Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Zauber der Preisbewegung

Innerhalb der letzten Woche haben sich die Preise bewegt. Vorangekommen sind sie nicht. Der Beginn eines erwarteten oder wenigstens erhofften Preisrückgangs blieb aus. Die Tatsache, dass die Hurrikansaison in den USA glimpflich zu verlaufen scheint, reichte nicht, das Preisniveau zu senken. Weitere schlagkräftige Argumente liegen dem Markt derzeit nicht vor. So ist Geduld bezüglich des Phänomens „winterlicher Preisverfall“ gefragt, für dessen Eintritt es keine Gesetzmäßigkeit gibt. Das Phänomen, das in den letzten Jahren mehrfach auftrat, ist ein Produkt der Börse. Man kann es, wenn es kommt, vorteilhaft nutzen. Man sollte sich aber davor hüten, die Irren und Wirren der Börse zur Grundlage eines Energiekostenmanagements zu machen. Die Verfolgung des Börsengeschehens kann Energiekosten drücken. Die Energieherausforderung der Zukunft wird dadurch aber nicht gelöst.

Die Menschheit braucht immer mehr Energie. Das wird noch lange so bleiben. Hierfür spricht allein das ungebremste Bevölkerungswachstum. 1975 betrug die Bevölkerungszahl vier Mrd. Menschen. Ein Menschenleben später 2045 wird die Zahl nach heutigem Wissen dreimal höher sein, 12 Mrd. Menschen. Aber nicht nur die steigende Bewohnerzahl ist Ursache für steigenden Energiebedarf. Der Prokopfbedarf wächst auch. Er wächst, weil größere Teile der Weltbevölkerung an unserem Standard von Wirtschaft und Kultur teilhaben wollen. Wenn wir unsere Art, mit Energie umzugehen, nicht drastisch ändern, muss die Energienachfrage noch stärker wachsen als die Weltbevölkerung. Das würde Klimaprobleme und den explosiven Konflikt um die verbleibenden Ressourcen weiter verschärfen.

China ist das populärste Beispiel für die rasante Entwicklung. Das früher energieautarke Land steigerte seine Rohölimporte in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 18,1 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Eigenproduktion wuchs um 1,3 Prozent.

Viele Staaten haben die Zeichen der Zeit längst erkannt. Sie begegnen den Herausforderungen mit staatlicher Autorität, indem sie ihre Energieversorgung dem freien Markt entziehen. Russland ist hierfür ein exponiertes Beispiel. Nach der weltweiten Bewegung zur Privatisierung bricht sich im Energiesektor seit geraumer Zeit die Gegenbewegung Bahn. Mittlerweile ist der größte Teil der Weltenergieversorgung in staatlicher Hand. Die heute noch mächtigen privaten Unternehmen wie ExxonMobil, BP, Shell und andere sind längst in der Minderheit. Ihnen droht gar die Bedeutungslosigkeit. Ihnen wird im besten Sinn des Wortes der Hahn ihres einstigen Reichtums zugedreht. Sie kommen nicht mehr im benötigten Maß an die Ressourcen heran. So ist die Bereitschaft nicht erstaunlich, sich der Diskussion um eine Veränderung des Energieverhaltens zu stellen. Der Chef für Raffinierung und Verteilung von Shell, Rob Routs sinniert öffentlich über die Reduzierung des Bedarfs und eine bessere Aufklärung der Verbraucher. Sie mögen eigenverantwortlich ihren Energieverbrauch senken. Die Gedanken sind richtig. Daran ändert die Motivlage nichts.

Verheißungsvolle Entwicklungen müssen gleichwohl hinterfragt werden. So ist Drang zur Nutzung von Biokraft- und Brennstoffen, dem sich u.a. auch die Shell verschrieben hat, sehr skeptisch zu betrachten. Mittlerweile reiht sich in die Riege der Kritiker des Programms der US-Regierung zur Förderung von Biokraftstoffen sogar schon der weltgrößte Getreidehändler Cargill ein. Das Unternehmen profitiert hervorragend vom Biokraftstoffboom. Dennoch mahnt ihr Chef den zunehmenden Konflikt zwischen Nahrung und Energie an. Er fordert andere Wege zu suchen.

Eine Antwort lautet, Effizienz zu steigern. Das ist ein zutiefst demokratischer und marktgerechter Weg, an dem jeder Verbraucher individuell teilnehmen kann. Für den Bereich Raumwärme bedeutet das, in effiziente Heizungsanlagen und Wärmedämmung zu investieren, um Verbrauch und Verbrauchskosten zu senken. Mit einem Budget von ca. 8.500 Euro wird beispielsweise eine alte Ölheizung gegen eine neue Brennwertanlage ersetzt. Die Effizienzstierung wird ungefähr 30 Prozent betragen. Bei einem aktuellen Verbrauch von 3.500 Liter im Jahr und einem durchschnittlichen Heizölpreis von 0,85 Euro/Liter in den kommenden zehn Jahren beträgt die Einsparung aus vermindertem Heizölverbrauch knapp 9.000 Euro. Angesichts der Preisentwicklung der letzten Jahre und den Nachfrageaussichten für Energie könnte der Durchschnittspreis über zehn Jahre auch höher sein. Das würde den Einspareffekt weiter steigern.

Die Börse kann bei glücklicher Handhabung zur Kostensenkung beitragen. Den entscheidenden Beitrag wird sie aber nicht leisten. Zudem könnte sie ihren Einfluss zukünftig verlieren, weil die wichtigen Preisbildungsmechanismen dem Markt entzogen werden. Einsparungen aus Effizienz bleiben hingegen das uneingeschränkte Privileg der Verbraucher. Sie sollten sich diesem Thema tatsächlich stärker widmen. Hierin teilen wir die Meinung des oben zitierten Shell-Chefs.

Heute Morgen ist die Börsenstimmung übrigens ruhig. Die gestrigen Verluste werden bestätigt. Die Tendenz ist fallend. Die Tonne Gasöl kostet 671,00 $.

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Die Aussicht auf einen weiteren, moderaten Preisrückgang ist vorhanden. Der Dollar dämpft die Bewegung. Er steigt in mittlerweile fast untypischer Weise. Hinsichtlich des erwarteten winterlichen Preiseinbruchs bleiben wir weiterhin skeptisch. Das Motto dürfte lauten, Rückgang ohne Einbruch. Mittelfristig wird der Preis vom Charakter des kommenden Winters bestimmt.

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