Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


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Die US-Ölbestände sinken. Damit hat die Finanzszene nicht gerechnet. Die sich bietende Chance für eine rasante Anhebung der Ölnotierungen nutzt sie nur halbherzig. Offensichtlich konzentriert sie sich auf ein anderes Thema. Dabei haben die Zahlen über die wöchentliche Änderung in den öffentlichen Öllagern, die DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gestern meldeten, eine besondere Würdigung verdient. Sie bestätigen die längste Phase abnehmender Bestände seit Beginn der Finanzkrise 2008. Aktuell lässt sich aus dieser Tatsache kein Knappheitsszenario entwickeln, weil die US-Nachfrage ebenfalls rückläufig ist. Mit fortschreitendem Abbau kann Knappheit aber wieder zum Thema werden. Wenn die Aufmerksamkeit der Finanzjongleure zum Öl zurückkehrt, wird sie sich der Sache annehmen. Die Lagerdaten lauten wie folgt:

Rohöl: -4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,5 (DOE) bzw. 10,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt unverändert 88 Prozent. Aus der Situation wurde ein Anstieg der Ölnotierungen von ein bis zwei Prozent generiert. In diesen Zeiten kennt man heftigere Preisausschläge.

Das besondere Interesse der Finanzindustrie ist derzeit auf sie selbst gerichtet. Vor dem Hintergrund einer zu erwartenden Insolvenz Griechenlands steht die eigene Ausstattung mit Geld im Fokus. Der Interbankenfluss von Finanzmitteln ist aufgrund des Misstrauens untereinander erheblich gestört. Wie in 2008 zweifelt jede Bank an der Solidität jeder anderen Bank. Man weiß voneinander nicht, wie viele griechische Finanzleichen in den Bilanzen versteckt sind, die im Fall des Staatsbankrotts zu Insolvenzgründen für einzelne Banken werden. Wieder ist, wie in 2008, der Geldfluss für die Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Nicht zuletzt aus diesem Grund werden die Konjunkturerwartungen kontinuierlich gesenkt. Entwickelt werden die Erwartungen von Banken und ihnen nahestehenden Organisationen. Es sind Erwartungen einer zutiefst auf sich selbst bezogenen Gruppe. Aufgrund ihres unangemessen großen Einflusses auf die Gesellschaft hat sie das Vermögen, selbsterfüllende Prophezeiungen in die Welt zu setzen. Vertreter der Realwirtschaft haben andere Erwartungen.

Die politische Klasse kennt offensichtlich nur ein Verhaltensmuster. Es gleicht dem in 2008 praktizierten. „Notleidende“ Banken werden gestützt. Der zeitliche Verlauf politischer Maßnahmen sieht erst die von der Gesellschaft aufzubringende Hilfe vor, weil Gefahr im Verzug ist, dann die Beschäftigung mit der Frage, was eigentlich schief gelaufen sei, um schließlich neue Regeln für die Finanzwirtschaft zu erlassen. Die Logik der Macht konterkariert den Ablauf. Die Punkte zwei und drei werden nicht exekutiert. Seit der ersten Nothilfe für Banken vor drei Jahren sind die Verhältnisse klar definiert. Banken legen die Regeln fest, denen Politik zu folgen hat. Ihr Instrument zur Durchsetzung der Macht ist die Drohung mit dem Zusammenbruch des Finanzsystems. Es ist quasi die Drohung mit der Superbombe, die die Welt in Trümmern legt. Diese Bombe hat die Politik in 2008 durch die Festlegung des zeitlichen Verlaufs der Maßnahmen scharf geschaltet. Sie hätte das Scharfschalten durch die Umkehrung des Verlaufs vermeiden können.

Mit der ersten Hilfe für Banken wurde ein Fass ohne Boden aufgemacht. In dieses Fass müssen immer größere Geldmengen strömen, um das Niveau im Inneren einigermaßen stabil zu halten. Wer sehen wollte, konnte das lange vor dem Knall in 2008 erkennen. Es manifestiert sich in der Tatsache, dass Geldmenge und Finanzvermögen seit 20 Jahren erheblich schneller wachsen als die Realwirtschaft. Dieser Wachstumsunterschied kommt der breiten Gesellschaft nicht zugute. Im Gegenteil, er richtet sich gegen allgemeinen Wohlstand. Die aufgeblasenen Finanzmittel sind nicht werthaltig. Das fällt solange nicht auf, wie diese Mittel von der Realwirtschaft gekapselt sind. Wenn sie in die Realwirtschaft gelangen, wird es eine gewaltige Inflation geben. Wenn sie im gekapselten Zustand bereits wieder vernichtet werden, bricht das Finanzsystem zusammen, weil die Bilanzen der Finanzgesellschaften in Schieflage geraten. Es macht überhaupt keinen Sinn, den Strom staatlicher Gelder in das bestehende Finanzsystem fortzusetzen. Das System ist nicht überlebensfähig.

Die Ankündigung neuer Bankhilfen gefällt der Finanzszene selbstverständlich gut. Diese Szene sieht nicht die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge, sondern nur die eigenen Interessen. Die Ankündigung ließ Aktien- und Ölnotierungen gestern steigen. Heute Morgen setzt sich der Zug nach oben fort. Die Tonne Gasöl kostet 921 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 80,24 Dollar und in London zu 103,01 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,04 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie folgen den Vorgaben der Börsen. Dort wird Öl teurer und der Dollar etwas billiger. Als kurzfristiger Trend sollte die Richtung für ein paar Tage erhalten bleiben. Übergeordnet dominiert der Seitwärtstrend. Die Lage der Finanzsysteme bietet große Hoffnung, dass dieser Trend nach unter durchbrochen werden kann. Die Haltung der Politik verbietet die Hoffnung. Da die Preisunterschiede der Heizölangebote keine großen Einsparungen ermöglichen, macht es Sinn, beim Kauf auf Qualitätsunterschiede der Anbieter zu achten. Hierzu haben wir mit der Händlerbewertung eine bisher nicht vorhandene Möglichkeit geschaffen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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