Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Alternativlose Technokratie

Das Rettungspaket für Griechenland ist alternativlos. Der Individualverkehr wird elektrisch. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat fürchterliche Folgen für die USA. Das sind die aktuellen Schlagzeilen in allen Nachrichtenkanälen. Hinzuzufügen wäre noch, der Ölpreis setzt seinen Aufstieg zuverlässig fort. Womit wenigstens eine haltbare Meldung platziert wäre.

Mit den Hintergrundinformationen zur Ölpreisentwicklung verlassen die Kommentatoren bereits die Welt des Faktischen und tauschen ins Reich der Legenden ein. Es sei die nach Datenlage gut aufgestellte Wirtschaft in den USA, die einen steigenden Ölkonsum verspreche. Außerdem entgingen dem Land durch den Ausfall von Förderplattformen im Katastrophengebiet wichtige Rohölzuflüsse. Dadurch drohe eine Verknappung. Fakt ist, dass die Ölvorräte der USA auf einem historischen Hoch stehen, das entgegen aller Ankündigungen nicht zu sinken bereit ist, weil die Nachfrage nicht anspringen will. Nun kann man nicht behaupten, dass die USA kaum noch Öl verbrauchten. Sie sind weiterhin die unangefochtene Nummer 1 des globalen Ölkonsums. Amerikanische Konsumenten nehmen sich aber das Recht heraus, weniger Kraft- und Brennstoff zu verbrauchen, als man von ihnen erwartet. Zur Stärkung dieses Bürgerrechts, das Wachstumsapostel am liebsten verbieten würden, dürfte die Ölkatastrophe einen guten Beitrag leisten. Im Übrigen können Lieferausfälle aus dem Golf von Mexiko ohne Probleme aus der anderen Golfregion ersetzt werden. Dort weiß man derzeit nicht, wohin man das viele Öl verkaufen soll, das man nicht im Boden zu lassen bereit ist.

Für Fauna und Flora und für die regionale Wirtschaft ist das noch nicht gestopfte Loch vor Amerikas Südküste definitiv eine Katastrophe. Für den überfälligen Paradigmenwechsel beim Ressourcenverbrauch ist es eine Chance. Es wird eine abgestorbene Debatte wiederbeleben. Man wird darüber sprechen, warum eine mit unglaublichen Gewinnen gesegnete Industrie nicht bereit ist, notwendige Sicherheitsmaßnahmen zu bezahlen. Der Komplex trägt den Titel „Gier und Lebensverachtung“. Man wird Erdöl als Energieträger in Frage stellen und alternative Angebote fordern. Das kann für die Veränderungspolitik Obamas hin zu einem grüneren Amerika hilfreich sein. Der Präsident muss allerdings eine plausible Position zum Thema Öl finden. Die hat er derzeit nicht. Der Komplex trägt den Titel „Zukünftige Energieträger“. Gerne wird dieses Thema als zentrale Zukunftsfrage behandelt. Es ist aber lediglich ein Aspekt in einer auf zwei Säulen fußenden Debatte, dem Angebot und der Nachfrage. Die aktuellen wie auch die zukünftigen Energieträger sind Angebote. Mit Sonne, Wind, Wasser und Bioenergie wird kein Verbrauch reduziert. Es wird ein alternatives Angebot unterbreitet. Die Leistung jedes Angebots ist endlich, unabhängig davon, ob dieses aus fossiler oder aus erneuerbarer Energie stammt. Die Leistungsdichte der fossilen Angebote wird mit den Erneuerbaren niemals erreicht werden. In der Diskussion um Veränderung wird dieser Aspekt üblicherweise verschwiegen. Das ist ein großer Fehler der Debattenführung. Er blockiert den dritten und wichtigsten Teil des Diskurses, die Frage nach dem Verbrauch. Wir tun uns schwer mit diesem Kapitel, weil es unsere Lebensweise in Frage stellt. Es trägt den Titel „Grenzen des Wachstums“. Die Behandlung dieses Komplexes deckt Lebenslügen auf, zum Beispiel die Lüge von der materiellen Unsaturierbarkeit des Menschen, seinem angeblichen Streben nach immer mehr Konsum. Unstrittig ist, dass es sich um ein politisch gewolltes Streben handelt. Strittig ist hingegen, ob dieses Streben natürlich ist. Ohne Anerkennung der Grenzen des Wachstums ist die Diskussion über zukünftige Energieträger ein Placebo zur Verhinderung notwendiger Veränderungen. Wird die Diskussion mit der gebotenen Offenheit geführt, wird sich übrigens zeigen, dass fossiles Öl und Gas noch sehr lange wichtige Energieträger bleiben werden.

Die Art, wie elektrische Mobilität momentan vermarktet wird, steht beispielhaft für unangemessenen Umgang mit einer Zukunftsfrage. Inspiriert von aberwitzigen Hilfspaketen für Banken und Autoindustrie schachert man um neue Zuwendungen aus Steuergeldern. Nicht das unternehmerische Esprit der kreativen Zerstörung, sondern das Netzwerken von am Abstauben geübten Managern dominiert das Handeln. Es ist eine verkehrte Welt, wenn Unternehmen, deren Ziel Gewinne sind, notorisch überschuldeten Staaten Unterstützung für ihre Entwicklungen abverlangen. Sie wird nicht richtiger, indem China, die USA, Frankreich und, wer weiß welches Land noch, diese Unterstützung geben. Vom Nutzen der Elektromobilität sind Manager und Ingenieure noch nicht mal überzeugt. Es gibt viele gute Gründe am System zu zweifeln. Definitiv wird es zu mehr statt zu weniger Ressourcenverbrauch führen. Die Debatte über Lebensweisen, die Frage, ob Mobilität angesichts einer vernetzten Welt auch morgen noch eine Grundanforderung an die Menschen sein wird, bleibt hinter der kindlichen Bewunderung für Technik zurück. Gestaltung der Welt ist eine soziale, eine politische und eine technische Frage. In unserer vom Marketing dominierten Gesellschaft bleibt das Soziale auf der Strecke. Die Politik hat sich vom Gestalten ebenfalls verabschiedet. Übrig bleibt Technokratie.

Technokratisch ist in der Tat die Aussage, dass es zum Rettungspaket für Griechenland keine Alternative gibt. Selbstverständlich gibt es eine Alternative, die Staatspleite. Aber die wird kein Politiker mehr nach der Lehman-Pleite riskieren. Eigentlich war Lehman als Zeichen der Politik an überhebliche Banker gedacht, um sie in ihre Schranken zu weisen. Es wurde eine Schlacht um die Macht. Die hat die Politik verloren. Nach Lehman wissen Banker, sie können sich alles leisten. Für ihre Fehler steht die Politik gerade, wenn nötig werden dazu eigens Gesetze im Eilverfahren erlassen. Die einzige ernstzunehmende Gegenwehr zeigt derzeit die US-Regierung. Hierzulande beschränkt sich die politische Klasse auf wirkungslose Symbolik. Wenn nicht Mal am wirtschaftlichen Winzling Griechenland der Fall Staatspleite durchexerziert wird, bei dem Banken Kredite, die mehr als Peanuts sind, abzuschreiben hätten, besteht keine Hoffnung, dass sich die Politik auf einen neuen Umgang mit dem Finanzsystem einlassen wird. Der Ausgang einer Staatspleite ist ungewiss. Der Ausgang der ewigen Rettung ist es auch. Eine Staatspleite bietet die Chance zum Neuanfang. Die ewige Rettung führt in die hoffnungslose Überschuldung. An deren Ende steht der Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Der Unterschied zwischen beiden Lösungen ist, die Staatspleite käme jetzt, wann der Zusammenbruch des Finanzsystems kommen wird, ist offen. Technokratisch ist die Griechenlandlösung hierzulande übrigens auch, weil Staatsgeld so oder so im Spiel ist. Ein Hauptgläubiger der Griechen ist die Hypo Real Estate. Sie erinnern sich? Das ist die Pleitebank, die inzwischen dem Staat gehört.

Griechenland ist für die Ölbörse pures Theater. Was immer dort geschieht, wird am Kurs des Ölpreises wenig ändern. Der weist strikt aufwärts. Heute Morgen geht es dabei ruhig und zurückhaltend zu. Der Dollar geht aktuell wieder in Führung. Auch er weist strikt aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet 740,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 86,06 Dollar und in London 88,82 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,86 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie folgen der Vorhersage gnadenlos. Gerne würden wir eine Fehleinschätzung der Preisentwicklung melden. Das können wir nicht. Aufstieg bleibt auch weiterhin die wahrscheinlichste aller Preisrichtungen. Preisrückgänge bleiben reine Kosmetik. Ein Einbruch wird sicher kommen. Bis es soweit ist, kann noch viel Anstieg vorausgehen. Der Effekt eines Einbruchs muss also relativ zum heutigen Preis nicht Mal eine Einsparung bedeuten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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