Rohölpreise nach US-Wahlen in steilem Sinkflug. Heizöl folgt mit Verzögerung
von Steffen Bukold

Internationaler Markt
Gestern brach Brent-Rohöl um mehr als acht Prozent ein und schloss auf dem tiefsten Stand seit Ende August. Heute Morgen kostet die Nordseesorte um die 95 Dollar je Barrel.
Der Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Wahlen hat globale Auswirkungen und kommt jetzt auch im Ölmarkt an. Der Fraktionsführer der Demokraten im Senat kündigte bereits an, den seit neun Monaten andauernden Konflikt mit dem Iran beenden zu wollen.
Selbst im Lager des Präsidenten wächst die Kriegsmüdigkeit. Vizepräsident JD Vance machte den Iran-Krieg für die Wahlniederlage verantwortlich. Trump selbst verwies vor allem auf die hohen Benzinpreise.
Auch am Persischen Golf hält man einen umfassenden Angriff der USA inzwischen für weniger wahrscheinlich. Denkbar wären aber Angriffe auf iranische Atomanlagen, nach denen Washington die eigenen Kriegsziele für erreicht erklären könnte. Andererseits könnte nun Teheran aggressiver vorgehen, um die Kontrolle über die Straße von Hormus zu festigen.
Analysten warnen deshalb vor zu viel Optimismus, zumal der neue US-Kongress erst im Januar zusammentritt.
Im Moment ist die Versorgung im Rohölmarkt stabil. Die Exporte vom Persischen Golf haben sich trotz anhaltender Angriffe auf einzelne Öltanker spürbar erholt. Die Investmentbank JPMorgan geht sogar davon aus, dass es im Weltmarkt derzeit einen Angebotsüberschuss gibt. In der Tat wurden gestern einzelne Nordseesorten mit dem größten Preisabschlag seit der Pandemie angeboten.
Bei Diesel und Heizöl bleibt die Lage dagegen angespannt. Die Lieferungen von Ölprodukten aus dem Nahen Osten sind weiter knapp. Auch die Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien gehen unvermindert weiter.
In den USA erreichte der Dieselpreis zuletzt Rekordwerte von über 6,50 Dollar je Gallone. Washington gibt daher 300.000 Barrel aus seiner Heizölreserve im Nordosten des Landes an die Händler frei.
Die aktuellen US-Lagerdaten bestätigen die Knappheit, wurden von den Händlern gestern aber weitgehend ignoriert. Die Vorräte an Diesel und Heizöl sanken unter 100 Mio. Barrel, den niedrigsten Stand seit 2003. Die Gesamtnachfrage stieg auf den höchsten Wert seit über einem Jahr.
Hier die Zahlen des US-Energieministeriums (DOE) und die Umfragewerte des Branchenverbandes der Ölindustrie (API). Sie zeigen die Veränderungen der Lagerbestände im Vergleich zur Vorwoche:
∙ Rohöl: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,3 Mio. Barrel (API)
∙ Heizöl und Diesel: -3,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
∙ Benzin: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)
∙ SPR-Rohöl (Staatliche Ölreserven der USA): -0,4 Mio. Barrel (DOE)
Die Ölbörsen starten am heutigen Morgen mit deutlichen Abschlägen in den neuen Handelstag. Vor allem Gasoil, das Vorprodukt von Diesel und Heizöl, gibt kräftig nach. Brent-Rohöl kostet aktuell 95,06 US-Dollar je Barrel
. Die US-Rohölsorte WTI steht bei 87,87 US-Dollar je Barrel
. Gasöl wird zu 1.315,00 Dollar je Tonne gehandelt
. Der US-Dollar ist 0,8894 Euro wert
. Der Euro notiert bei 1,1241 Dollar
. Die Pfeile zeigen die Preisveränderungen im Vergleich zum gestrigen Handelsauftakt.
Nationaler Markt
Der Preisrutsch an den Ölbörsen kommt allmählich auch im Heizölmarkt an. Die Heizölpreis-Tendenz zeigt am Morgen einen landesweiten Durchschnittspreis von 165,6 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Der fallenden Gasölpreise sind darin noch nicht vollständig enthalten. Rechnerisch ist im Tagesverlauf ein weiterer Preisnachlass möglich.
Die Kaufbereitschaft, also das Verhältnis zwischen Preisanfragen und Bestellungen, liegt im oberen Mittelfeld. Die Stimmung hellt sich deutlich auf. In der täglichen Lesereinschätzung rechnen 74 Prozent der Stimmen mit weiter fallenden Preisen.
Fazit: Der Wahlausgang in den USA hat die Risikoprämie am Ölmarkt spürbar verkleinert. Ob daraus eine dauerhafte Entspannung wird, ist noch offen. Ein Abkommen mit dem Iran ist nicht in Sicht. Bei Diesel und Heizöl bleibt das Angebot relativ knapp. Wer in den nächsten Wochen Heizöl braucht, sollte den aktuellen Preisrutsch zeitnah verfolgen und nach attraktiven Angeboten Ausschau halten.
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Heizölpreise-Chart vom 05. November 2026
