bis zum Jahresende reicht. Erfahrungsgemäß werden sich die Preiswellen glätten, sobald klar ist, dass der nächste Winter mit den zur Verfügung stehenden Kapazitäten gemeistert werden kann. Das sollte, so die Hoffnung, ab November/Dezember der Fall sein.

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