Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Kaufzurückhaltung ist gefährlich

Am Freitag gaben die Weltmarktpreise leicht nach. Analysten sehen das als natürliche Reaktion auf die sehr stark gelaufenen Preise an, die nun nach einer Gegenreaktion verlangen. Die dürfte allerdings keine nennenswerte Erholung bringen, da die bullischen Argumente nach wie vor intakt sind. Ein Ende der Hochpreisphase ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

Die wesentlichen Argumente, die die Preise langfristig hoch halten, sind die andauernde Terrorgefahr in den wichtigen Ölstaaten am Golf aber auch weltweit, die steigende Nachfrage nach Rohstoffen und besonders nach Energie in den boomenden asiatischen Regionen und schließlich die mangelhaften Raffineriekapazitäten zur Produktion von Benzin und Heizöl. Dennoch besteht noch kein Grund, langfristig an der Sicherheit der Ölversorgung zu zweifeln. Die Reserven sind auf einem Rekordniveau. Sie müssen nur gehoben und raffiniert werden. Das erfordert gewaltige Investitionen. Die werden dann zur Verfügung stehen, wenn die Ölgesellschaften genug Geld mit ihrer Ware verdienen. Und das wird in den kommenden Monaten eventuell sogar Jahren der Fall sein.

Wir rechnen damit, dass die Ölpreise auf Sicht von einem bis drei Jahren auf Grund der aktuellen Auftriebskräfte ihr Niveau mindestens halten werden oder sogar noch steigern können. Danach sollte eine Phase nachgebender Preise zu erwarten sein, weil Förderung und Produktion auf deutlich höhere Mengen eingestellt sind. Ab einem Zeithorizont von zehn Jahren werden die Energiepreise aller Voraussicht nach wieder steigen, da die Reserven dann bei einer um rund 30% gesteigerten Ausbeute rückläufig sein dürften.

Hierzulande weigert sich das Gros der Verbraucher die Lage um die Ölpreise realistisch einzuschätzen. Sie werden als zu teuer angesehen. Der Vergleich mit dem Vorjahr scheint das zu bestätigen. Es wird allgemein verkannt, dass die geopolitische Lage und die weltweite Verbrauchssituation sich heute anders darstellt als ein Jahr zuvor. Die Sicht der Dinge hat sich geändert. Mit den Ölpreisen ist es ansatzweise wie mit dem Wetter. Das war im letzten Jahr auch besser. Deshalb besteht aber kein berechtigter Anlass zu glauben, dass es in diesem und im nächsten Jahr wieder so werden muss. Es könnte genauso gut über Jahre verregnete Sommer geben. Ist alles schon da gewesen.

Die Einstufung ?zu teuer? führte bisher zu einer nie da gewesenen Kaufzurückhaltung. Die hat die Niveaus in den Verbrauchertanks auf Rekordtiefststände getrieben. Extrem viele Kauforders werden derzeit durch Leerstände ausgelöst. Das ist nicht nur schlecht für die Heizung. Denn sie bekommt einen kräftigen Schluck des Tanksumpfes mit, der die Düsen verstopfen könnte. Es ist auch schlecht für den Geldbeutel. Sofortbelieferungen sind deutlich teurer als Lieferungen mit einigen Tagen Planungshorizont.

Bei einem Anhalten der Kaufzurückhaltung könnte es für Verbraucher bitter werden. Sollte nämlich im Herbst ein notgedrungener Kaufboom einsetzen, kann es zu Versorgungsengpässen kommen. Die Transportkapazitäten könnten zu knapp werden, um die benötigten Mengen heranzuschaffen. Das führt dann unweigerlich zu deutlichen Preissteigerungen im Inland. Es wäre vergleichbar mit der Situation vor einem Jahr als der Rhein Niedrigwasser hatte und Tanker nicht mehr fahren konnten. Damals waren regionale Preisanhebungen von 7-10% bei 3000 Liter Liefermenge an der Tagesordnung.

Kaufzurückhaltung als Korrektiv für Preise funktioniert, wenn es eine allgemeine Solidarität gibt. Im Fall von Ölprodukten wird es nicht dazu kommen. China und die USA danken es uns, wenn wir weniger abnehmen, weil dann mehr für sie zur Verfügung steht. Sie werden es uns aber nicht gleich tun. Hierzulande hat die Kaufzurückhaltung dazu geführt, dass die Transportmargen extrem niedrig sind. Diesen Effekt können Verbraucher jetzt einfahren. Die Weltmarktpreise werden sie durch ihre Haltung aber nicht in die eine oder andere Richtung bewegen. Die geringen Transportmargen werden sofort verschwinden, wenn eine breite Kaufbereitschaft einsetzt. Somit kann man Verbrauchern nur raten, vor der Herde zu laufen, um den aktuellen Vorteil zu realisieren.

Die Gasölpreise geben heute Morgen übrigens etwas nach. Die Tonne kostet 341$. Ein kleiner Rückgang der Weltmarktpreise sollte unbedingt als Signal zum Kauf verstanden werden.

Unsere Heizölpreise werden leicht sinken. Sie folgen dem Weltmarkt, der eine kleine Korrektur auf den starken Preisanstieg der letzten 14 Tage vertragen kann. Wie oben ausgeführt sehen wir keine realistische Chance auf deutlich tiefere Heizölpreise aber große Gefahren für teurere Preise. Daher sollte ein kleiner Rückgang der Preise unbedingt als Kaufaufforderung gewertet werden. Versuchen Sie vor der großen Masse von Verbrauchern zu handeln, die demnächst alle im Kaufzwang stehen werden. Die werden die Preise zusätzlich in die Höhe treiben.

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