Ölpreise steigen – Saudi-Arabiens Ölexporte werden immer schwieriger
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Saudi-Arabien gerät zunehmend unter Druck. Nach den Angriffen auf die Ost-West-Pipeline ist die wichtigste alternative Exportstrecke des größten OPEC-Produzenten und eines der weltweit wichtigsten Rohölexporteure außer Betrieb. Vieles deutet darauf hin, dass es nicht bei einem kurzen Ausfall bleiben könnte. Insider rechnen damit, dass die Reparatur mehrere Wochen dauert. Über die rund 1.200 Kilometer lange Leitung wurden zuletzt etwa vier Millionen Barrel Rohöl am Tag zum Roten Meer transportiert – Öl, das damit nicht durch die hochriskante Straße von Hormus musste. Das entspricht rund vier Prozent des globalen Ölangebots.
Für Saudi-Arabien ist die Situation besonders problematisch, weil die Ausweichroute über das Rote Meer noch einmal wichtiger geworden ist, seitdem die Schifffahrt durch die Straße von Hormus erneut massiv eingebrochen ist. Am Montag wurden nach vorläufigen Daten des Trackingdienstes Kpler nur noch vier Fahrten von Handelsschiffen durch die Meerenge am Persischen Golf registriert. Damit manifestiert sich die fatale Lage für Ölexporte: Die wichtigste Ausweichroute fällt aus, während die zentrale Exportroute kaum befahrbar ist.
Saudi-Arabien versucht zwar weiterhin, Öl über die Meerenge von Hormus auf den Weltmarkt zu bringen. Doch die Risiken sind hoch. Der jüngste Fall des Tankers El Gaia ist nur einer der Belege dafür. Das Schiff unter panamaischer Flagge wurde am Wochenende beschädigt. Über die Ursache gibt es unterschiedliche Darstellungen. Iran spricht von Seeminen, das US-Militär von einem iranischen Drohnenangriff während der Tanker vor der Küste Omans vor Anker lag.
Die diplomatische Lage macht wenig Hoffnung auf eine baldige Entspannung. Ein geplantes Treffen der Golfstaaten und des Irans zur Schifffahrt durch die Straße von Hormus wurde verschoben. Ein neuer Termin steht bislang nicht in Aussicht.
Gleichzeitig geht der militärische Konflikt mit der proiranischen Huthi-Miliz weiter. Sie griff gestern erneut Ziele in Saudi Arabien an. Mit der Einnahme der strategisch bedeutenden Insel Perim an der Meerenge von Bab al-Mandab hat die Miliz ihre Position am Roten Meer bereits verstärkt. Es droht die Gefahr, dass auch die Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean für die internationale Schifffahrt unpassierbar werden könnte.
Am Montag stiegen die Ölpreise vor diesem Hintergrund zunächst weiter, gaben im späteren Handelsverlauf aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Dazu dürfte beigetragen haben, dass US-Präsident Donald Trump erklärte, die Ukraine und Russland würden ihre gegenseitigen Angriffe auf Energieinfrastruktur vorübergehend stoppen. Sollte daraus eine belastbare Vereinbarung entstehen, würde das den Druck auf die Märkte etwas reduzieren. Allerdings ist Trumps Aussage bislang mit Vorsicht zu betrachten. Aus Kiew kamen bereits Bedingungen für eine solche Feuerpause.
Der Ausfall russischer Raffineriekapazitäten verteuert derzeit Diesel und andere Ölprodukte. Das ist für den Energiemarkt relevant. Aber der entscheidende Preistreiber sind die Störungen im Nahen Osten. Das spricht für anhaltenden Aufwärtsdruck bei den Ölpreisen. Zudem zeigt sich: Die Händler an den Ölmärkten reagieren zunehmend weniger auf politische Ankündigungen und stärker auf physische Fakten.
Die Ölpreise orientieren sich heute Morgen weiter aufwärts. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 103,70 Dollar
. Brent kostet 107,45 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1517,75 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8665 Euro
. Damit ist der Euro 1,1538 Dollar wert
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise legen weiter zu. Auslöser ist vor allem das internationale Marktgeschehen und die steigenden Preise an den Ölbörsen. Der bundesweite Durchschnittspreis liegt in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 170,30 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Im Nahen Osten gibt es mit den anhaltenden Angriffen der Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien einen weiteren Krisenherd und die Sorge, dass die alternative Route für Ölexporte über die Meerenge Bab al-Mandab blockiert werden könnte. Die Straße von Hormus bleibt indes kaum passierbar, und diplomatische Fortschritte scheinen in weite Ferne gerückt zu sein.
Die Kaufbereitschaft der Heizölkunden ist dennoch hoch. Viele, die zunächst abgewartet hatten, wollen nun ordern, denn der pessimistische Blick auf die künftige Heizölpreisentwicklung überwiegt derzeit: In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen lediglich 35 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Das hohe Preisniveau hält an. Eine Möglichkeit ist deshalb, den Bedarf auf mehrere Käufe zu verteilen und zunächst nur einen Teil zu ordern. So bleibt Spielraum, zu einem späteren Zeitpunkt bei günstigeren Preisen nachzukaufen.
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Heizölpreise-Chart vom 15. September 2026
