Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Lieber tot als rot

Freiheit oder Sozialismus lautete einst eine Wahlkampfparole in Deutschland. Über Freiheit oder Sozialismus wurde gestern erneut abgestimmt. Ort der Wahl war das Washingtoner Kapitol. Dort votierten die Repräsentanten gegen den Plan der Regierung zur Rettung der Banken und der Wirtschaft. Das zuvor parteiübergreifend ausgehandelte Paket, mit dem die Allgemeinheit an den Fehlern von Bankern und Politikern mit 700 Mrd. Dollar direkter Kosten beteiligt werden soll, fand nicht die Zustimmung kategorischer Verfechter der Freiheit. Diese befinden sich mehrheitlich im Lager der Präsidentenpartei. Das Nein schockte die Börsen. Die Kurse brachen ein. Der bereits zuvor unter Druck geratene Ölpreis verlor bis Handelsschluss zehn Prozent an Wert. Wie die republikanischen Repräsentanten erwies sich der Dollar hingegen als standhaft. Er legt um gut ein Prozent zu.

Seitdem die Bankenkrise ihrem Höhepunkt zusteuert, spielen typische ölrelevante Themen wie die geopolitische Lage, Wetterereignisse, Zustand der Infrastruktur sowie Angebot und Nachfrage kaum noch eine Rolle für die Ölpreisbildung. Der nach Aussage des Präsidenten über Sein oder Nichtsein der Wirtschaft entscheidende Rettungsplan beherrscht in diesen Tagen die Börsenpsyche. Diese ist tendenziell abwärts gerichtet. Es geht nur noch darum, wie schnell die Kurse ins Tal rauschen. Im Chart der Ölpreise bildet sich eine nicht unerwartete dritte Abwärtswelle aus.

Man hat sich in den USA und andernorts verzockt. Das ist jedem Betrachter klar. Teils bitter, teils hämisch wird auf die Protagonisten der Krise gezeigt. Übertriebene Gier und mangelhafte Kontrolle sind als Ursache ausgemacht. Die Politik hat versagt. Die Politik muss es wieder richten. Neue Kontrollsysteme müssen her. In einer „Die da oben, wir hier unten“-Logik ist diese Forderung plausibel. Treffen Logik und Forderung aber die Wirklichkeit? Seit dem beginnenden 20. Jahrhundert breitet sich die Erkenntnis aus, dass es keine monokausalen Zusammenhänge gibt, von denen einst Newton und andere Denker ausgegangen waren. Ende des letzten Jahrhunderts war jedem aufgeklärten Menschen klar, dass alles mit allem zusammenhängt. Wer etwas tiefer in das Thema einsteigt, weiß von Fraktalen, die selbstähnliche Strukturen bilden. Diese stellen sich im Großen wie im Kleinen ähnlich dar. Derartige Erkenntnisse sind nicht bloße Theorie der Wissenschaft. Sie finden in Industrie- und Gesellschaftsorganisationen Anwendung. Mit diesem Wissen ausgerüstet stellt sich die Frage nach dem Versagen der Politik anders, als sie am Stammtisch diskutiert wird. Dieses Wissen zeigt uns, dass das Versagen der Politik unser aller Versagen ist. Wir selbst sind es, die im Kleinen so handeln, wie die Politik im Großen. Gleiches trifft übrigens auch auf die Gier zu. Prinzipiell ist die kleine Gier keine andere als die Große Gier. Nur weil die große Gier mehr Einfluss hat, hat sie nicht per se eine andere Art von Verantwortung. Auf allen Ebenen ist die Anwendung des schon einmal zitierten Kantschen Imperativs geboten, der sich volkstümlich im Satz „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ widerspiegelt.

Jetzt, da die Ölpreise erneut fallen, können viele Heizölkäufer zeigen, wie sie es mit ehrenwerten Prinzipien halten, die sie für die Politik und Wirtschaft fordern. In den letzten Wochen wurde extrem viel Heizöl bestellt. Dadurch wird die verfügbare Transportlogistik überfordert. Lieferzeiten bis zu zehn Wochen sind die Folge. Im Moment der Bestellung sichern sich Heizölhändler die Ware vertraglich, damit sie die zugesagten Preise dem Kunden gegenüber halten können. Wie unter ehrbaren Geschäftsleuten üblich, gilt hier das Wort. Das Wort gilt auch zwischen dem Verbraucher und dem Händler. Im Fall von Heizöl hat dieses Wort sogar in der Rechtsprechung Platz gefunden. Das sonst übliche Rücktrittsrecht, das Verbraucher bei fast allen Geschäften genießen, findet hier keine Anwendung, weil der Heizölkauf ein Warentermingeschäft ist. Angesichts fallender Preise, werden viele Käufer Lust verspüren, ihren zuvor getätigten Kauf zu annullieren und zu tieferen Preisen erneut zu ordern. Bevor diese Lust zu Taten führt, sei die Frage nach der Ehrbarkeit und nach der Verantwortung im Kleinen mit Blick auf das Große gestellt. Wenn alle noch nicht ausgelieferten Käufe der letzten Wochen annulliert werden würden, mit dem Ansinnen einen neuen, billigeren Kauf auszulösen, hätten wir neben den Bankenpleiten auch noch die Pleiten der Heizölbranche zu beklagen.

Derartig eingestimmt sollten die Ölpreise beim Leser keine unredlichen Verlockungen auslösen. Heute Morgen zeigen die Kurse weiterhin Neigung zu fallen. Die Tonne Gasöl kostet 892 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 93,84 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben nach. Angesichts des Absturzes auf dem Weltmarkt geht das auch nicht anders. Vor dem Hintergrund der nach wie vor extrem ausgelasteten Tankwagenflotte folgen sie dem Weltmarktpreis aber nur zögerlich. Die deutliche Margenüberhöhung im Inland besteht fort. Da die Preise nach Lage der Dinge weiter nachgeben werden, können wir potenziellen Käufern, die nicht unter Zugzwang stehen, die ruhige Beobachtung der Preis nahe legen. Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass die genaue Kenntnis des eigenen Vorrats und wie lange dieser reicht, hilfreich dabei ist, konfuse Marktlagen für einen Kauf zu vermeiden. In diesem Zusammenhang weisen wir auf unser Logbuch für den Heizölverbrauch hin.

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