Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Gewagte Prognose

Öl wird langfristig teurer werden, weil die Nachfrage wächst und das Angebot auf Grund begrenzter Ressourcen sinkt. Gegen diese These wird kaum jemand widersprechen. Unumstößlich ist sie dennoch nicht. Sie steht und fällt mit der Entwicklung der Nachfrage. Und die Nachfrage steht und fällt mit der Entwicklung unserer Wirtschaftsmodelle. Dass diese auf ewiges Güterwachstum und damit auf steigenden Ressourcenverbrauch bauen, ist alles andere als sicher, auch wenn derzeit keine anderen Modelle vorstellbar sind. Dennoch gilt, die Welt ist gestaltbar und nichts ist so sicher wie die Veränderung.

Verändert hat sich der mittelfristige Rahmen der Ölpreisentwicklung. Die Fünfjahrescharts offenbaren nicht mehr den erwarteten unaufhaltsamen Anstieg. Sie signalisieren eher eine Annäherung an ein konstantes Preisniveau. Hierfür gibt es plausible Gründe. Die Aussage klingt merkwürdig, da wir so oft erleben müssen, wie unplausibel die Ölpreisentwicklung ist. Im Tagesgeschehen wird sie kaum von harten Faktoren des Ölmarkts sondern von weichen Faktoren der Börsenpsyche bestimmt. Der längerfristige Preischart eröffnet eine andere Perspektive. Diese ist wie der Blick aus einem Flugzeug ins Tal. Von oben sieht man Dinge, die man im Zentrum des Geschehens nicht erfassen kann. Und man kann Zusammenhänge herstellen, die im Tagesgeschehen verborgen bleiben. Der Versuch einer Erklärung für einen seitwärts gerichteten Preisverlauf lautet wie folgt:

Die fundamentalen Bedingungen am Ölmarkt erlauben keine weitere Preissteigerung, weil Angebot und Nachfrage auf Jahre ohne Probleme zueinander passen. Mittelfristig besteht eher die Tendenz eines Überangebots an Öl. Dieser Umstand ist dem starken Nachfrageeinbruch als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise geschuldet. Die Wirtschaft erholt sich nur langsam. Deshalb wird die Nachfrage auch in den kommenden Jahren vergleichsweise schwach bleiben. Den Angriffen der Finanzwirtschaft auf die Ölpreise, denen nach Erkenntnissen der Terminmarktaufsicht CFTC die Preisspitzen des letzten Jahres zugeschrieben werden, wird Einhalt geboten. Der Kämpfer für einen sauberen Markt, Gary Gensler, Chef der CFTC, gewinnt Einfluss. Es sieht so aus, als könne er dem Spekulantencasino Einhalt gebieten. Damit würden die wesentlichen Auftriebskräfte der Preise spürbar reduziert werden.

In den „alten“ Industrienationen wird die Wirtschaft nur langsam wachsen, weil die gängigen Geschäftsmodelle und Produkte ihre Attraktivität verlieren. Sie treffen nicht mehr das Bedürfnis der Masse. Sollten an ihre Stelle wider erwartend kurzfristig neue Geschäfte und Produkte treten, was enorme Innovationskraft voraussetzt, werden sie mit Sicherheit eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs mit sich bringen. Damit bliebe das Angebots-Nachfrage-Verhältnis für Öl und andere Energien entspannt.

Neben dem Potenzial der Einsparung gibt es im Ölmarkt das Potenzial der Substitution. Der Umstand, dass Bioöl als Energieträger in Verruf gekommen ist, bedeutet nicht, dass er für die Gestaltung von Zukunft unbrauchbar ist. Er ist es nicht. Er wird mit Sicherheit große Bedeutung in der Ölwirtschaft erlangen. Die Diskussion Teller oder Tank wird versachlicht. Versachlicht wird auch die Generationenfrage der Herstellung. Bei rationaler Abwägung der Chancen und Risiken wird man zu dem Schluss gelangen, Bioölen einen nennenswerten Raum im Ensemble der Energieträger zu geben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Mobilität mit Bioölen der Elektromobilität den Rang ablaufen wird. Letztere erfreut sich zwar momentan größter medialer und politischer Beliebtheit. Ihr Realitätsbezug bleibt aber weit hinter dem einer Mobilität mit biogener Unterstützung zurück. Ideen für eine neue mobile Welt gab es schon viele. Erinnert sei beispielsweise an die Wasserstoffblase oder im kleineren Stil an die Transrapidtechnik als Schienenersatz. Eingeführt wurden sie nicht, weil sie lediglich einen aufwendigen Ersatz einer bestehenden, gut funktionierenden Infrastruktur darstellten. Eine funktionierende Infrastruktur zu Gunsten einer anderen, ähnlichen zu schließen, macht keinen Sinn. Sinn macht es, eine bestehende Infrastruktur zu verbessern oder etwas vollkommen Neues zu schaffen. Ein Beispiel für etwas Neues wäre es, Mobilität vollkommen anders zu definieren. Vielleicht bewegen wir uns eines Tages tatsächlich im Cyberraum.

Die Hinwendung zum Strom als Energieträger ist aus technischer Sicht vollkommen unverständlich. Die Herstellung von Strom ist außerordentlich ineffizient. Die deutsche Energiebilanz des Jahres 2006 beziffert die Kraftwerksverluste mit 66 Prozent. Die Lagerung von Strom ist und bleibt noch lange ein ungelöstes Problem. Energie als Strom in Batterien wiegt zwischen 10 und 100 Mal soviel wie Energie in Mineral- oder Bioöl. Die regenerative Stromversorgung ist technisch ohne Zweifel sinnvoll. Wenn man den gesamten Strombedarf aber erhöht, indem man Hauswärme (Wärmepumpe) und Mobilität von Öl und Gas auf Strom verlegt, wird ihr Anteil immer gering bleiben. Dann geht es nicht ohne CO2-schleudernde Kohlekraftwerke. Atomkraftwerke sind keine Alternative. Erstens ist die Reichweite des Energieträgers nicht größer als die von Öl und Gas. Zweites birgt die Technik das größte denkbare Gefahrenpotenzial für Menschen. Drittens ist die Militärische Nutzung nicht von der friedlichen Nutzung zu trennen. Und viertens spielt die Energieform im Ensemble aller Energieträger ohnehin nur eine Nebenrolle. In Deutschland stammen gut zehn Prozent der Primärenergie aus der Kraft der Atome. Weltweit sind es zwei Prozent. Mit der Debatte wird viel Wind um nichts gemacht.

Zurück zum Ölpreis. Die Vermutung liegt nahe, dass der bis auf weiteres einen Boden gefunden hat. Charttechnisch ist er für den Moment ausgereizt. Fundamental sollte noch etwas Abgang möglich sein. Aber nicht alles, was möglich ist, wird realisiert. Die Tonne Gasöl kostet heute Morgen 542 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 68,95 Dollar. Der US-Dollar wird zu 69,37 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise sind nach einem schönen Rückgang in eine Seitwärtsrichtung eingeschwenkt. Wer kurzfristig Heizöl benötigt sollte den Moment nutzen. Wer auf ausreichend Brennstoff sitzt, kann die Spekulation auf tiefere Preise im Jahresverlauf wagen. Wir glauben, dass das erfolgreich sein wird. Zum Erfolg langfristig stabilerer Ölpreise trägt die Reduzierung des Verbrauchs bei. Dieser sollte man sich auf alle Fälle widmen. Wir haben hierzu www.esytrol.com geschaffen.

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