Der Weltmarkt schaut nach Wien, wir schauen auf das Gebäudemodernisierungsgesetz
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Die jüngste Gesprächsrunde zwischen Washington und Teheran brachte zwar keinen Durchbruch, verhinderte aber auch eine unmittelbare militärische Eskalation. Das zentrale Streitthema bleibt die Urananreicherung. Die USA lehnen Zugeständnisse ab, weil sie eine iranische Atombombe befürchten, während der Iran dies zurückweist. Die Militärpräsenz vor Ort soll die Entschlossenheit der USA demonstrieren. Ob das ein Regime beeindruckt, dem das Nichtsein näher steht als das Sein, ist fraglich.
Da die Gespräche fortgesetzt werden sollen, nun in Wien, haben sich die gestrigen Kursschwankungen am Ölmarkt vorläufig beruhigt. Derweil rückt die OPEC-Plus wieder in den Fokus, die am Sonntag voraussichtlich eine weitere Erhöhung der Fördermengen beschließen wird.
Heute Morgen bewegen sich die Ölnotierungen an den Börsen deutlich aber innerhalb der Grenzen des Vortags. Tendenziell geht es dabei aufwärts. Ohne den US-Sturm auf den Iran dürfte der Deckel dennoch halten.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 65,78 Dollar
und das Barrel Brent zu 71,70 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 742,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8469 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1804 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise schwingen auf hohem Niveau, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Bis zu einer Entscheidung für oder gegen Krieg im Iran dürfte das Niveau halten. Danach wird es zu einer stärkeren Bewegung noch unbekannter Richtung kommen. Die verschiedenen Zeitansichten der Heizölpreis-Tendenz zeugen von einer großen Unsicherheit zur Lage. Kurzfristig weisen die Trendkanäle jetzt aufwärts, mittelfristig abwärts und längerfristig ebenfalls aufwärts.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist übersichtlich. Die Hoffnung auf tiefere Preise steigt entgegen der üblichen Meinung, die eher der realen Preisentwicklung folgt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem soliden Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer in diesem Winter noch Heizöl benötigt, sollte zu diesen Preisen kaufen. Wohin sie im Fall eines Waffengangs im Iran steigen können, zeigt die Jahresansicht unserer Heizölpreis-Tendenz auf der Homepage.
Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG)
Die Bundesregierung hat in dieser Woche ihren Plan für ein neues Gesetz zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes im Energiesektor Gebäude und Wohnen vorgelegt. Es soll neue Handlungswege eröffnen und schlafende Potenziale des Klimaschutzes wecken. Die Verbote des bestehen Gebäudeenergiegesetzes (GEG), landläufig als Heizungsgesetzt bezeichnet, werden gestrichen. Nach Meinung der Koalitionäre verlangt der neue Geist des Gesetzes auch einen neuen Namen mit positiverer Konnotation.
Das GMG eröffnet Ölheizern zumindest gesetzgeberisch die Möglichkeit, mit einem flüssigen, lagerbaren Brennstoff heizen zu können, ohne die Perspektive zur Klimaneutralität aufzugeben. Mit anderen Worten, der Energieträger Heizöl wird als einer unter verschiedenen Wegen zu klimaneutraler Wärme anerkannt.
Klimaneutral mit herkömmlichen Ölheizungen zu heizen, ist heute bereits möglich. In Finnland ist es gängige Praxis. In Europa wird es seit über vier Jahren in einem breit angelegten Versuch mit Erfolg getestet. Zum Einsatz kommt ein aus Lebensmittelresten raffinierter flüssiger Energieträger, der im Mobilitätssektor unter dem Namen HVO100 als Kraftstoff europaweit verkauft und in alten wie neuen Dieselmotoren eingesetzt wird.
Das Kürzel steht für Hydrotreated Vegetable Oil, zu Deutsch hydriertes Pflanzenöl. Seine CO2-Vermeidungsquote beträgt über 90 Prozent. Dieser Kraftstoff kann mit fossilem Diesel vermischt werden und erhält damit die mischungsäquivalente CO2-Vermeidungsquote.
Beim Heizöl funktioniert das genauso. Dennoch wird bis heute kein klimaneutrales Heizöl in Deutschland angeboten. Ursächlich ist weder die Technik, noch die Verfügbarkeit. Ursächlich ist die rechtliche und regulatorische Einordnung von HVO100. Im deutschen Rechtssystem werden Kraftstoffe und Brennstoffe strikt getrennt. HVO100 wurde nach diverseren Änderungen von Normen und Verordnungen im vorletzten Jahr als Kraftstoff zugelassen, indem paraffinische Dieselkraftstoffe rechtlich in die Liste der Kraftstoffsorten aufgenommen wurden. Vieles von dem aber nicht die ultimative Änderung der zuständigen Behörde wurde für das wesensgleiche Heizöl vorgenommen. Es handelt sich um eine politische Unterlassung. Diese muss die Bundesregierung nun zügig beseitigen.
Die Zuständigkeitskette zur Anpassung der Verordnung geht vom SPD geführten Bundesumweltministerium mit Beteiligung des Grün geprägten Umweltbundesamts über die CDU geführte Bundesregierung und den heterogen besetzen Bundesrat. Die Angelegenheit sollte eine Petitesse sein, sie ist in unserem hochkomplizierten Gesetzgebungsverfahren aber eine Herkulesaufgabe.
Mit dem Übergang vom GEG zum GMG geht eine Übertragung der Handlungspflicht beim Klimaschutz Gebäude und Wohnen vom Eigentümer zum Energieanbieter einher. Für den Heizölmarkt wurde dieser Verantwortungswechsel vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie, en2x und von der Eigentümergemeinschaft Haus & Grund Deutschland schon länger gefordert. Nach ihrem Verständnis lässt sich verlässlicher Klimaschutz nicht von wenigen investitionsbereiten Hausbesitzern und kaum verfügbarer Handwerkerleistung erreichen. Wesentlich sind vielmehr industrielle Lösungen, die bereits im Brennstoff stecken. Diesem Gedanken folgt das GMG.
Lehren aus dem GEG: Die Bereitschaft zu einer Heizungserneuerung ist seit Einführung des umstrittenen Gesetzes auf ein 15-Jahres-Tief gesunken. Zu komplex, zu teuer und zu wirr lautet die Mehrheitsmeinung. Statt eine formularreiche, hoch subventionierte Erneuerungsdynamik in die Heizungskeller zu drücken, will die Gesetzgebung nun für steigende Beimischungsquoten von erneuerbare Flüssigkeiten wie HVO zum Heizöl sorgen. Dazu müssen nicht Millionen von Bürgern verunsichert, sondern einer zweistelligen Zahl von Unternehmen verlässliche Handlungsperspektiven geboten werden. Die Regierung verspricht Technologieoffenheit und erwartet unternehmerischen Mut. So soll das Gros der Haushalte erreicht werden, das ihre Heizung nicht erneuert.
Erläuterung: Unter den rund fünf Millionen Ölheizungsbetreibern haben sich im letzten Jahr rund 0,4 Prozent für irgendeinen neuen Heizkessel aus dem gesamten Technologiespektrum entschieden. Eine geringe Beimischungsquote von einem Prozent HVO oder Bioöl (FAME) zum Heizöl hätte mehr Klimaschutz bewirkt. Im Gegensatz von HVO ist die Beimischungsquote von FAME aus technischen Gründen auf gut zehn Prozent begrenzt.
Ein paar Wahrheiten gehören auf den Tisch: Klimaschutz durch die Migration fossiler Kraft- und Brennstoffe zu CO2-freien Flüssigkeiten gibt es ebenso wenig zum Nulltarif wie eine elektrische Wärmepumpe. Die Brennstoffanpassung ist bei Verbrauchern mit Kosten aber nicht mit Investitionen verbunden. Deshalb, so die Idee, findet sie größere Akzeptanz.
HVO wird es nicht ansatzweise in Mengen geben, die zu unseren Klimaziele passen. Deshalb müssen weitere alternative Flüssen entwickelt werden, die den Anteil steigern können. eFuels und Biomasse sind entsprechende Ansätze. Wenn der Markt für derartige Energieträger erst einmal relevant wird, werden die Technologien folgen. Das war bei den Batterien für die Elektromobilität auch so.
Elektrische Lösungen für den Klimaschutz sind keine Gegenspieler zu klimaneutralen, flüssigen Energieträgern. Es braucht sie, um den Gesamtbedarf an entsprechenden Kraft- und Brennstoffen zu reduzieren.
Angesichts der Tatsache, dass Deutschland sich mit einer Energiewende auf den Weg gemacht hat, die den Abriss des zuverlässigen Bestands vor die zuverlässige Funktion des Neuen gestellt hat, sollte jeder neue Beitrag der Wirtschaft zu einer Lösung des Problems bejubelt und nicht verhindert werden. Er könnte sich als groß erweisen.
Der Zeitplan der deutschen und der europäischen Klimaagenda ist vollkommen unrealistisch. Es ist ein politischer aber kein wirtschaftlicher Plan. Die gesetzten Minderungsziele zu erreichen, macht nur Sinn und wird nur gelingen, wenn unsere Wirtschaft das Geld dafür verdienen kann. Wie gesagt, Klimaschutz ist teuer. Deshalb setzen aufstrebende Staaten des globalen Südens auf fossile Energie. Deren Ausstoß wächst so rasant, dass der Anteil Deutschlands und der EU am globalen Aufkommen von heute 1,4 bzw. 6,3 Prozent Jahr für Jahr kleiner wird. Das heißt auch, dass er unbedeutender wird. Wir tragen mit unserem Verhalten kaum messbar zum Erdklima bei. Diese Tatsache soll uns nicht davon abhalten, ernsthaft Klimaschutz zu betreiben, aber unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Friedens und der wirtschaftlichen Machbarkeit.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 27. Februar 2026
