Ölpreise haben den Einfluss des physischen Markts verloren
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Das Ausbleiben eines Militärschlags der USA gegen den Iran am vergangenen Wochenende nahm sichtlich Druck von den Ölbörsen. Sie starteten gestern Früh mit deutlichen Verlusten in die neue Woche. Ein Richtungswechsel der Preise wurde dadurch aber nicht eingeleitet. Den verbietet die verkorkste Beziehung der beiden Staaten. Die Antipoden verharren trotz öffentlich demonstrierter Gesprächsbereitschaft auf Konfrontationskurs. Ein Waffengang scheint aus Sicht vieler Ölhändler unvermeidlich zu sein. So endete der Handelstag doch wieder auf den Preishöhen von vergangenem Freitag.
US-Generäle argumentieren indes gegen einen Angriff auf den Iran. Militärisch und operational berge er hohe Risiken. Die Militärs fürchten einen langen Krieg mit unzureichenden Ressourcen, mangelnder internationaler Unterstützung und der Gefahr einer Eskalation. Er würde für die USA teuer werden und die regionale Stabilität gefährden. Präsident Trump weist die Bedenken zurück. Er werde seine eigene Entscheidung fällen. Dabei sei eine diplomatische Lösung prioritär. Sollte es jedoch zu keiner Einigung kommen, würde der Iran harte Konsequenzen spüren. Präventiv ziehen die USA bereits nicht zwingend benötigtes Personal aus ihrer Botschaft in Beirut ab.
Spannungen mit Bezug zum Ölpreis gibt es auch andernorts. Sie wirken aber konträr. So ist ein neues Sanktionspaket der EU gegen Russland am Widerstand Ungarns und der Slowakei gescheitert. Beide Länder bestehen darauf, weiterhin russisches Öl über die Druschba-Pipeline zu beziehen, und werfen der Ukraine vor, den Transit aus politischen Gründen blockiert zu haben. Kiew führt den jüngsten Ausfall hingegen auf einen russischen Raketenangriff zurück. Der EU-Außenbeauftragte Kallas kritisierte die Blockade der beiden Mitgliedsländer scharf. Die Gemeinschaft werde trotz des Rückschlags an neuen, verschärften Maßnahmen gegen Russlands Ölindustrie und Schattenflotte weiterarbeiten.
Derweil wird das russisches Premium-Rohöl Urals mit dem höchsten Abschlag auf Brent seit fast drei Jahren gehandelt. Aktuell beträgt der Rabatt rund 30 Dollar pro Barrel. Trotz gestiegener Brent-Preise kann Russland sein Öl nur zu deutlich niedrigeren Preisen verkaufen. An den großen Ölterminals zur Ostsee und zum Schwarzen Meer lagen die Notierungen zuletzt bei rund 40 bis 42 Dollar pro Barrel und damit sogar unter dem Niveau des Preis-Dips vor zwei Wochen. Ursächlich für die russische Misere ist die schwache Nachfrage. Frühere Abnehmer wenden sich anderen Lieferanten zu, beispielsweise Saudi-Arabien oder Venezuela.
Die wirre Zollpolitik des Weißen Hauses sorgt für viel heiße Luft. Der Einfluss auf die Ölpreise ist eher gering. Der Hausherr droht nach den jüngsten Entscheidungen von Gericht und EU-Parlament mit weiteren und höheren Zöllen. Das Wohlergehen des globalen Wirtschaftswachstums und damit der Ölnachfrage wird er längerfristig aber kaum aufs Spiel setzen.
Die Ölpreise werden derzeit so gut wie gar nicht vom physischen Marktgeschehen beeinflusst. Bestimmend sind Geopolitik und ein Hauch von Handelspolitik. An den Ölbörsen geht es heute Morgen vergleichsweise ruhig zu. Die Notierungen zappeln auf hohem Niveau auf und ab. Rohöl tendiert etwas weniger nach oben als Gasöl, das unter dem Einfluss der Kältewelle an der US-Ostküste steht. Dort wird gerade viel Heizöl verbrannt.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 66,41 Dollar
und das Barrel Brent zu 71,51 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 737,75 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8481 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1788 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise wenden sich wieder nach oben, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Sie folgen damit den internationalen Vorgaben. Bis zu einer Entscheidung für oder gegen Krieg im Iran dürfte das Niveau halten. Danach wird es zu einer stärkeren Bewegung noch unbekannter Richtung kommen. Die verschiedenen Zeitansichten der Heizölpreis-Tendenz zeugen von einer großen Unsicherheit zur Lage. Kurzfristig weisen die Trendkanäle jetzt aufwärts, mittelfristig abwärts und längerfristig ebenfalls aufwärts.
Die Heizölnachfrage im Binnenmarkt ist spürbar zurückgegangen. Gleiches gilt für die Hoffnung auf tiefere Preise, die meist der realen Preisentwicklung folgt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem schwachen Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Wer in diesem Winter noch Heizöl benötigt, sollte zu diesen Preisen kaufen. Wohin sie im Fall eines Waffengangs im Iran steigen können, zeigt die Jahresansicht unserer Heizölpreis-Tendenz auf der Homepage.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
Heizölpreise-Chart vom 24. Februar 2026
