Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Da ist sie und sie bringt nichts, die Finanzmarktregulierung.

Die Rohölnotierungen änderten sich seit Mitte Mai im Durchschnitt kaum. Sie folgen einem nahezu perfekten Seitwärtstrend. Nicht so perfekt im Trend, im Mittel dennoch gleich, zeigen sich die Notierungen sogar schon seit neun Monaten. Die Kurse für die Produkte Heizöl, Diesel und Benzin, stiegen im gleichen Zeitraum leicht. Ein ähnliches und für viele Verbraucher verblüffendes Bild ergibt sich für die letzten fünf Jahre. Die Notierungen legten im Durchschnitt nur schwach zu. Mit etwas Wohlwollen kann man ihnen einen Seitwärtstrend zugestehen. Vor zwei Jahren war es vollkommen abwegig, auch nur im Entferntesten an eine solche Entwicklung der Ölpreise zu denken. Damals schienen die Preise nichts anderes als einen kometenhaften Aufstieg zu kennen. Bei genauer Betrachtung der Ölpreise und der Aktienindizes war allerdings schon damals zu erahnen, dass Ungemach in der Luft lag. Die Entwicklung, die dann folgte, wird bis heute zu Unrecht als unvorhersehbares Ereignis betitelt.

Im Wesentlichen wird heute immer noch eine monokausale Ursachen-Wirkungs-Kette als Erklärung für das Unfassbare bevorzugt. Schuld seien die Banken, die ihr Geschäft zu einem internationalen Finanzcasino mutieren ließen. So ist es naheliegend, dass politische Maßnahmen nun darauf abzielen, die Mutation zurechtzurücken. Abgesehen davon, dass das Inkraftsetzen entsprechender Maßnahmen unverständlich viel Zeit in Anspruch nahm, ist es zweifelhaft, dass sie geeignet sind, das Problem exzessiver Finanzspekulation in den Griff zu bekommen. In den USA, wo das Maßnahmenpaket am weitesten gediehen ist, zeigt sich jetzt schon, dass die Finanzindustrie in der Lage sein wird, die bestehenden Geschäftsmodelle fortzuschreiben.

Einmal mehr erliegt die politische Klasse dem Irrglauben, mit mehr Regulierung, exakter mit komplexerer Regulierung, einer intelligenten Gruppe der Gesellschaft Paroli bieten zu können. Aufgeblasene Regulierungssysteme erschweren seit jeher das breite gesellschaftliche Leben. Sie sind geeignet diejenigen in die Schranken zu weisen, die kaum in der Lage sind, das Spiel zu spielen, was der Regelung unterliegt. Sie treffen das Gros der Gesellschaften. Die, die getroffen werden sollen, sind hingegen intelligent und vermögend genug, die Ausnahmen der Regeln zu erkennen und für sich zu nutzen. Insofern sind derartige Regeln nicht geeignet, das Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten zu stoppen und umzukehren. Das Gegenteil ist der Fall. Die Schere zwischen Arm und Reich wird sich weiter öffnen. Teilhabe am großen Ganzen wird nicht befördert. Die Maßnahmen stellen keinen Paradigmenwechsel dar.

Mehr als Regulierung ist aber ein Paradigmenwechsel gefragt. Nicht das Fortschreiben eines Systems, das längst vor dem Ausbruch der großen Krise in der Krise war, sollte Ziel politischen Denkens sein, sondern das Ermöglichen neuer Denk- und Lebensweisen, die dem über viele Jahre außerordentlich erfolgreichen Kapitalismus alter Prägung folgen können. Es kann nicht gelingen, lebendige Gesellschaften mit materiellem Wohlstand zu inspirieren, wenn diese den materiellen Wohlstand längst im Überfluss haben. Gesunde, inspirierte Gesellschaften brauchen keine komplexen Regeln. Sie werden mit einfachen, klaren Regeln auskommen, die für alle Teilnehmer gleichermaßen gelten. Die Teilhabe aller Teilnehmer ist in solchen Gesellschaften ein zentrales Anliegen und sie ist nur in solchen Gesellschaften möglich.

Auf den Ölpreis wird die Regulierung keinen Einfluss haben, erstens weil sie keine nennenswerte Änderung des Finanzgebarens der Industrie erzwingt und zweitens weil sie nicht die grundlegenden Zusammenhänge der Ressourcennutzung betrifft. Die Fortschreibung des auf unbeschränkten Konsum basierenden Wirtschaftens legt zwar tendenziell eine Ölpreissteigerung nahe, weil das Gut, um das es geht, knapper wird. Die Fortschreibung ist aber längst kein unumstößliches Gesetz mehr. Dass das Wirtschaftsgefüge in den reichen Ländern in einer grundlegenden Krise steckt, wird allgemein empfunden. Dieser Umstand wird nicht durch temporär positive Wirtschaftsdaten negiert. Auf Grund der Krise ist die Auffassung, dass die Ressourcen nicht reichen könnten, ein wunschgemäßes Lebensmodell zu versorgen, infrage gestellt. Es wäre immerhin denkbar, dass menschliches Wirtschaften zu einem Gleichgewicht mit den naturgegebenen Voraussetzungen entwickelt werden kann. Diese Hypothese kann den Ölpreis mindestens so lange vom Steigen abhalten, wie in der jeweiligen Gegenwart ein auskömmliches Angebot vorhanden ist. Heute ist ein Überangebot vorhanden. Das könnte sogar zu fallenden Ölpreisen führen. Hierzu bedürfte es allerdings rezessiver Wirtschaftsdaten. Ausschließen muss man selbst die nicht.

Heute Morgen geben die Ölpreise nach. Hierfür ist weniger ein rezessiver Impuls als die charttechnische Konstellation verantwortlich. Der Seitwärtstrend legt schlicht eine kleine Abwärtsphase nahe. Die Tonne Gasöl kostet 624 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,59 Dollar. Der US-Dollar wird zu 79,81 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Die Ölbörsen machen das möglich. Die Devisenbörsen setzen dem nichts entgegen. Etwas mehr Abgang ist denkbar. Insgesamt scheint uns eine Fortsetzung der seit April gültigen Seitwärtsbewegung angesagt zu sein. Chancen für einen eventuellen Preisrutsch sehen wir in einer Rückkehr des relativ teuren Dollars. Mit Blick auf die Verschuldungen der Staaten, ist er überbewertet. Im Gegensatz zu den internationalen Ölnotierungen hat sich der Heizölpreis in den letzten fünf Jahren etwas teurer entwickelt. Hierfür ist nicht etwa der zuletzt hohe Dollarkurs verantwortlich, sondern Steuererhöhungen innerhalb dieser Zeit. Die werden, anders als Öl- und Devisenpreise, mit Sicherheit nicht zurückgenommen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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