Kurzfristige Verknappung stützt die Ölpreise
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Der Ölmarkt bleibt anfällig für Störungen. Kurzfristige Angebotssorgen und geopolitische Spannungen reichten gestern einmal mehr aus, um die Preise in der zweiten Tageshälfte deutlich nach oben zu treiben. Brent-Rohöl notiert aktuell bei 67,20 Dollar je Barrel.
Preisstützend wirkten weiterhin die kältebedingten Produktionsausfälle in den USA infolge von Schneesturm Fern. Analysten schätzen die Ausfälle auf etwa 2 Millionen Barrel pro Tag. Zugleich kam der Neustart der Förderung am kasachischen Tengiz-Ölfeld langsamer voran als zunächst erwartet. Zwar hatte die Wiederaufnahme der Produktion am Morgen noch für Preisabschläge gesorgt, doch gilt für das förderstarke Ölfeld weiterhin ein Force Majeure – eine vertragliche Klausel, die Haftungsansprüche bei Lieferverzögerungen und Vertragsverletzungen ausschließt.
Aus Insiderkreisen hieß es, bis zum 5. Februar solle lediglich ein Viertel der Ölproduktion in Tengiz wieder anlaufen. Bis zum 7. Februar werde ein Förderniveau von 46 Prozent erwartet – rund 420.000 Barrel pro Tag. Das Ölfeld war seit dem 18. Januar nach einem Brand vollständig ausgefallen. Wann die volle Produktionskapazität wieder erreicht sein wird, blieb zunächst ungewiss.
Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Ölnotierungen durch geopolitische Risiken, insbesondere mit Blick auf den Iran. Die USA haben ihre Militärpräsenz im Nahen Osten erhöht, mehrere Kriegsschiffe sind in der Region angekommen. Marktteilnehmer fürchten mögliche Lieferausfälle, sollte sich die Lage weiter zuspitzen und es in den kommenden Tagen zu einem militärischen Eingreifen kommen. Allein die Unsicherheit reichte aus, um die Risikoprämie im Ölpreis zu erhöhen.
Zudem wirkte die Dollar-Schwäche preisstabilisierend. Sie macht Ölkäufe für Händler aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Nachfrage nach den in US-Dollar gehandelten Ölfutures erhöht und die Preise zusätzlich stützt.
Auf der anderen Seite bleibt das prognostizierte globale Überangebot ein dämpfender Faktor. Aus OPEC-plus-Kreisen war zu hören, dass die Allianz beim nächsten Meeting am Wochenende wohl nicht an der beschlossenen Pause bei den Förderanhebungen bis einschließlich März rütteln wird. Das bestätigt, dass auch die OPEC-Produzenten weiterhin von einem überversorgten Markt ausgehen.
Auch die Meldung, dass eine neue indische Raffinerie noch in dieser Woche ihren Betrieb aufnimmt – mit dem Ziel einer Tageskapazität von rund 180.000 Barrel bis zum kommenden Jahr – sprach für eine künftig mehr als entspannte Versorgungslage. Sie blieb am Markt jedoch eine Randnotiz. Die aktuelle und zeitlich begrenzte Verknappung überlagert derzeit die längerfristigen Angebotsaussichten und stützt die Ölpreise.
Heute warten die Trader auf den wöchentlichen Ölbestandsbericht des US-Energieministeriums und erste Hinweise auf die Auswirkungen von Schneesturm Fern. Anhaltend niedrige Temperaturen in Teilen der USA könnten auch nach Abzug des Sturms die Lagerbestände weiter belasten.
Die Ölpreise sind auf höherem Niveau in den Handel gestartet und suchen zur Stunde ihre Richtung. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 62,16 Dollar
. Brent kostet 67,18 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 690,00 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8344 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1981 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen heute Morgen leicht an, nachdem sie gestern noch etwas Abwärtsspielraum genutzt hatten. Beide Impulse sind auf Kursbewegungen am internationalen Ölmarkt zurückzuführen. Am Morgen liegt der bundesweite Durchschnittspreis in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 91,70 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Die Bestellungen im Binnenland befinden sich auf mittlerem Niveau. Die Erwartungen der Heizölkunden auf sinkende Preise sind etwas niedriger als sonst. Laut tagesaktueller Lesereinschätzung erwarten 74 Prozent der Befragten künftig fallende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer zeitnah Heizöl braucht, sichert sich mit einer Bestellung zu moderaten Preisen ab. Wer dabei etwas Platz im Tank lässt, kann auf mögliche Rückgänge zu einem späteren Zeitpunkt spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 28. Januar 2026
