Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Das zweite Gesicht

Auf das Sommerloch folgt die Herbstbeschaulichkeit. Das ungefähr ist das Bild, das den physischen Ölmarkt darstellt. Vorbei die Zeit, in der Versorgungsstränge roher Naturgewalt zum Opfer fielen, in der Kriege um Öl angezettelt wurden, in der Sprit saufende Fahrzeuge ausgetrocknete Ölquellen hinterließen und in der das Ende des Öls zum Greifen nah schien. Nur wenige Menschen werden die apokalyptische Stimmung früherer Jahre vermissen. Finanzjongleure gehören zu dieser Minderheit. Ihnen fehlt der Pfeffer im täglichen Allerlei. Und so müssen sie die Geschichten, die ihnen Antrieb zum Handeln geben, immer wieder aus dem Nichts erfinden. Gestern brachte die Geschichte, deren Inhalt sich nicht zu zitieren lohnt, sinkende Ölpreise zustande. Es hätten auch steigende Preise sein können. Die gibt es eventuell heute.

So befriedet, wie das Bild die Lage zeichnet, ist sie keineswegs. Substanziell hat sich am physischen Ölmarkt in den letzten zwei Jahren nicht viel geändert. Weltweit gibt es nach wie vor eine hohe Nachfrage. Dass übermorgen genug Öl zur Verfügung steht, ist nicht selbstverständlich. Still und fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wird die Beschaffung täglich aufwendiger. So wird mittlerweile 40 Prozent des Rohöls aus Offshore-Quellen tief unter der Meeresoberfläche gewonnen. Der Trend geht eindeutig zu einem steigenden Anteil dieses Öls und zu steigender Tiefe der Quellen. Die Komplexität der Förderung wächst. Was wachsende Komplexität bewirken kann, wurde uns durch die Deepwater-Katastrophe im Golf von Mexiko vor Augen geführt. Einfach zu hebendes Öl findet man fast nur noch in OPEC-Staaten. Dass die westliche Welt dauerhaft Zugriff auf dieses Öl haben wird, wird kein weitsichtiger Mensch unterschreiben.

Heute gibt es Öl in Hülle und Fülle. Das ist in erster Linie der Finanzkrise zu verdanken, die das Superland des Ölkonsums, die USA, besonders hart traf. Ihre Verbraucher drosselten den Bedarf. Zeitgleich wuchs das Angebot. Das war die Folge gestiegener Investitionen in Ölinfrastruktur während der jüngsten Hochpreisphase. Nun liegt der schwarze Rohstoff in gigantischen Lagern herum, als sei er plötzlich zum Ladenhüter mutiert. Ist er nicht, soviel ist schon mal sicher. Allenfalls in den USA könnte man die These ernsthaft diskutieren. Da die Ölindustrie weltweit die kommunizierende Röhre kennt, dürfte aber auch dieser Umstand nur temporäre Gültigkeit haben.

Die Geschichte hat mindestens zwei Gesichter. Egal ob sie vom physischen Ölmarkt, vom Finanzmarkt oder von heilbringenden Alternativen handelt. Das macht sie kompliziert. Das macht sie aber auch interessant. Und das ist der Grund, monokausale Erklärungen und blitzgescheite Zukunftslösungen höchst skeptisch zu betrachten. Eine solche monokausale Erklärung wird heute gerne zum Lamentieren über den Ölpreis verwendet, indem die Höhe des Preises einzig der sittenwidrigen Finanzszene angelastet wird. Diese Szene hat definitiv einen hohen Anteil an der Preisbildung. Sie beherrscht Regeln der Manipulation und wendet diese skrupellos an. Sie ist gestärkt aus ihrer eigenen Krise durch fremde Hilfe zu Lasten breiter Bevölkerungsschichten herausgekommen. Gleichwohl zeigt jede verschwörungstheoretische Erklärung zur Ölpreisbildung letztlich nur die Weigerung ihres Übermittlers vor einer rationalen Sichtweise. In diesem Fall muss sie die veränderten Förderbedingungen und die langfristigen Versorgungsmöglichkeiten mit fossilen Ressourcen beinhalten. Beide Aspekte rechtfertigen durchaus steigende Preise. Es ist mittlerweile ein Streit unter Gelehrten, ob die Finanzszene den Ölmarkt beherrscht. Wissenschaftliche Beweise zur Klärung des Streits gibt es derzeit nicht. Es gibt aber hinreichende Indizien, dass die Freiheiten, die die Finanzwelt im Vergleich zu anderen Bürger- und Unternehmensrechten genießt, unverhältnismäßig sind. Diese Freiheiten wurden missbraucht.

Ein anderer Fall, bei dem die zweite Seite der Medaille betrachtet werden muss, ist die Geschichte um die Elektromobilität. Diese genießt seit einiger Zeit den Nimbus einer Endlösung. Befeuert wird sie derzeit mit Fakten aus China, die technikinteressierte Europäer und US-Amerikaner erschauern lassen. Im Reich der Mitte werden heute bereits mehr E-Fahrzeuge produziert als Benzinvehikel. Im Jahr 2009 betrug das Verhältnis 19 Millionen zu 13,4 Millionen. Die hohe Zahl ist den E-Rollern zu verdanken, die seit vielen Jahren Normalität auf Chinas Straßen sind. Den Umstand, dass China zum größten CO2-Emittenten der Welt wurde, konnten sie nicht verhindern. Im Gegenteil, chinesischer Strom stammt zum größten Teil aus Kohlekraftwerken. Es ist dieser Strom, der das weltweite Klima bedroht. Die Tatsache, dass China mittlerweile doppelt so hohe Investitionen in saubere Energieerzeugung steckt wie die USA, lässt die E-Fahrzeuge nicht besser aussehen. Die Rechweite der E-Roller ist außerordentlich begrenzt. Gleiches gilt für die Lebensdauer ihrer Batterien. Ihre Leistungsdichte ist grottenschlecht. Ihr Ressourcenverbrauch zur Herstellung ist niederschmetternd. In der Gesamtenergiebilanz von Herstellungsenergie und Gebrauchsenergie sind E-Fahrzeuge selbst bei Speisung mit Wind- oder Sonnenenergie keineswegs deutlich besser als auf Effizienz getrimmte Benziner. Wie bei der Frage des preisbestimmenden Einflusses der Finanzindustrie am Ölmarkt fehlt auch hier die wissenschaftlich haltbare Faktenlage. Stattdessen wird eine zutiefst emotionale Debatte geführt, bei der die Stromindustrie die Herrschaft über die Politik erlangt hat. Das Drehbuch dazu wurde wahrscheinlich bei der Finanzindustrie abgekupfert.

Fazit: Die Welt ist kompliziert. Aber so kompliziert, dass man nicht wenigstens eine zweite Sichtweise in Betracht ziehen kann, um aus dem Für und Wider eine ausgewogene Einstellung zu entwickeln, ist sie beileibe nicht. Und man muss kein Wissenschaftler sein, um die Essenz von zwei Ansichten derselben Sache zu erfassen.

Heute Morgen wird am Ölmarkt die zweite Seite der Preisbewegung gehandelt, der Abgang. Ob dieser über den Tag Bestand haben wird, ist eine höchst spekulative Frage. Die Tonne Gasöl kostet 665,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 75,75 Dollar und in London 77,91 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,59 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise haben einen guten Lauf. Sie erfüllen die Erwartungen an eine Abwärtsflanke im Seitwärtstrend in vollem Umfang. Aktuell kommt ihnen dabei die Bewegung am Ölmarkt zugute. Nun setzt der Dollar zu einer Bremsbewegung an. Auf absehbare Zeit werden die Bälle zwischen Ölnotierungen und Dollarkursen hin und her gespielt werden. Große Veränderungen der Heizölpreislandschaft erwarten wir nicht. Vom aktuellen Niveau mag der Preis noch zwei Cent pro Liter fallen. Um den gleichen Betrag kann er auch ebenso gut steigen. Man kann jetzt Heizöl kaufen, ohne sich später Vorwürfe machen zu müssen, dumm gehandelt zu haben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen