Erneute Eskalation am Persischen Golf liegt in der Luft. Rohölversorgung unerwartet stabil
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Nach dem Anstieg vom Mittwoch geben die Ölpreise heute etwas nach. Brent-Rohöl kostet am Morgen knapp 115 Dollar je Barrel. Eine spürbare Entspannung ist das jedoch nicht. Die Rohölpreise bleiben knapp unter dem Jahreshoch.
Die Händler klammern sich in diesen Tagen an jeden Strohhalm. Gestern war es ein Brief aus Washington. Nach Medienberichten hat sich US-Vizepräsident Vance direkt an den Chef des iranischen Sicherheitsrats gewandt. Nur Verhandlungen über die Atomfrage könnten weitere US-Militärschläge abwenden, so die Botschaft. US-Präsident Trump stellte den Brief dagegen als Angebot für medizinische Hilfe dar.
Eine Eskalation liegt weiterhin in der Luft. Das Wall Street Journal und die Nachrichtenagentur AP berichten, dass sich mehrere Golfstaaten auf einen US-Militäreinsatz nach den Kongresswahlen am 3. November einstellen. Die Huthi-Miliz im Jemen setzt ihre Angriffe unterdessen fort. Nach der Attacke auf die saudische Großraffinerie Ras Tanura am Dienstag griff sie gestern den Flughafen von Aden an. Heute Morgen fing die saudisch geführte Koalition eine Rakete über dem Osten des Königreichs ab.
Die Versorgung mit Rohöl bleibt jedoch erstaunlich stabil. Die saudischen Exporte liegen auf dem höchsten Stand seit Kriegsbeginn. Auch die russischen Raffinerien scheinen sich seit Mitte Oktober zu erholen. Das könnte den Dieselexporten einen Schub geben.
In Europa wächst dagegen der Druck. Ohne den Tankrabatt wäre der Dieselpreis in Deutschland auf einem Allzeithoch. Im Gasmarkt sieht es nicht besser aus. Der europäische Gaspreis stieg gestern erstmals seit Dezember 2022 über 100 Euro je Megawattstunde. Die EU-Energieminister beraten heute über die Versorgungslage im Winter. Die Kommission verhandelt bereits mit den Raffinerien über eine höhere Produktion, eventuell auch über gelockerte technische Vorgaben für Kraftstoffe.
Aber wie es so schön heißt: Das Geld ist ja nicht weg, es ist jetzt nur woanders. Die großen Ölkonzerne melden in diesen Tagen ihre Quartalsgewinne. Sie liegen im Durchschnitt doppelt so hoch oder sogar dreimal so hoch wie im Vorjahr. Vor allem die Raffineriegewinne legten enorm zu.
Weniger spektakulär fiel gestern der Wochenbericht zum amerikanischen Ölmarkt aus. Die Rohölbestände sanken überraschend um knapp 2 Mio. Barrel. Die Tendenz bei den Ölprodukten war uneinheitlich: Mehr Benzin, weniger Diesel/Heizöl. Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,0 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: +3,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,4 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -0,1 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen starten am heutigen Morgen mit leichten Abschlägen in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 114,83 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 101,91 US-Dollar je Barrel
. ICE-Gasoil wird zu 1.449,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8969 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1147 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Heizöl bleibt teuer. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von gut 172,5 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das liegt nur einen halben Euro unter dem Vortag. Die fallenden Preise für Gasoil, das Vorprodukt für Diesel und Heizöl, könnten heute aber noch für niedrigere Preise sorgen.
Der Heizölmarkt ist unverändert lebendig. Die Zahl der Bestellungen ist hoch. Das gilt auch für die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen. Die Stimmung hellt sich etwas auf. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen 61 Prozent der Stimmen mit fallenden Preisen, gestern waren es 58 Prozent.
Fazit: Die weltweite Versorgung mit Rohöl läuft besser als erwartet, aber die Probleme im Dieselmarkt halten die Heizölpreise in der Nähe des Jahreshochs. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Ein neuer Militärschlag gegen den Iran liegt in der Luft. Wer jetzt Heizöl kaufen muss, kann sich nur damit trösten, dass die Krise (fast) alle trifft. Ein Kreuzfahrtschiff strandete in dieser Woche vor der Küste Kambodschas. Die Reederei kann die hohen Treibstoffkosten nicht mehr bezahlen. Die Passagiere müssen nun auf eigene Faust den Heimweg Richtung Europa antreten.
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Heizölpreise-Chart vom 29. Oktober 2026
