Kein Waffenstillstand in Sicht. Ölmärkte bleiben entspannt. Preise fallen
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Recht ruhig ging es gestern an den Ölbörsen zu. Die Preise gaben im Tagesverlauf nach. Brent-Rohöl kostet heute zum Handelsstart unter 95 Dollar je Barrel. Das sind zwei Dollar weniger als gestern.
Die Hisbollah-Terrormilizen lehnten wie erwartet einen Waffenstillstand im Libanon ab und verlangten den Rückzug der israelischen Streitkräfte. Das kam nicht überraschend und hatte kaum Einfluss auf die Ölpreise.
Auch der Konflikt am Persischen Golf harrt einer Lösung. Vor wenigen Stunden griff eine Drohne das Ölterminal Mina al Fahal in Oman an, also weit östlich der Meeresenge von Hormus. Anscheinend halten sich die Schäden in Grenzen.
Die Straße von Hormus ist jetzt seit fast 100 Tagen weitgehend geschlossen. Trotzdem gibt es weltweit kaum Probleme mit der Rohölversorgung. Der weltweite Lagerabbau, die Exportoffensive der USA und die sehr niedrigen Ölimporte Chinas sorgen im Moment für eine ausreichende Versorgung. Die Ölmärkte setzen darauf, dass der Konflikt gelöst wird, bevor die Lagerbestände kritische Schwellen unterschreiten.
Schwieriger ist die Lage bei den Ölprodukten wie Kerosin, Diesel, Naphtha oder seit kurzem auch Benzin. Die Preise bleiben hoch, aber zumindest in Europa gibt es keine Versorgungsengpässe. Die USA und auch Nigeria können im Moment viele Lücken schließen, die durch den Ausfall der Lieferungen aus dem Golf entstanden sind. Vor allem die neue Dangote-Großraffinerie in Nigeria, die größte Raffinerie Afrikas, konnte zum optimalen Zeitpunkt ihren Betrieb aufnehmen. Sie versorgt Europa mit Kerosin und Diesel.
US-Präsident Trump geht dem Iran-Thema im Moment am liebsten aus dem Weg. Der Widerstand in den USA wächst, auch in den eigenen Reihen. Formelhaft verkündet er die üblichen Erfolgsmeldungen, aber sie haben sich schon zu oft als Unwahrheiten oder maßlose Übertreibungen herausgestellt. Auch die Ölbörsen reagieren immer weniger auf neue Statements aus dem Weißen Haus.
Analysten warnen jedoch vor zu viel Gelassenheit. Die relativ niedrigen Preise senden die falschen Signale aus, so die Befürchtung. Die Ölnachfrage bleibt hoch, obwohl die globale Versorgung auf einen Engpass zusteuert.
Die Warnung verhallt zumindest heute ungehört. Brent-Rohöl kostet aktuell 94,74 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 92,42 US-Dollar je Barrel
. Rotterdamer Gasoil wird zu 1074,25 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8599 Euro wert
. Der Euro steht bei 1,1627 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Wenig Bewegung bei den Heizölpreisen: In den ersten Handelsstunden ist vom Preisnachlass im internationalen Rohölmarkt wenig zu spüren. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt aktuell einen landesweiten Durchschnittspreis von knapp 123 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das ist nur ein Euro weniger als gestern, aber drei Euro mehr als am Montag.
Der Heizölmarkt bleibt ruhig. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher warten ab. Dasselbe gilt für das mathematische Tiefpreis-System, das Preistrends auswertet. Es bleibt im neutralen Bereich.
Die Zahl der Preisoptimisten wächst jetzt wieder. Im Moment setzen 63 Prozent der Stimmen in der täglichen Lesereinschätzung auf sinkende Heizölpreise. Das sind etwas mehr als gestern, aber immer noch deutlich weniger als vor einer Woche.
Die Lage in den Ölmärkten ist im Moment unerwartet entspannt. Die Preise sind angesichts der Versorgungsrisiken geradezu moderat. Wer ohnehin in den nächsten Monaten Heizöl nachbestellen muss, sollte jetzt nicht nur wegen der WM am Ball bleiben.
Nach wie vor gilt jedoch: Nichts ist billiger und klimaschonender als Heizöl, das nicht verbraucht wird. Reduzieren Sie Ihren Heizölbedarf und überdenken Sie Ihre aktuelle Heizlösung. Die Verbraucherzentralen halten Tipps und Empfehlungen bereit.
Heizölpreise-Chart vom 05. Juni 2026
