Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Es ist noch viel drin

Eine Kugel rollt aufwärts und Öl entsteht in der Erde so schnell, wie wir es verbrauchen. Davon kann man träumen. Rechnen sollte man damit nicht. Es wäre der sichere Ruin. Glauben Sie nicht, dass der Welt das Öl ausgeht. Das werden Sie nicht erleben. Sie haben lediglich das zweifelhafte Vergnügen, einer unendlichen Teuerung beizuwohnen.

Was macht uns so sicher, dass das Öl nicht ausgeht? Es ist seine Lage in der Erde. Öl ist darin gebunden, wie Wasser in einem Schwamm. Wenn man den stark genug quetscht, kommt alles Wasser heraus. Aber mit normalen Mitteln gelingt uns nicht mal diese relativ einfache Aufgabe. Alles Öl aus der Erde zu holen, ist so schwierig, dass es angebracht ist, es als unmöglich zu bezeichnen.

Das Abernten eines Ölfelds lässt sich grob in drei Phasen einteilen. Am Beginn der ersten Phase steht das Feld unter einem inneren Druck. Der wird durch die Last der darüber liegenden Erd- und Gesteinsmassen sowie durch im Öl gebundenes Gas aufgebaut. In dieser Phase fließt das Öl ohne zusätzlichen Aufwand heraus. Bisweilen sprudelt es so stark, dass man es am Herausschießen hindern muss. Wenn der innere Druck nachlässt, muss mit Tiefpumpen nachgeholfen werden. Am Ende der ersten Phase ist etwa ein Viertel des gesamten Öls im Feld ausgetrieben.

Die zweite Phase verlangt vom Betreiber einen deutlich höheren Aufwand. Denn nun muss er den Druck aufbauen, der das Öl zum Verlassen des Felds veranlasst. Das geschieht meist durch das Einpumpen von gewaltigen Wassermassen. Dummerweise verbindet sich das Wasser häufig mit dem Öl. Heraus kommt dann eine Öl-Wasser-Emulsion, die in gigantischen Anlagen getrennt wird. Die Ergiebigkeit einer Quelle ist nicht zuletzt von der Größe der Trennanlagen abhängig. Das Rohöl ist erst nach Durchlaufen dieser Anlagen gewonnen. In dieser zweiten Phase ist die Ölförderung mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden. Es kann beispielsweise sein, dass die Bohrung, aus der das Öl-Wasser-Gemisch strömen soll, so ungünstig liegt, dass nur noch Wasser herauskommt. Das Öl wäre in dem Fall durch das drückende Wasser in eine andere Region des Feldes verdängt worden. Das hätte die Schließung der Bohrung zur Konsequenz. An anderer Stelle müsste eine neue Bohrung eingebracht werden in der Hoffnung, auf diese Weise an das gesuchte Öl zu gelangen. Sie merken schon, dass die Ölförderung nun näher an die Unwägbarkeiten der Landwirtschaft heranrückt als an die Präzision einer industriellen Produktion. Und was ist der Lohn des Aufwands? Das Feld ist zu einem Drittel ausgebeutet.

Nun kommt die Phase drei. Der Aufwand wird noch einmal gigantisch gesteigert. Mit Hitze und Chemikalien versucht man das im Gestein verhaftete Öl für den Abzug gefügig zu machen. Dabei wird so viel Energie aufgewendet, dass die Energiebilanz zur Förderung des Energieträgers Öl Zweifel an ihrer Sinnfälligkeit aufkommen lässt. Am Ende dieser Phase befindet sich bei Anwendung bekannter Techniken immer noch gut die Hälfte der ursprünglichen Ölmenge im Feld. Die Phase drei verbindet Fluch und Hoffnung der zukünftigen Ölförderung. Fluch weil sie irrsinnig teuer ist. Hoffnung weil sie Phantasien auf deutlich höhere Entölungsgrade weckt. An dieser Phase wird deutlich, warum es kein absehbares Ende des Ölzeitalters geben wird und warum der Ölkonsum in großen Mengen ausschließlich reichen Menschen vorbehalten bleibt. Das Gros der Menschheit muss sich hingegen mit homöopathischen Öldosen zufrieden geben.

Collin Campbell ist ein bekannter Ölgeologe. Er war für verschiedene Mineralölgesellschaften tätig. Seit vielen Jahren bemüht er sich, die Menschen auf die Probleme des versiegenden Ölstroms aufmerksam zu machen. Nach seiner Schätzung wurden bis Ende 2007 rund 1,16 Billionen Barrel Öl aus der Erde geholt und verbraucht. In der Erde befinden sich weitere 1,35 Billionen Barrel, an die wir nach heutigem Wissen herankommen können. Das hört sich ganz gut an. Über 35 Prozent dieser Menge sind allerdings in Sand, in der Tiefsee, an den Polen oder an anderen schwer zugänglichen Orten und Materialien gebunden. Die leichter zu fördernden 65 Prozent befinden sich mehrheitlich in den Phasen zwei und drei, was das Wort „leichter“ ad absurdum stellt.

Aktuell benötigt die Menschheit rund 87 Mio. Barrel Öl pro Tag oder 0,03 Billionen Barrel pro Jahr. Eine kleine Menge dieses Bedarfs deckt sie aus biologischem Anbau. Außer in Mitteleuropa hat der nichts mit dem hierzulande üblichen Verständnis des Begriffs zu tun. Biologischer Raubbau wäre als Titulierung angebrachter. Unter Aufrechterhaltung der aktuellen Nachfrage reicht das im Boden verbliebene Öl für gut 40 Jahre. Danach muss die nach heutigem Wissen unerreichbare zweite Hälfte der Ölvorkommen den Bedarf decken. Dass das geht, kann niemand ausschließen. Dass das sehr teuer wird, sollte man konstatieren. Dass die Welt damit eine bessere, geschweige denn eine gerechtere wird, darf man bezweifeln.

Mit diesem Wissen ausgerüstet erübrigt sich eine Antwort auf die Frage, wohin der Ölpreis langfristig tendieren wird. So unausweichlich wie die Teuerung nun erscheint, muss sie allerdings nicht sein. Schließlich gibt es mächtige Stellschrauben. Die mächtigste ist der Verbrauch. Im Gegensatz zum globalen Angebot, das nach heutigem Wissen nicht über die oben genannte Zahl hinaus reicht, ließe sich der Verbrauch der Industrieländer mit bekannten Techniken halbieren. Über den Einfluss auf den Preis darf spekuliert werden.

Spekuliert wird auch über den aktuell möglichen Preisrückgang. Der hängt in erster Linie an der Konjunktur. Da diese weltweit bisher noch kein Krankheitsbild aufweist, dürfte das Abschlagspotenzial weitgehend ausgeschöpft sein. Mehr Rückgang erfordert mehr Wirtschaftsschwäche.

Heute Morgen ist davon nichts zu spüren. Die Preise tendieren aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet 1.221,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 131,72 Dollar.

Unsere Heizölpreise haben das Fallen eingestellt. Der Weltmarkt und in Teilen der Binnenmarkt wollen das so. Im Süden der Republik werden die Preise durch ein geringes Angebot zusätzlich hoch gehalten. Bohrloch- und Raffineriebesitzer haben die Lizenz zum Gelddrucken. Gleiches gilt für Kraftwerks- und Gaspipelinebesitzer. Handel und Verbraucher fühlen sich geschröpft. Sie sind es auch. Dagegen hilft nicht die Politik. Dagegen hilft nur das Drehen an der Verbrauchsschraube. Das ist jedem Bürger erlaubt. Wir helfen mit www.esytrol.com. Derartige Unterstützung sollte zum Standardangebot des Handels gehören, um klar zu stellen, auf welcher Seite er steht.

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