Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Bullische Phase an den Börsen

Öl wird teurer und der Dollar wird nicht billiger. Der Preisanstieg beim Öl zeichnete sich ab, als die US-Notenbank (FED) ankündigte, den Geldhahn zur Stützung der Wirtschaft aufzudrehen. Den Dollar hätte die Maßnahme unter Abgabedruck setzen sollen. Es kam anders. Die Währung legte in den letzten Tagen zu. Eingeleitet wurde der Anstieg durch die Hoffnung auf ein Wirtschaftswunder in den USA. Diese Hoffung wird gleich nach Geburt durch ein paar nette Wirtschaftsdaten reichhaltig gefüttert. Nun kommt die Rückkehr der Staatspleitephantasie für zwei Sorgenkinder Europas hinzu. Irland und Griechenland warten mit schlechten Nachrichten auf. Das eine Land scheint ein Finanzhilfeersuchen an die europäischen Partner vorzubereiten, das andere hat mal wieder die Bilanzen geschönt. Sein Haushaltsdefizit wird höher ausfallen, als im Oktober gemeldet wurde. Vertrauen für Europas Finanzsystem lässt sich so nicht aufrechterhalten. Das marode Gegenstück in den USA ist damit bis auf Weiteres fein raus.

Die Sehnsucht nach der alten Wirtschaft wird seit einigen Wochen durch die Entwicklung in den US-Tanklagern hochgehalten. Die Ölbestände nehmen ab. Das wird gerne als Anstieg der Nachfrage interpretiert. Die gestern von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) veröffentlichten Zahlen zur wöchentlichen Veränderung toppen die kühnsten Erwartungen an einen weiteren Abbau der Bestände um Längen. Im Einzelnen wurde Folgendes zu Protokoll gegeben:

Rohöl: -3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -7,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -5,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 10,2 (DOE) bzw. 14,8 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung beträgt wie in der Vorwoche 82 Prozent. Mit diesen Daten blieb den Ölnotierungen nur eine Bewegungsrichtung. Aufwärts. Dieses Aufwärts hätte theoretisch noch deutlicher ausfallen können, als die Realität es hervorbrachte. Beschränkt wurde es durch den Umstand, dass sich die Veränderung nach wie vor auf einem sehr hohen Gesamtniveau der Ölbestände abspielt.

In den letzten Tagen wurden einige Einschätzungen zur langfristigen Entwicklung des Ölmarkts geliefert. Die OPEC lässt verlauten, dass die Nachfrage in 2011 auf das Niveau vor der Finanz- und Wirtschaftskrise steigen wird. Bis 2014 erwarten ihre Experten eine Ölnachfrage von knapp 90 Mio. Barrel am Tag. Obwohl damit ein neues Nachfragehoch erreicht werden würde, sehen sie nicht die Gefahr von Preisexzessen. Das Angebot zur Befriedigung der Nachfrage sei vorhanden. Eine Finanzblase um den Ölmarkt wie im Jahr 2008 sollte es nicht geben. Laut der OPEC-Prognose wird sich der Rohölpreis sogar bis 2020 in einer Spanne zwischen 75 und 85 Dollar pro Barrel bewegen.

Eine weitere Einschätzung kam von der IEA (Internationale Energie Agentur). Bis 2035 erwarten ihre Experten eine Nachfrage von knapp 100 Mio. Barrel pro Tag. Diese Zahl wurde anders als früher nicht mit lauten Warnungen ausgesprochen. Sie wird offensichtlich in Deckung mit dem möglichen Angebot gesehen. Immerhin ist die Zahl deutlich geringer, als vor einem Jahr noch prognostiziert wurde. Darin enthalten sind eine Nachfragesteigerung in den Schwellenländern und ein Nachfragerückgang in den alten Industrienationen. Letzter ist ein absolutes Muss, um die Preisentwicklung in Grenzen zu halten.

Eine dritte Einschätzung für die aktuelle Entwicklung kam von der EIA (US-Energiebehörde). Sie nimmt die Steigerung des weltweiten Ölbedarfs für dieses Jahr etwas zurück. Aktuell wird die Rate mit 1,7 Prozent angegeben. Diese Zahl wurde auch im Sommer genannt. Zwischenzeitlich setzte man sie auf über zwei Prozent. Für China hoben die EIA-Statistiker die Nachfragesteigerung erneut ein wenig an.

Alles in allem vermitteln die Prognosen ein einigermaßen entspanntes Bild. Das geht allerdings davon aus, dass es kein „weiter wie bisher“ gibt, sondern substanzielle Veränderungen des Verbrauchsverhaltens in den OECD-Ländern erreicht werden. Ob die Aussagen dienlich sind, den aktuellen Anstieg der Ölpreise in Schach zu halten, muss sich zeigen. Der Umstand, dass die Finanzindustrie reichlich überschüssige Liquidität hat und diese durch die FED sogar noch aufgestockt wird, macht es schwer, an die prognostizierte Ruhe zu glauben. Heute Morgen steigen die Ölpreise weiter an. Der Dollar wackelt richtungslos umher. Die Tonne Gasöl kostet 756 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 88,44 Dollar. Der US-Dollar wird zu 72,63 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen immer weiter an. Ihnen fehlt die entspannende Wirkung des Dollars. Seit einigen Tagen gibt es einen ungewohnten und unbefriedigenden Gleichtakt von Öl- und Dollarnotierungen in die für Heizölverbraucher falsche Richtung. Dabei droht der Seitwärtstrend durchbrochen zu werden. Früher oder später werden Dollar und Öl wieder fallen. Das wird den Heizölpreis drücken. Wann der Moment kommen wird, ist nicht einschätzbar. Dass dieser Moment in absehbarer Zeit einen starken Rücksetzter der Preise bringen wird, ist zudem nicht sehr wahrscheinlich. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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