Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Versorgung behindert

Am Weltmarkt halten sich sämtliche Trends. Gasöl und Heizöl werden immer billiger. Rohöl wird zumindest nicht teurer. Und der Dollar steigt wieder. Selbst die in Aussicht gestellte Zinserhöhung des Euros schüttelt die US-Währung ab.

Die Lage am internationalen Ölmarkt ist entspannt wie selten. Das ist in erster Linie der Situation in den USA zu verdanken. Dort sind die Vorratslager auskömmlich gefüllt und die Temperaturen alles andere als winterlich. Im Nordosten des Landes wird das meiste Heizöl verbraucht. Der Landesteil gilt als Schlüsselregion für die Heizölpreisbildung. Die Tagestemperaturen in Bosten sollen heute auf 12 Grad Celsius steigen. Morgen sollen es 15 Grad werden. In der zweiten Wochenhälfte sollen die Nachtemperaturen immerhin auf schwache Minusgrade fallen. Kältere Temperaturen werden seit Wochen vorhergesagt. Börsianer gehen davon aus, dass sie die Phase der sinkenden Preise beenden werden. Momentan werden sie aber noch nicht gehandelt. Solange die winterlichen Temperaturen nicht real gemessen werden, bleibt die Ölbörse entspannt.

Zu dieser Entspannung trägt auch die OPEC bei. Trotz sinkender Preise will man an den aktuellen Ausstoßmengen festhalten, gab der saudische Ölminister Naimi am vergangenen Wochenende zu Protokoll. Ohne Widerspruch aus den eigenen Reihe ist seine Einstellung allerdings nicht.

Als hilfreich für die verbraucherfreundliche Preisentwicklung wird außerdem der Fortschritt bei der Wiederinbetriebnahme der Öleinrichtungen im Golf von Mexiko angesehen. Die Ausfallquote liegt ?nur? noch bei ca. 40%. Im Umgang mit dieser Zahl wird die aktuelle Stimmung an den Börsen besonders deutlich. Vor drei Monaten hätte sie nicht wie heute die Bären gestärkt. Sie wäre als absolut bullisch interpretiert worden.

Als ein Grund für den Stimmungswandel wird der leichte Nachfragerückgang in den USA angesehen. Das Mutterland des Ölkonsums übt sich in Sparsamkeit. Kritiker glauben allerdings nicht an die Nachhaltigkeit der Entwicklung. Sie meinen, dass die Vernunft mit sinkenden Ölpreisen verschwinden wird. Das Nachfragewachstum der Boomländer wird derzeit verdrängt. Sobald die Stimmungslage an den Börsen umschlägt, wird es seine preistreibende Kraft neu entfalten.

In Deutschland kommen längst nicht alle Verbraucher in den Genuss fallender Heizölpreise. Zwar übt der Weltmarkt einen freundlichen Einfluss auf die Preisentwicklung aus. Der wird im Norden und Osten in Drei-Monats-Tiefpreisen sichtbar. Dagegen steigen die Heizölpreise im Westen und Süden teilweise kräftig an. Dort gibt es Engpässe bei der Versorgung. Hiervon sind besonders die Tanklager an den Wasserstraßen betroffen. Sie können auf Grund niedriger Pegelstände nur eingeschränkt beliefert werden. Verbraucher, die im Versorgungskreis solcher Lager wohnen, bekommen in diesen Tagen besonders deftige Preissteigerungen zu spüren. Ein Ende dieser wetterbedingten Problematik ist noch nicht in Sicht.

Heute Morgen ist noch keine klare Linie der Preisentwicklung zu erkennen. Sowohl das Wetter als auch die Charttechnik sprechen aber für eine Fortsetzung der laufenden Entwicklung. Gasöl kostet 494,50 $ pro Tonne. Das ist unwesentlich mehr als am Freitag.

Unsere Heizölpreise werden sich weiter vom Weltmarkt abkoppeln. Das Problem des Niedrigwassers auf dem Rhein und den verbundenen Wasserstraßen nimmt zu. Damit sind Preissteigerungen unausweichlich. Nur der Norden bleibt von dieser Erscheinung ausgenommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in den USA schneller kalt wird als hierzulande die Wasserstände der Flüsse steigen, ist groß. Damit wäre die Chance, in einigen Wochen neue Tiefpreise zu erzielen, äußerst gering.

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