Iran schickt die Ölpreise auf- und abwärts
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Die Geopolitik dominierte am Dienstag das Ölparkett. Auslöser für heftige Preisschwankungen war einmal mehr der Iran. Die iranische Revolutionsgarde führte ihr angekündigtes Militärmanöver im Persischen Golf durch und schloss dafür mehrere Stunden lang die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schlagadern des globalen Ölhandels. Die Notierungen zogen daraufhin deutlich an.
Täglich passieren rund 21 Millionen Barrel Öl die Meerenge. Teheran bringt eine mögliche Schließung der Route regelmäßig als Druckmittel gegenüber den USA ins Spiel. Nach gegenseitigen scharfen Drohungen verliefen die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran in Genf gestern jedoch offenbar besser als erwartet. Laut dem iranischen Außenminister seien sie „konstruktiv“ gewesen und hätten zu einer ersten Verständigung über grundlegende Prinzipien geführt. Die Folge: Am Nachmittag gaben die Ölpreise ihre Gewinne wieder ab und rutschten zeitweise deutlich ins Minus.
Die entscheidende Frage bleibt, ob sich die Lage im Nahen Osten nachhaltig entspannt und damit auch das Risiko möglicher Lieferunterbrechungen sinkt. Der diplomatische Spielraum dürfte allerdings begrenzt sein. Die Interessen beider Seiten liegen weit auseinander. Iran ist bereit, sein Atomprogramm zu begrenzen, fordert dafür im Gegenzug jedoch die Aufhebung von US-Wirtschaftssanktionen. Washington verlangt darüber hinaus, dass Iran weniger ballistische Raketen baut und seine Unterstützung für Milizen wie Hamas und Hisbollah beendet.
Brent-Rohöl eröffnet die Wochenmitte nach dem Auf und Ab bei rund 67,60 Dollar je Barrel. Der Ölmarkt bleibt nervös, trotz des prognostizierten Überangebots. Die aktuellen Monatsberichte dazu waren in der vergangenen Woche preisdämpfend ausgefallen. Die US-Energiebehörde EIA erwartet im laufenden Jahr einen Angebotsüberschuss von 3,04 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, die Internationale Energieagentur IEA sogar von 3,7 Millionen Barrel täglich. Doch diese Zahlen sind derzeit nur Hintergrundrauschen für die Preisbildung.
Heute werden die ebenfalls in Genf geführten Gespräche über eine mögliche Waffenruhe im Ukraine-Krieg fortgesetzt. Konkrete Ergebnisse sind bislang nicht bekannt. Aus Sicht des Ölmarktes geht es um folgende Fragen: Bleiben die Russland-Sanktionen bestehen, werden sie noch einmal verschärft oder zeichnet sich eine Lockerung ab? Letzteres würde eine der Risikoprämien aus dem Markt nehmen. Der Ölmarkt steckt in seiner Rolle als geopolitischer Seismografen fest. Dabei dürfte es in den kommenden Tagen bleiben.
Nach den Verlusten von gestern Nachmittag haben sich die Ölpreise stabilisiert und starten heute mit einem moderaten Erholungsversuch. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 62,60 Dollar
. Brent kostet 67,72 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 679,25 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8445 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1839 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise ziehen leicht an und ignorieren damit den gestrigen Preisrücksetzer am internationalen Ölmarkt. Hintergrund ist die erneute Aufwärtsbewegung, die sich dort heute Morgen bereits abzeichnet. Im Binnenland steht der bundesweite Durchschnittspreis in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zur Stunde bei 92,10 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Impulsgeber für die weitere Preisentwicklung dürften die geopolitischen Spannungen rund um den Iran sowie die Ukraine-Friedensgespräche bleiben. Sie sorgen am Weltmarkt weiterhin für eine erhöhte Risikoprämie und verhindern bislang deutlichere Preisnachlässe im Inland.
Die Heizölnachfrage bewegt sich auf durchschnittlichem Niveau. Die Hoffnung auf einen Preisrückgang ist unter den befragten Heizölkunden weniger ausgeprägt als üblich. In der tagesaktuellen Lesereinschätzung erwarten 68 Prozent von ihnen künftig sinkende Preise.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Wer zeitnah Heizöl braucht, sichert sich mit einer Bestellung zu kaufbaren Preisen ab. Wer dabei etwas Platz im Tank lässt, kann auf mögliche Rückgänge später im Jahr spekulieren.
Darüber hinaus gilt mehr denn je: Zukunftsfähig werden wir nur, wenn wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln.
Heizölpreise-Chart vom 18. Februar 2026
