Der Nahe Osten wird zum wilden Osten
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Da Donald Trump bekanntermaßen nicht lügt, sondern allenfalls alternative Fakten schafft, müssen wir mit dem Umstand leben, dass ein Deal mit dem Iran vor der Tür steht. Dort steht er schon ziemlich lange und tritt nicht ein. Es sind die autosuggestiven Gedanken des obersten Feldherrn, die ihn immer noch vor dieser Tür wähnen. Am Ölmarkt ahnt man, dass er schon gegangen sein könnte. Ahnen ist nicht Wissen und so halten sich die Preise für Rohöl der Sorte Brent immer noch wacker in einem seitwärts gerichteten Korridor zwischen 90 und 110 Dollar pro Barrel. Die Tonne Gasöl treibt zwischen 1.000 und 1.200 Dollar seitwärts. Sie war im Kriegsverlauf schon teurer.
De facto nehmen die Spannungen im Nahen Osten zu. Erstmals seit der Waffenruhe im April hat der Iran wieder Raketen auf Israel abgefeuert und dies mit Verstößen Israels gegen die Waffenruhe im Libanon begründet. Israel reagierte in der Nacht mit Gegenangriffen auf Ziele im Iran. Gleichzeitig wächst der Druck auf den US-Präsidenten. Berichten zufolge soll er Israels Premier Benjamin Netanjahu zur Zurückhaltung aufgefordert haben, während er weiterhin von einem bevorstehenden Abkommen mit dem Iran visioniert. Die iranischen Angriffe bezeichnete Trump als wirkungslos und betonte, dass Netanjahu ein mögliches US-Iran-Abkommen akzeptieren müsse, da nur er allein der Chef im Ring sei.
Derweil hat die OPEC-Plus ihre Förderziele zum vierten Mal in Folge angehoben und plant für Juli eine zusätzliche Produktion im selben bescheidenden Ausmaß wie bei den letzten Aufstockungsrunden. Damit setzt die Gruppe den schrittweisen Abbau der seit 2023 geltenden freiwilligen Förderkürzungen fort. Allerdings bleibt die tatsächliche Wirkung begrenzt, da die Schließung der Straße von Hormus die Ölproduktion vieler Mitgliedsstaaten stark beeinträchtigt. Experten sehen vor diesem Hintergrund kaum Auswirkungen auf das Angebot. Sollte die wichtige Schifffahrtsroute wieder geöffnet werden, könnte sich die Marktlage allerdings schnell von Sorgen über Knappheit hin zu Befürchtungen eines Überangebots verändern.
Wirksam werden indes Preissenkungen Saudi Aramcos für die Rohöllieferungen im Juli, die heute Früh angekündigt wurden. Für Nordwesteuropa und den Mittelmeerraum sind Abschläge von zehn Dollar pro Barrel angezeigt. Für die USA gibt einen Abschlag von zwei Dollar pro Barrel und für Asien einen Abschlag von sechs Dollar pro Barrel. Der Kaufpreis für saudisches Öl wird weiterhin mit den Börsennotierungen schwingen. Er wird lediglich um die genannten Abschläge reduziert. Das Öl kann daher wider die Preissenkung teurer werden, wenn die Börsen gegen das Verbraucherinteresse laufen.
Trotz der extrem angespannten Lage am Ölmarkt sieht die EU derzeit keine Gefahr von Engpässen bei Flugtreibstoff. Allerdings belasten die stark gestiegenen Treibstoffkosten die Fluggesellschaften, so dass einige wirtschaftlich schwache Strecken eingestellt werden. Die EU kann Ausfälle von Lieferungen aus dem Nahen Osten bislang durch Importe aus den USA und Nigeria ausgleichen und verfügt zudem über ausreichende Notfallreserven. Sollte die Lage im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus jedoch anhalten, könnte sich die Situation zum Jahresende aber deutlich verschärfen. Durch die freundlich klingenden Bekundungen sollten Urlauber nicht das Bewusstsein für eine steigende Insolvenzgefahr bei Fluggesellschaften verlieren. Als verantwortungsvoller Prepper denkt man vor einer Reise schon mal über einen Notfallplan für den Heimflug nach.
An den Börsen wird heute Morgen wieder einmal der Abgesang an einen Deal mit dem Iran gehandelt. Die Ölnotierungen sind bereits mit einem Preissprung in die neue Handelswoche gestartet. Dieser wird mit einem stetigen Anstieg fortgesetzt. Zur Stunde beträgt das Plus bei Rohöl und Gasöl fünf Prozent.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 94,55 Dollar
und das Barrel Brent zu 97,53 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.113,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8679 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1522 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise drehen heute Morgen wieder aufwärts, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das entspricht in der Richtung den internationalen Vorgaben. In der Höhe fällt die Bewegung aber geringer aus. Die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des Anstiegs steigt mit der Unwahrscheinlichkeit eines Abkommens zwischen den USA und dem Iran. Noch liegt ein kurzfristiger Abwärtstrend beim Heizölpreis vor. Aber warum sollte die Geopolitik im Nahen Osten unserer Statistik folgen?
Das Heizölinteresse im Binnenmarkt ist übersichtlich. Das kann man hinsichtlich der Hoffnung auf tiefere Preise nicht konstatieren. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Man wird sich leider für längere Zeit an das erhöhte Preisniveau gewöhnen müssen. Deshalb sei daran erinnert, dass die Bestellung einer Teilmenge, immer eine Option zum Volltanken ist.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 08. Juni 2026
