Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Märkte gut versorgt

Die Preise bleiben tendenziell unter Druck. Die gute Versorgungslage und geopolitische Umstände ohne herausragende Brennpunkte erlaubten weiteren Preisrückgang. Die OPEC ist bemüht, das zu verhindern. Dabei mangelt es an konsequenter Durchsetzung. Ein latentes Risiko ohne aktuelle Bedeutung stellt das Wetter dar. Der Dollar hat fast die gesamte Bandbreite eines seit Anfang Mai gültigen Seitwärtstrends von oben nach unten durchlaufen. Passend zum Abklingen der Bewegung kommt die Meldung, dass China die Dollarreserven doch nicht drastisch senken wolle. Das gibt der Umkehr der Kursbewegung auch eine fundamentale Begründung. Ein Risiko für den Dollar bleibt die Einschätzung der US-Konjunktur.

Erheblicher Preisdruck wird vom jüngsten Bericht der IEA (Internationale Energie Agentur) ausgeübt. Die Pariser Behörde sieht die aktuellen Vorräte der OECD-Länder auf Rekordniveau. Die Wirkung der Aussage steht im krassen Gegensatz zu einer Analystenfeststellung aus der vergangenen Woche, nach der die europäischen Heizölbestände dramatisch gesunken seien. Vermutlich haben beide Parteien Recht. Die gesunkenen Heizölbestände in Europas Tanklagern sind eine Folge der Einkaufswelle in Deutschland, dem zweitgrößten Heizölverbraucher weltweit, und des Exports in die USA. Das Heizöl ist aber nicht verbraucht, es ist nur umgelagert. Ein Belegt für die außerordentliche Höhe der Ölbestände ist das Maß an Tanklagerneubauten in den USA. Diese sollen allerdings in erster Linie der Rohölbevorratung dienen.

Mangel mit der Folge steigender Preise könnte es in naher Zukunft weiterhin bei den Produkten geben. Der in den letzten Jahren immer wieder festgestellten Knappheit der Raffineriekapazitäten wird zwar durch Anlagenneubauten begegnet. Überwunden ist die Knappheit aber noch nicht. Widrige Wetterbedingungen können die Versorgung hier nach wie vor empfindlich treffen. Nachdem viele Förderländer Projekte zur Produktproduktion angestoßen haben, bewegen sich nun auch die Nordamerikaner. Nach 25 inaktiven Jahren wurden zwei Neubauten aus den Weg gebracht.

Die aktuellen Wetterbindungen geben überhaupt keinen Anlass zur Sorge. Im Gegenteil, US-Wetterämter prognostizieren milde Temperaturen, die in erster Linie vom Pazifik mit El-Nino kommen.

Der letzte preissensitive geopolitische Brennpunkt war der Atomstreit mit dem Iran. Der Iran erweist sich in dieser Sache als wenig kompromissbereit. Die Gefahr, dass die USA auf die unnachgiebige Haltung Teherans mit militärischer Gewalt reagieren, ließ die Preise an diesem Thema immer wieder steigen. Nach dem Sieg der Demokraten im US-Senat und Kongress gilt ein Militärschlag als ausgeschlossen. Damit sind Preisrisiken aus dem Atomstreit praktisch ausgeschlossen.

Ein geopolitischer Brennpunkt mit begrenzter Wirkung ist die Lage in Nigeria. Rebellen kämpfen nicht unerfolgreich gegen die internationale Ölindustrie, weil sie Land und Volk um die Pfründe des Bodenschatzes gebracht sehen. Nach aktuellem Stand der Dinge wird der Kampf weitergehen und von Zeit zu Zeit moderate bullische Impulse zur Preisbewegung beisteuern.

Weil die bärischen Impulse insgesamt stark sind und weil die Preise darauf reagieren, muss die OPEC mit Lieferkürzungen antworten, wenn sie den Preisverfall begrenzen will. Das tat sie in den letzten Wochen. Wenn man Analysten Glauben schenken will, tat sie es sogar mit Erfolg. Ohne die Intervention, die bisher rund 2/3 der angekündigten Kürzung realisierte, wäre der Rohölpreis bereits bis auf 40 Dollar gesunken. Das kann man glauben. Man muss es aber nicht glauben. Glauben muss man hingegen, dass die OPEC große Schwierigkeiten hat, das dritte Drittel umzusetzen und gegebenenfalls zu mehr in der Lage ist.

Charttechnisch sieht es derzeit stark nach einem seitwärts gerichtetem Bewegungsfortgang aus. Auch die Verteilung der Kontrakte bei den großen Spekulanten deutet auf eine solche Aussicht für die nahe Zukunft hin. Der Überhang auf Kontrakte für fallende Preise ist leicht zurückgegangen. Er befindet sich nahe Null.

Heute Morgen setzt sich der jüngste Preisrückgang beim Gasöl fort. Die Tonne kostet 521,25 $. Vor einer Woche waren es 539,50 $.

Unsere Heizölpreise geben nach. Eine starke Abwärtsbewegung ist es nicht. Noch haben wir Zweifel, dass es eine solche wird. Die Preise befinden sich übrigens knapp unter den Vorjahreswerten. D.h., Heizölverbraucher haben die Chance, ohne Preissteigerung zu heizen. Das ist Gasverbrauchern nicht möglich. Sie müssen 10 bis 15 Prozent mehr für ihren Brennstoff bezahlen als im Vorjahr. Die große Nachfragewelle nach Heizöl ist vorüber. Die Lieferzeiten sind in den meisten Regionen wieder nahe der üblichen Spanne. Für günstige Lieferungen liegen sie bei zwei bis drei Wochen. Wer die Ware schneller braucht, weil der Tank leer ist, muss mit Mehrkosten rechnen. Die Lieferzeiten müssen jetzt auch wegen der MwSt.-Erhöhung berücksichtigt werden. Die Erhöhung wird im Dezember eingepreist, weil Bestellungen erst im Januar zur Auslieferung kommen.

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