Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Wo ist eigentlich der politische Klimawandel geblieben?

Sandy legt mit der Wall Street das Zentrum der globalen Finanzmärkte lahm und die Welt geht nicht unter. Den Ölnotierungen schadet Sandy nicht, da bullische und bärische Aspekte der Naturerscheinung ausgeglichen sind. In den USA wird weniger Öl produziert. Dort wird aber auch weniger Öl nachgefragt. Das sind die guten Nachrichten. Die schlechten erfahren Sie in den Mainstream-Medien, die mit Sandy die ganz große Show machen. Es liegt nahe, allen schlechten Nachrichten die Krone aufzusetzen, und den Sturm als Beleg für die Dramaturgie des Klimawandels zu nutzen. Diese Interpretation ist allerdings hypothetisch. Gleichwohl trägt Sandy dazu bei, das über die allgegenwärtige Finanzkrise vergessene Thema aus der Ecke zu holen.

Fast zeitgleich zu Sandy kommen Organisationen mit Dringlichkeitserklärungen zur Klimaproblematik heraus, die bisher gar nicht damit in Verbindung gebracht wurden, die OECD und die Bundeswehr. Mit ihren Institutionen tut sich die OECD üblicherweise als Think Tank für materiellen Wohlstand der Mitgliedsstaaten hervor. Die Bundeswehr verteidigt diesen Wohlstand für Deutschland sogar am Hindukusch. Kernbotschaft der beiden Erklärungen ist, Klima und Umwelt den Spitzenplatz politischer Aktivität zu geben und diesen nicht der Finanzwirtschaft zu opfern. Die den Aussagen zugrundeliegenden hausinternen Studien sind das komplementäre Gegenstück zu vorherigen Veröffentlichungen, die sich der Ressourcensicherung annehmen. Wissenschaftlich nennt man die Paarung Quellen und Senken. Die Quellen liefern die Stoffe, aus denen wir Menschen gelernt haben, materiellen Wohlstand zu generieren. Sie sind bekanntermaßen endlich. Senken sind die Plätze, denen der reichlich anfallende Müll unseres Treibens zugeführt wird. Hauptsächlich handelt es sich bei diesen Plätzen um Luft und Wasser. Auch diese Plätze sind endlich. Dessen sind sich selbst aufgeklärte Menschen weniger bewusst als der Endlichkeit der Ressourcen. Um die Schärfung dieses Bewusstseins geht es den Autoren der Studien. Sie bewerten die Gefahren der Vergiftung von Luft und Wasser derzeit höher als die Möglichkeit des Mangels an Ressourcen.

Es ist den Menschen gegeben, dem Sachverhalt eine so hohe Komplexität anzudichten, dass sie den einzelnen von einer relevanten Verhaltensanpassung befreit. Die Grunderkenntnisse zur Sache sind allerdings einfach zu verstehen. Aus ihnen lassen sich durchaus individuelle Verhaltensnormen ableiten, die dem, was OECD und Bundeswehr von Politik verlangen, in der Zivilgesellschaft entsprechen. In den folgenden drei Absätzen wird der Versuch unternommen, die Einfachheit der Problematik darzustellen. Vorab muss der sperrige Begriff Autopoiesis erläutert werden. Hier steht er für die „Selbsterschaffung und -erhaltung“ irdischen Lebens.

Die Erde ist ein natürliches Gebilde. Ihre Ausdehnung ist begrenzt und exakt vermessen. Ihr Stoffgehalt ist endlich und hinreichend bekannt. Ein Teil der Erdoberfläche steht der Menschheit als Habitat zur Verfügung. Sie teilt sich den Raum mit einer vielfältigen Flora und Fauna. Gemeinsam bilden sie ein autopoietisches System, dessen Fortbestand im Gleichgewichtszustand allein durch die eingestrahlte Energie der Sonne gewährleistet ist.

Der Mensch ist als einziges Wesen des autopoietischen Systems in der Lage, die „natürlichen“ Systemgrenzen zu überwinden. Er hat gelernt, seine Lebensbedingungen unter Zuhilfenahme des anorganischen und des langfristig gespeicherten organischen Stoffgehalts der Erde, ihren fossilen Ressourcen, zu verändern. Der Lernerfolg verschaffte der Menschheit Dominanz in diesem System. Am Beginn war die Dominanz ausschließlich qualitativer Art. Im Laufe des Erfolgs wuchs sie zu quantitativer Dominanz heran. Heute gefährdet das rasante Wachstum der Menschheit hinsichtlich Population und Ressourcenumwandlung den Fortbestand des autopoietischen Systems. Explizit bestehen die Gefahren in der Überbevölkerung der Erde und in der Vergiftung des Habitats.

Die Vorteilsnahme durch Umwandlung der fossilen Ressourcen war aus heutiger Sicht immer ein Projekt auf Zeit, da es in einem begrenzten Konfigurationsraum stattfindet. Das damit verbundene Wachstum kann nur temporär vom begrenzten Wachstum abweichen. In Zukunft sind Peak Anything und Peak Oil (Überschreiten von Nutzungsspitzen) Geschichte. Es ist durchaus möglich, dass das auf fossilen Ressourcen aufgebaute anthropogene Wachstumsmodell noch Optimierungspotenzial hat. Es ist mindestens offensichtlich, dass dieses Potenzial nicht mehr zum Wohl der gesamten Menschheit einsetzbar ist. Die kulturelle Aufgabe, ein postfossiles Gegenmodell in Praxis und Theorie zu entwickeln, ist nach Lage der Dinge obligatorisch. Es ist ratsam, ein solches Modell am Ort seiner Entstehung zu etablieren, statt es als unpraktizierten Exportartikel für Weltverbesserung fremden Kulturen anzudienen. Wenn Eigentum - auch geistiges Eigentum - verpflichtet, stehen die reichen Industrienationen in der Pflicht, nachhaltige Gesellschaftsmodelle und die dazu nötigen Techniken und Produkte zu entwickeln, die das autopoietische System nicht länger bedrohen.

An den Börsen ist die Lage heute ebenfalls recht einfach. New York bleibt geschlossen. Handelsimpulse sind Mangelsache. Die Ölnotierungen halten einen Seitwärtstrend. Die Tonne Gasöl kostet 971,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,73 Dollar und in London zu 109,60 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,23 Eurocent.

Unsere Heizölpreise ziehen an. Das liegt weniger an den Öl- als an den Dollarnotierungen und vor allen Dingen an der guten Binnennachfrage. Raffineriegesellschaften und Importeure nutzen diese zur Gewinnsteigerung. Der physische Markt erfüllt die ihm zugedachte Funktion. Dieser Satz missfällt Verbrauchern üblicherweise. Wir alle lernen und akzeptieren ihn aber bereits in der Schule. Er kann also nicht schlecht sein. Aufgrund der guten Versorgung und der eher zurückhaltenden Nachfrage am Weltmarkt sehe ich trotz eines tendenziell schwächeren Euros kein Davongaloppieren der Heizölpreise über den Winter. Den aktuellen Aufwärtstrend halte ich für begrenzt. Daraus ergeht die Empfehlung, sich momentan als Käufer aus dem Markt fern zu halten, soweit der Heizöltank das erlaubt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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