Krisenstimmung: Brent-Rohöl kostet über 100 Dollar. Heizöl bleibt in der Nähe des Jahreshochs
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Brent-Rohöl kostet wieder über 100 Dollar je Barrel. Die Nordseesorte hat die Marke gestern erstmals seit Juli wieder übersprungen und kletterte bis auf knapp 102 Dollar. Am heutigen Morgen liegt der Preis bei 100,5 Dollar je Barrel.
Der Anstieg kommt nicht unerwartet. Im Persischen Golf eskaliert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran schon seit mehreren Tagen. Die US-Marine versenkte anscheinend fünf iranische Öltanker. Teheran griff nach eigenen Angaben zehn Schiffe nahe der Straße von Hormus sowie einen US-Stützpunkt in Jordanien an.
Auch das verbale Säbelrasseln geht weiter. Das iranische Regime will seine Angriffe sogar verschärfen, während US-Präsident Trump das Land bereits am Boden sieht. Wie viel Öl tatsächlich durch die Straße von Hormus fließt, bleibt umstritten. Die Zahlen der Branchendienste liegen weit unter den offiziellen US-Angaben. Es ist jedoch klar, dass der Lagerabbau weltweit weitergehen muss, um die Versorgung zu sichern.
Dabei ist der Persische Golf nicht einmal das einzige Krisengebiet. Die Huthi-Miliz bedroht die Schifffahrt im Roten Meer. Immer mehr Tanker wählen daher den Umweg um die Südspitze Afrikas. Das kostet über drei Wochen zusätzlich und bindet Schiffsraum, der anderswo fehlt. Im Schwarzen Meer kann Russland nur noch unter hohen Risiken sein Öl auf den Weltmarkt bringen.
Ein Ende der Konflikte ist nicht in Sicht. Der Ölmarkt steht vor einem schwierigen Winterhalbjahr. Alles ist im Moment teuer: Rohöl, Öltanker und die Arbeit der Raffinerien. Die Raffinerieanlagen auf der Nordhalbkugel stehen kurz vor der üblichen technischen Instandhaltungspause im Herbst. Das wird die Versorgungslage zusätzlich verschärfen.
Alles zusammen treibt die Preise für Ölprodukte nach oben. Ein Blick auf die Tankstellenpreise oder die Angebote im Heizölhandel zeigt die Folgen der Ölkrise auch in Deutschland.
Die Ölbörsen gehen am Morgen uneinheitlich in den neuen Handelstag. Brent-Rohöl kostet aktuell 100,50 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 95,58 US-Dollar je Barrel
. ICE-Gasoil wird zu 1.453,75 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8590 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1639 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Heizöl bleibt in der Nähe des Jahreshochs. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 154,79 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter).
Deutlich höhere Preise gab es bisher nur einmal in der Heizölgeschichte. Das war in den ersten Monaten nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine vor über vier Jahren. Damals sanken die Heizölpreise allmählich wieder unter 100 Euro. Doch das ist in diesem Jahr nicht in Sicht.
Im Moment gehen die meisten Prognosen davon aus, dass Diesel und damit auch Heizöl bis weit in das nächste Jahr hinein teuer bleiben. Mittelfristig ist ohnehin ein zusätzlicher Preisschub in Sicht, wenn wachsende Anteile von „Grünöl“ beigemischt werden sollen.
Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, bleibt im unteren Mittelfeld, aber der Markt ist trotzdem recht lebendig. Einige Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Bestellung lange aufgeschoben und müssen nun ordern. Andere blicken eher pessimistisch in die Zukunft und rechnen nicht mehr mit einem Preisrutsch.
Das zeigt sich auch in der täglichen Lesereinschätzung. Dort hat sich die Stimmung eingetrübt: 58 Prozent der Stimmen rechnen mit weiter steigenden Preisen, nur 42 Prozent erwarten fallende Notierungen.
Fazit: Wer demnächst Brennstoff braucht, sollte nicht auf eine rasche Entspannung setzen. Zur Not rettet eine Teilmenge über den Winter, aber im Moment kann niemand sagen, ob sich das aktuelle Preishoch im Rückblick als billig oder teuer erweisen wird.
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Heizölpreise-Chart vom 10. September 2026
