Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Kauf-Tsunami zerlegt den Heizölmarkt

Nichts ist mehr normal im deutschen Heizölmarkt. Preise, Lieferzeiten, Service, alles leidet unter dem aktuellen Kauf-Tsunami. Verbraucher lassen sich von Medienberichten verunsichern und ordern massenhaft in Erwartung schnell drehender Ölnotierungen. Raffineriegesellschaften diktieren angesichts der hohen Nachfrage Preise und machen Jahrhundertgewinne. Händler verzweifeln zwischen dem Gewinnstreben ihrer Vorlieferanten und dem Unverständnis ihrer Kunden. Dass eine Ware nicht umgehend verfügbar ist, akzeptieren Verbraucher allenfalls bei Trendprodukten wie dem iPhone. Bei einem Allerweltsprodukt wie Heizöl ist das nicht mehr vorstellbar. Aber es ist Realität. Mit dem Ende des Ölzeitaltern à la Peak Oil hat das übrigens nichts zu tun. Erste Händler weigern sich, Aufträge anzunehmen. Das ist das Äußerste, was ein Kaufmann tun kann.

Der Kaufrausch hat zwei Ursachen. Zum einen sind die Heizöltanks nach fast zwei Jahren Kaufzurückhaltung übermäßig leer. Es gibt also einen dringenden Bedarf. Zum anderen sind die Preise unerwartet tief. Es gibt also einen günstigen Einkaufsmoment. Die Preise werden mit hoher Wahrscheinlichkeit tief bleiben. Daran wird selbst eine drastische Kürzung der Liefermengen durch die OPEC nur kurzfristig etwas ändern. Eine solche Kürzung wird erwartet. Sie wird auch verkündet werden. Dass sie umgesetzt wird, ist indes zweifelhaft. Der letzte Kürzungsbeschluss vom 9. September wurde bisher unterlaufen. Ein anderes Argument gegen steigende Preise ist der plötzliche Sinneswandel der Marktteilnehmer. Binnen weniger Wochen haben sie ihren Fokus von der Angebotsseite auf die Nachfrageseite gelegt. Während im Sommer noch das unrealistische Gefühl dominierte, zuwenig Öl zu haben, dominiert nun das wahrscheinlich ebenfalls unrealistische Gefühl, zuwenig Bedarf zu haben. Finanzkrise und Rezessionsängste wuschen und schleuderten die Gehirne der Marktjongleure. Soweit diese sich an der Charttechnik orientieren, sehen sie einen grundsoliden Abwärtstrend der Preise. Der hätte eine Gegenbewegung nötig. Ein OPEC-Beshluss wäre hierfür ein willkommenes Ereignis. Eine generelle Trendumkehr sehen sie aber nicht. Alt gediente Ölmänner sinnieren bereits über Preise zwischen 60 und 50 Dollar pro Barrel. Anmerkung am Rande: Die letzte große Rezession in den 1980er Jahren brachte einen sechs Jahre währenden Preisrückgang mit sich. Unter anderem war der begleitet von spürbaren Aktivitäten der Öleinsparung.

Bei aller rezessionsbedingten Preisverfallseuphorie soll nicht verschwiegen werden, dass es auf der Angebotsseite Probleme gibt, die in diesen Tagen ignoriert werden. In den USA sind immer noch 15 Raffinerien und viele Bohr- und Förderplattformen außer Betrieb, die durch die letzten Hurrikane beschädigt wurden. Einige dieser Schäden lassen sich nicht mehr beseitigen. Sie werden das Angebot dezimieren. Die mangelhafte Raffinerieverfügbarkeit sorgte bereits dafür, dass der Gasölpreis weniger stark fiel als der Rohölpreis. Aus diesem Grund ist eine Heizölpreisberechung auf Basis des Rohölpreises irreführend. Allein aus der genannten Differenz ergeben sich Preisunterschiede von sechs Prozent.

Nun zur Kaufzurückhaltung der Verbraucher: Sie war ein Fehler, aus dem zumindest Verbraucher und Handel lernen sollten. Die Mineralölgesellschaften haben keinen Anlass daraus zu lernen. Sie sind die Profiteure der Situation. Es sei allerdings auch erwähnt, dass sie keine Garantie auf ewigen Gewinn haben. Nichts beängstigt Ölkonzerne mehr als ein strukturell sinkender Verbrauch. In den bereits erwähnten 1980er Jahren führte ein solcher zu gewaltigen Bilanzverlusten. Strukturell wird der Verbrauch sinken, wenn sich Kunden um Energieeffizienz kümmern.

Heizölkunden sind ein zunehmend informiertes Publikum. Sie wissen immer mehr über Preisbewegungen. Und sie nutzen diese Preisbewegungen zum günstigen Einkauf. Das ist auch gut so. Es ist allerdings ein spekulatives Unterfangen, das Gefahren birgt. Eine Gefahr besteht darin, sich in eine ausweglose Situation zu manövrieren, die die andere Seite des Marktes ausnutzt. An der Börse führt eine solche Zwangslage zu einem Squeeze, bei der einer Partei das Geld ausgequetscht wird. So geschehen vor wenigen Wochen, als für einen Abend die Meldung herumging, dass der Rohölpreis um über 20 Dollar gestiegen sei. Da mussten einige Spekulanten bluten. In eine Klemme haben sich Verbraucher durch die massenhafte Kaufzurückhaltung im letzten Jahr gebracht. Damit ihnen eine solche Klemme bei der Suche nach einem günstigen Preis zukünftig erspart bleibt, sollten sie einen Überblick über die Tankstände aller Verbraucher haben. Solange die Tanks einigermaßen gut gefüllt sind, kann man ruhig weiter auf tiefere Preise warten. Wenn die Tanks hingegen mehrheitlich leer sind, wird es gefährlich, weiter zu warten. Dann droht eben diese Klemme, der Squeeze. Um nun einen Überblick über die Füllstandssituation zu bekommen, bieten wir die Internetplattform www.esytrol.com an. Sie ist in erster Linie zur Unterstützung bei der energetischen Einschätzung des eigenen Hauses gedacht. Hierzu muss lediglich der Füllstand des Tanks im Monat- oder Vierteljahressturnus eingetragen werden. Wenn eine ausreichende Anzahl von Nutzern Einträge vornimmt, entsteht zusätzlich ein Bedarfsbild des Marktes in der jeweiligen Region. Dieses Bedarfsbild werden wir allen Nutzern von esytrol zugänglich machen. Damit steht dann die Information zur Verfügung, die man benötigt, um sich vor dem nächsten Kauf-Tsunami zu schützen. Individuell steht natürlich auch die Information über Einsparpotenziale aus effizienzsteigernden Maßnahmen zur Verfügung.

Heute Morgen haben wir lediglich ein Preisbild. Das Bedarfsbild lässt sich nur erahnen. Das Preisbild ist international schwer deutbar. Gestern stiegen die Preise. Nun fallen sie. Die Tonne Gasöl kostet 718 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,22 Dollar.

Unsere Heizölpreise steigen. Es ist der Binnenmarkt, der die Bewegung macht. Die Überhöhung gegenüber den Weltmarktpreisen liegt nun schon zwischen sieben und dreizehn Prozent. Aus diesem Grund und weil der Abwärtstrend der Weltmarktpreise stabil aussieht, raten wir dazu, sich dem Wahnsinn der augenblicklichen Marktlage zu entziehen. Wer Heizöl im Tank hat, sollte später kaufen. Es ist angesichts des gigantischen Nachfrageüberhangs übrigens sinnlos, sich über Preise oder Lieferzeiten zu ärgern. Sinnvoll ist es hingegen, die Kaufstrategie und den Energieverbrauch zu verbessern. www.esytrol.com.

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