Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Das Loch zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Rohöl könnte nach Einschätzung des OPEC-Präsidenten Purnomo Yusgiantoro rund 16$ weniger kosten. Die Zahl wird von ihm als psychologische Unsicherheitsprämie genannt, die im Preis steckt. Solche Äußerungen erwecken Hoffnungen beim Verbraucher, dass es eine realistische Chance auf tiefere Preise gibt. Doch bisher wurden diese Hoffnungen enttäuscht. Die Preise klettern weiter auf immer neue Rekordwerte. Dass die 50$-Marke für US-Öl überschritten wird, stellt kaum ein Händler in Frage. Die Frage ist, wie weit sie überschritten wird.

Deutsche Energiemarktexperten gehen mehrheitlich von langfristig steigenden Ölpreisen aus. Lediglich eine kleine Minderheit prognostiziert einen Preisrückgang. Im Gegensatz zu Yusgiantoro erklärt gut die Hälfte der Befragten den ungebremsten weltweiten Öldurst als hauptverantwortlich für die Entwicklung. Erst an zweiter Stelle wird die unsichere Lage im Nahen Osten genannt. Dem strategischen Verhalten der OPEC räumen die Experten unter den drei Faktoren nur den dritten Platz ein.

Ab 50$ wird es nach Einschätzung von Volkswirten kritisch für das Wirtschaftswachstum. Dann beginnt es Schaden zu nehmen. Und das hat früher oder später Rückwirkungen auf den Ölpreise. Spätestens dann werden sie fallen. Die Aussagen sind allerdings ebenso einzuschätzen wie die von Yusgiantoro. Wissenschaftlich belegt ist gar nichts. Und das macht die Sache für die händeringend gesuchten Investoren unkalkulierbar. Daher sind sie immer noch viel zu zurückhaltend.

Was fehlt, sind neue Förderanlagen, Transporteinrichtungen und Raffinerien. In die müssen gewaltige Summen investiert werden, damit ein ausreichender Ölfluss geschaffen werden kann. Aber weil die Unsicherheit ob der Nachhaltigkeit des hohen Preises überall groß ist, fallen die Investitionen nur ungenügend aus. In den USA ist das Problem besonders groß. Das Gleiche gilt für den Irak. Auf Grund der Unsicherheit steht nicht nur die tägliche Produktion von 2,8 Mio. Barrel mit einem Export von 1,7 Mio. Barrel in Frage. Das gewaltige Potential, das das Land mit den vermutlich zweitgrößten Reserven bietet, wird frühestens in vier Jahren zu einer Fördermenge von 4 Mio. Barrel pro Tag führen, wenn Investitionen fließen. Es sollen sogar einmal 6 Mio. Barrel pro Tag werden. Aber dafür sind mindestens 20 Mrd. US$ im Irak zu investieren.

Aktuell können der Irak wie auch Venezuela, Nigeria und sogar Russland mit der Yukos-Affäre wohl nur zu steigenden Ölpreisen beitragen. Allen gemeinsam ist, dass sie eher Ausfallkandidaten sind als Länder, die zusätzliche Mengen zum Angebot beisteuern könnten.

Um Yusgiantoros psychologische Unsicherheitsprämie zum Abschmelzen zu bringen, bedarf es eines Anstoßes. Weniger Terror und mehr Öl. Beides ist nicht in Sicht. Die Hoffnung einiger Optimisten liegt auf den Präsidentschaftswahlen in den USA. George Bush wird, so der Gedankengang, die prall gefüllten strategischen Reserven wahltaktisch gezielt anzapfen und eine kurze Schwemme bringen. Das ist freilich sehr positiv gedacht. Bisher hat uns Bush nur steigende Ölpreise gebracht und dabei vermutlich gut verdient.

Viele Teilnehmer am Ölmarkt erwarten einen Preisrückgang. Sie sehen den allerdings nur als kurzfristige Gegenreaktion auf die hoch aufgeflogenen Preise kommen. Dass der für Endverbraucher spürbare Entlastung bringt, scheint zweifelhaft zu sein. Insbesondere in Deutschland könnte sich so eine Gegenreaktion sogar als kontraproduktiv erweisen. Wenn die Preise nennenswert fallen sollten, würde aller Voraussicht nach ein Kaufboom ausgelöst, der die Margen und damit die Inlandspreise sofort wieder hochziehen wird.

Heute Morgen ist an fallende Preise nicht zu denken. Gasöl steht auf dem Rekordwert von 387,50$ pro Tonne.

Unsere Heizölpreise enthalten die Rekordwerte des Weltmarktes bereits. Dennoch muss mit weiteren Steigerungen gerechnet werden. Da die Chancen auf fallende Preise weiterhin dürftig sind, die Gefahren für deutliche Teuerungen aber hoch stehen, macht es wenig Sinn auf Schnäppchen zu hoffen. Wer vor dem Winter Heizöl braucht, hat wenig Perspektive, dieses weit unter dem heutigen Tagespreis zu bekommen. Daher ist unser Rat, sich aus dem ab September zu erwartenden Problem, überhaupt rechtzeitig Heizöl zu bekommen, fernzuhalten und jetzt zu bestellen.

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