Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Hannover macht nicht in Öl

Hannover hat das Geschäftsmodell gewechselt. Heute glänzt die Stadt mit der Erzeugung bekannter Persönlichkeiten. Die regieren, predigen und singen mit teilweise beachtlichem Erfolg. Vielleicht gelingt der Stadt sogar ein Präsident. Früher versuchte man dort mit einer Warenterminbörse groß heraus zu kommen. Schweinebäuche und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse gehörten zum Geschäft. Vor Jahren sollte diese Börse als kontinentales Gegenmodell zur NYMEX in New York und ICE in London in Position gebracht werden. Russisches Öl war als Handelsschlager angedacht. Das wurde nichts. Nicht lange vor Lena verabschiedete man sich endgültig von börsennotierten Schweinen aus Hannover.

Natürlich liefen die an der Börse gehandelten Schweine nicht wirklich in Hannover herum. Sie existierten nur auf dem Papier als standardisierte Schweinebäuche. Beim Handel wechselten nicht die Bäuche sondern die Papiere den Besitzer. Und selbst die Papiere waren virtuell. Aber immerhin war das virtuelle Geschehen real genug, um durch allerhand Kauf- und Verkaufereignisse eine Preisbildung zu ermöglichen. So wurde der Preis für einen Schweinebauch zur Lieferung an einem bestimmten Ort in einem bestimmen Moment ermittelt. Genau so verhält es sich mit der Ermittlung des Ölpreises in New York oder London. Die Idee, den Preis von Schweinebäuchen zur Lieferung in der Zukunft heute schon festzulegen, sollte den Bauern kalkulatorische Sicherheit für ihr Geschäft geben. Wenn nach langer Mast schließlich zu viele Schweine auf dem Markt wären, bekämen sie eventuell nicht mal die Erzeugungskosten heraus. Die Bauern wären pleite. Das Risiko der Pleitevermeidung übernahmen Spekulanten, gute Spekulanten. Auch dieser Zusammenhang ist im Fall des Öls identisch. Kaum zu glauben. Irgendetwas scheint in der Ölwelt aber anders zu laufen.

Wenn es zu viele Schweine gibt, fällt ihr Preis. Es gibt zu viel Öl. Gleichwohl ist der Preis hoch. Das ist die gefühlte Realität. Schaut man sich die Entwicklung der letzten drei Jahre aber genauer an, stellt man fest, dass die grundlegende Logik nicht ausgehebelt ist. Mitte 2008 waren die Ölbestände auf einem Tiefpunkt. Der Preis befand sich auf einem Allzeithoch. Danach stiegen die Bestände. Der Preis fiel gewaltig. Seit gut einem Jahr sind die Vorratslager außerordentlich hoch gefüllt. Der Ölpreis bewegte sich über eine lange Periode annähernd seitwärts. Lediglich am Anfang dieser Phase schnellte der Preis in die Höhe. Das ist zwar wider die Idee der Schweinebäuche. Gleichwohl gibt es dafür plausible Erklärungen. Der Fall des Ölpreises zu Beginn des Jahres 2009 war übertrieben tief. Ursächlich war die der Finanzkrise geschuldete mangelnde Liquidität. Durch staatliche Hilfen wurde diese dem Finanzsystem zurückgegeben. Das Geld wurde umgehend in Ölpapiere investiert und trieb den Preis in die Höhe. Richtige oder falsche Höhe darf man fragen oder besser wertgerechte und nicht wertgerechte Höhe? Diese Frage wird man nicht solide beantworten können. Dass das nicht geht, zeigt das Beispiel Goldpreis. Dieser steht in keinem Zusammenhang mit den Kosten für die Goldförderung oder dem Goldaufkommen. Da Gold im Gegensatz zu Ölprodukten aber kein Stoff ist, der täglich gekauft wird, nimmt man die Preisschwankungen nüchtern zur Kenntnis. Beim Öl lösen solche Schwankungen Emotionen aus.

Aktuell gibt es wieder jede Menge Stoff, um Unregelmäßigkeiten der Ölpreisbildung zu beklagen. So fiel der Ölpreis just in dem Moment als das Deepwater Unglück im Golf von Mexiko seinen Lauf nahm. Dieses Unglück wird definitiv dazu führen, dass die Ölbeschaffung in Zukunft teurer wird. Denn immer mehr Öl wird aus Tiefwassergebieten gefördert werden. Diese Förderung verlangt mehr Sicherheit. Sicherheit kostet Geld. Alternativ wird die eine oder andere Förderung in tiefen Gewässern nicht stattfinden. Dann wird dem Markt weniger Öl zur Verfügung stehen. Auch das wäre ein Grund für steigende Preise. Die Preise befinden sich aber eher in einem Abwärts- denn in einem Aufwärtstrend. Und wieder darf spekuliert werden, warum das so ist. Entweder wird eine Rezession gehandelt oder der schnelle Übergang in eine andere Energiezukunft, die sehr viel mehr auf regenerativem Angebot und effizientem Verbrauch basiert. Sicher prognostizieren kann das niemand. Später wird man in der Rückschau plausible Erklärungen für die heutige Entwicklung finden, so wie heute deutlich wird, was die Ölpreise der letzten drei Jahre im Kern bewegte. Es ist beruhigend zu erkennen, dass Angebot und Nachfrage nicht ausgehebelt waren. Die manipulative Macht der Finanzszene hat die Grundlagen der Preisbildung nicht beseitigt. Insofern ist bei der Suche nach den Ursachen für die aktuellen Finanzprobleme mehr Tiefgang vonnöten als das Herumdoktern an Exzessen der Finanzindustrie.

Heute Morgen steigen die Ölpreise wieder. Trotz der Angabe einer Richtung bewegen sie sich eher richtungslos. Der übergeordnete Trend weist abwärts. Wohin die Entwicklung schließlich geht, ist vollkommen offen. Die Tonne Gasöl kostet 627,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,05 Dollar. Der US-Dollar wird zu 83,62 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen momentan. So wie den Weltmarktpreisen ist auch den Heizölpreisen kein klarer Trend zuzuweisen. Dass Heizöl im Laufe der letzten zwölf Monate kontinuierlich teurer wurde, ist nicht im Rohölpreis begründet. Es liegt am Anstieg des Dollars. Dieser Anstieg scheint noch nicht beendet zu sein. Die verglichen mit den USA übertriebene Beurteilung von Staatsschulden in Europa sorgen für seinen Fortgang. Irgendwann wird die Finanzwelt die Sichtweise revidieren. Dann wird sie den USA ihre Staatsverschuldung vorwerfen und den Dollar stürzen lassen. Solange werden Verbraucher möglicherweise nicht mit dem Kauf von Heizöl warten können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen