Ölpreise: Gestern war nur eine Delle
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die Ölexporte aus den Ländern rund um den Persischen Golf fließen besser als erwartet. So meldeten Saudi-Arabien und Irak für Oktober Mengen, die an das Vorkriegsniveau heranreichen. Ihre Aussagen scheinen die Ölpreise zu konterkarieren. Das ist nicht ungewöhnlich. Die meisten Ölkrisen der Geschichte erwiesen sich im Nachhinein gar nicht als Mangelerscheinung, sondern als Preiskrise aufgrund von Mangelbefürchtungen.
Heute verhält es sich wahrscheinlich wieder so. Ein Indiz dafür ist der gestrige Preisrückgang von rund acht Prozent bei den Rohölkontrakten und circa fünf Prozent bei den Gasöltiteln. Ursächlich war eine friedfertige Aussage des US-Präsidenten bezüglich der Verhandlungen mit dem Iran. Die Integrität einer solchen Einlassung ist bekanntermaßen gering. In einem hinreichend versorgten Markt, in dem die Preise mehr Risiko als Gegenwartszustand abbilden, kann sie trotzdem Wirkung zeigen wie geschehen.
Mittlerweile sollen die USA erneut iranische Militärziele auf der Insel Qeschm angegriffen haben, um mögliche Raketenangriffe auf US-Einrichtungen und Handelsschiffe zu verhindern. Gleichzeitig meldete der Iran den Abschuss zweier US-Drohnen. Die Preise reagieren postwendend mit Anstieg. Da ist es also wieder, das greifbare Risiko. Ob die jüngsten Angriffe die Verhandlungen gefährden, bleibt unklar. Ajatollah Chamenei habe seiner Regierung immerhin grünes Licht für weitere Friedensgespräche gegeben.
Die Analysten von Goldman Sachs lassen sich von fallenden Ölpreise derzeit nicht beirren. Sie sehen einen von geopolitischen Spannungen und möglichen Lieferausfällen stark verunsicherten Markt. Auf dieser Basis heben sie ihre Prognose für Rohöl Brent im Dezember von 90 auf 105 Dollar pro Barrel an. Je nach Entwicklung des Konflikts könnte das Barrel Brent in 2027 zwischen 60 und 130 Dollar liegen.
Mögliche Lieferausfälle werden heute in erster Linie mit der Straße von Hormus in Verbindung gebracht. Sie wird unter anderen vom Irak adressiert, wenn es um den Ausbau alternativer Ölexportrouten geht. Dem Land ist es mittlerweile gelungen, die Pipeline von Kirkuk zum türkischen Hafen Ceyhan nach fast dreijähriger Unterbrechung wieder in Betrieb zu nehmen. Inzwischen werden rund 0,5 Mio. Barrel täglich auf diesem Weg exportiert. Zusätzlich nutzt der Irak Öltransporte per LKW und Umladungen auf See, um Lieferausfälle auszugleichen. Dadurch haben sich die Gesamtexporte im Oktober mit über 3,4 Millionen Barrel pro Tag nahezu auf Vorkriegsniveau erholt. Langfristig soll eine zusätzliche Pipeline zur syrischen Mittelmeerküste die Abhängigkeit von der Straße von Hormus weiter senken.
Die brisante politische Lage in der Region wird von den Anrainern nicht als vorübergehender Zustand angesehen. Sie verlangt einen nachhaltigen Umbau der Energieinfrastruktur. Als Hauptredner auf der Energiemesse Abu Dhabi International Petroleum Exhibition & Conference 2026 warnte Al Jaber, Chef der nationalen Ölgesellschaft ADNOC, noch einmal vor den erheblichen Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die weltweite Energieversorgung. Seit Ende Februar seien die globalen Ölreserven um rund eine Milliarde Barrel gesunken und die Dieselbestände in einigen Ländern auf ein 35-Jahres-Tief gefallen. Am LNG-Markt bestehe sogar ein deutliches Versorgungsdefizit. Um künftige Engpässe zu vermeiden, fordern ADNOC und die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate einen stärkeren Ausbau strategischer Öl- und Produktreserven sowie flexiblere Raffineriekapazitäten und eine widerstandsfähigere Energieinfrastruktur.
In anderen Worten, bisher war genug Öl verfügbar, aber wenn die Reserven ausgeschöpft sind, wird es physisch fehlen. Der Preis wäre bis dahin längst explodiert, so dass das Angebot nur noch für reiche und sehr reiche Verbraucher zur Verfügung stünde. Um den möglichen Panikmodus dieser Sätze zu entschärfen, muss erwähnt werden, dass es immer noch einen hohen Reservebestand gibt.
An den Börsen steigen die Ölnotierungen heute Morgen wieder. Rohöl-Futures haben ein Drittel ihrer gestrigen Verluste bereits annulliert. Bei den Gasöl-Futures sind es sogar zwei Drittel. Ein beginnender Abwärtstrend sähe anders aus.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 97,92 Dollar
und das Barrel Brent zu 106,46 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.433,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8934 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1190 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise geben weiter nach, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit nicht den internationalen Vorgaben, denn hierzulande gibt es noch Potenzial aus dem relativ tiefen Fall gestern zu verteilen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Preise in allen kaufrelevanten Zeitbereichen tendenziell aufwärtsstreben. Angesichts der geopolitischen Umstände gibt es wenig Anlass, ein anderes Verhalten zu erwarten.
Hinsichtlich der Frachtkosten auf dem Rhein gibt es leider auch keine nennenswerten Fortschritte. Die Pegel der Wasserstraße steigen kaum. Damit ist keine Steigerung des Frachtraums möglich. Die Aufschläge für die meisten Zielhäfen liegen deshalb weiter jenseits von 200 Prozent.
Im Binnenmarkt zeigt sich die Nachfrage mittlerweile saisontypisch. Das Angebot ist im Großen und Ganzen ausreichend vorhanden. Partielle Versorgungsprobleme sind allerdings möglich. Die Hoffnung auf fallende Preise orientiert sich stark an den jeweiligen Tagesbewegungen. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf sehr hohem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Das mathematische Tiefpreissystem meldet sich nun auch wieder mit Handelssignalen für den Norden und Osten der Republik.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden steht bereits im Teaser des Titels: An den Börsen steigen die Notierungen schon wieder, während der Heizölpreis den gestrigen Fall noch beinhaltet. Das wird sich im Tagesverlauf ändern.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 03. November 2026
