Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Das Fernsehen schaltet sich ein

Die hohen Heizöl- und Dieselpreise haben es in die Massenmedien geschafft. Dort, wo die Vermarktung von Skandalen zum Kerngeschäft gehört, nimmt man sich eines Themas nur an, wenn es skandalträchtig ist. Beim Öl liegt das traditionell auf der Hand. Bereits die gigantischen Gewinne internationaler Ölkonzerne lassen skandalsuchende Journalisten von gut verkaufbaren Geschichten träumen. Gemessen an eben diesen Gewinnen sind die medial ausgeschlachteten Skandale allerdings dürftig. Dabei existieren sie zuhauf. Man findet sie in Afrika, in Südamerika, in Asien, ja sogar in den USA und in Kanada. Auch Europa ist nicht frei davon. Im Vergleich zu anderen Regionen sind die Skandale hier weniger offensichtlich. Sehr schwierig wird es für Journalisten, direkt vor der Haustür, also in Deutschland fündig zu werden. Das liegt in erster Linie daran, dass hier kaum Öl gefördert wird. Den veritablen Skandal trifft man nämlich hauptsächlich am Bohrloch. Dort werden Mensch und Natur um den Lohn und zu Schaden gebracht. Dort machen die Konzerne die ganz großen Gewinne. Dort schauen wir nicht so gerne hin. Denn der Schaden wird für unsere Art zu leben angerichtet. Wir könnten uns verantwortlich fühlen.

Statt den Skandal im Dreck des Bohrlochs oder gegebenenfalls in der sterilen Umgebung der großen Finanzzockerei zu suchen, graben Journalisten in konstanter Regelmäßigkeit im deutschen Downstream-Geschäft nach falschem Gold. Als Downstream bezeichnet man den Geschäftsbereich zwischen Raffinerie und Endverbraucher. Kein Preishype vergeht, ohne hierzulande nach den Schuldigen zu suchen, die sich ungebührlich bereichern und den abhängigen Verbraucher ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Heute Abend wird Report München in der ARD den nächsten Versuch starten, den Skandal zum Thema aufzudecken. Der Moderator wird vermutlich von neusten Erkenntnissen des Kartellamts sprechen, die belegen, dass die hierzulande tätigen internationalen Mineralölkonzerne nicht justiziable, aber dennoch Preisabsprachen zum Nachteil der Verbraucher treffen. Den Nachweis dieses Tatbestands sollte ihm der recherchierende Redakteur beschaffen. Wir sind gespannt, wie er seinen Auftrag erledigt hat. Fakt ist, dass das Kartellamt in den vergangenen Jahren mehrere Untersuchungen zur Sache anstellte. Dabei kam einzig eine relevante Einflussnahme des Staates heraus. Die sorgt dafür, dass Mineralölkonzerne ihre Produkte an den Raffinerien und Tanklagern nicht unter Einstandskosten abgeben dürfen. Nötig war die Einflussnahme, um die Existenz des Mittelstands zu schützen. Die Konzerne arbeiteten vor Jahren daran, den Mittelstand durch quersubventionierte Dumpingpreise auszuschalten, um später die Preise nach belieben diktieren zu können. Das hat das Kartellamt vereitelt. Darüber hinaus konnte es nur feststellen, das deutsche Heizöl- und Kraftstoffpreise vor Steuern zu den billigsten in ganz Europa gehören und dass diese Tatsache auf einen gut funktionierenden Markt hindeutet. Dass die Preise allgemein nahe beieinander liegen, scheint eher der Transparenz des Markts als einer Abspracheproblematik geschuldet zu sein.

Die großen Preisbewegungen werden definitiv nicht downstream, sondern upstream verursacht. Dort sind Reserven und Ressourcen, die globale Nachfrage und der Zustand des Finanzsystems relevant. Reserven und Ressourcen sind tendenziell knapp. Temporär kann es dennoch zu üppigen Versorgungslagen kommen. Die Nachfrage wächst fast unabhängig von Konjunkturenwicklungen stetig und bis heute ohne erkennbaren Einbruch weiter. In jüngster Zeit ist allerdings eine Veränderung in den alten Industrienationen zu beobachten. Sie scheinen das Maximum ihres Öldurstes überschritten zu haben. Das gilt sogar für den Verbraucher Nummer eins, die USA. Zu nennenswerter Preisentspannung führte das noch nicht, weil das Gesamtsystem von den neuen Industrienationen schwer belastet wird. Ein Ende ist nicht in Sicht. Perspektivisch ist die Versorgungslage extrem angespannt. Darauf weisen seit einiger Zeit Institutionen hin, die ihrem Wesen nach zu den Stabilisatoren unseres Lebensstils gehören, die IEA (Internationale Energie Agentur), die Bundeswehr, der Volkswagenkonzern, um nur einige wenige zu nennen. Meldungen über neue Ölfunde großen Ausmaßes signalisieren von Zeit zu Zeit Entspannung. Diese Meldungen werden nicht in den Kontext der Ölgeschichte gestellt. Was als Zahl gigantisch wirkt, ist im Vergleich zu den Funden in der Zeit zwischen 1940 und 1980 gering. Hinzu kommt, dass die Art der neuen Quellen keine billige Produktion mehr erlaubt. Das Öl kommt aus extremen Meerestiefen und aus Ölsänden. Langsam ersetzt dieses Öl die billige Ware aus den versiegenden Quellen der großen Entdeckerzeit. Es gibt also eine natürliche Grundlage für die Teuerung.

Es gibt auch eine finanzmarktgetriebene Teuerung, die mittlerweile hinlänglich bekannt ist. Beziffern kann sie niemand genau. Mit einer einfachen Überlegung ist immerhin eine Größeneinschätzung möglich. In der ersten Hälfte des Jahres 2009 ging die Ölnachfrage als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise zurück. In dieser Zeit, in der die Rohölpreise auf Grund der Nachfrage mindestens nicht steigen sollten, stiegen sie um 30 Dollar pro Barrel. Ein Teil des Anstiegs mag eine Gegenreaktion auf den starken vorausgegangenen Preiseinbruch gewesen sein. Ein größerer Teil ist auf die Aktivitäten der mit frischem Geld versorgten Finanzindustrie zurückzuführen. Hinter diesen Aktivitäten stecken nicht nur Zockerbuden. Sie werden auch von Pensionsfonds und Versicherungen ausgelöst. Sie dienen dem Werterhalt vieler Pensionen und Lebensversicherungen. In anderen Worten, der „skandalöse“ Preisanstieg hat eine Ursache im allzu menschlichen Verlangen nach Alterssicherung. Dieses Verlangen trifft man hauptsächlich in den alten Industrienationen an. Der weitere über das Jahr 2010 und 2011 aufgelaufene Preisanstieg trägt bereits einen nennenswerten Anteil aus der unerwartet hohen globalen Nachfragesteigerung in sich.

Die Zusammenhänge im Einzelnen aufzuklären, die Konsequenzen für Verbraucher zu analysieren und ihre Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren, wäre ein wertvoller Beitrag der Medien. Er würde Erkenntnis stiften und Konsequenzen ermöglichen. Um ihn ansprechend zu gestalten, könnte er sogar mit Skandalen garniert werden. Die wird man aber nicht hierzulande im Kreis der Ölkonzerne finden. Die Konzerne haben ihre Leichen in anderen Teilen der Erde versteckt.

In den letzten Tagen ist es um die Skandalträchtigkeit der Ölpreise ohnehin etwas schlechter bestellt. Sie sanken. Gestern bewegten sie sich heftig mit einem moderaten Nettogewinn. Heute Morgen zeichnet sich noch keine Richtung ab. Die Tonne Gasöl kostet 961 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,53 Dollar und in London zu 108,74 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,05 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. An ihrem Aufwärtstrend ändert der Umstand derzeit nichts. Dieser kann nach unserer Einschätzung nur durch einen globalen Konjunktureinbruch gedreht werden. Selbstverständlich kann ihn auch ein Finanzkollaps drehen. Der hätte aber andere unangenehme Wirkungen, die die Freude über günstiges Heizöl in den Schatten stellte. Einzelne Konjunktursignale deuten auf Schwäche hin. Das Gros der Daten ist aber noch positiv. Insofern halten wir Hoffnungen auf nennenswert tiefere Heizölpreise für unangebracht. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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