Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Oh Du schöne Wendezeit

Weihnachten naht. Macht auf die Tür, das Tor macht weit für die letzten wilden Börsenbewegungen. Einige Finanzjongleure wollen noch die schnelle Gewinnpolitur durchsetzen. Andere bemühen sich um die Absicherung ihrer Positionen. Die Mehrheit verlässt das Irrenhaus der Emotionen gerade, um ein paar ruhige Tage zu genießen. Dadurch wird der Handel sehr dünn. Die Kurse neigen zu heftigen Reaktionen auf kleine Ereignisse. Bisher ist die Sache gut für Verbraucher gelaufen. Die gerade einsetzende Konjunkturdateneuphorie bekam gestern einen Dämpfer. Dieser Umstand und die immer noch drohende US-Fiskalklippe halten die Ölnotierungen im Zaum. Heftig ist die Bewegung allenfalls beim Euro. Verbraucher wird das freuen, er gewinnt nämlich.

Der internationale Ölmarkt ist ziemlich langweilig geworden, wie dieser Chart zeigt. Der nationale Wärmemarkt ist deutlich interessanter. Zum einen bietet er eine ungewöhnliche Rochade der von Preissteigerung betroffenen Energieträger. Heizöl steht in diesem Jahr besser da als Gas und Strom. Zum anderen rüttelt an ihm die Energiewende. Und auch hier sieht Heizöl gut aus. Unter allen Wärmeenergieträgern ist die realisierte Einsparung durch Ölheizer am größten. Binnen zehn Jahren sank der Verbrauch laut statistischem Bundesamt um 44 Prozent. Gasheizer haben nur halb soviel Energie eingespart, Stromheizer so gut wie gar keine. Die bis heute zu beobachtende Initiative geht im Wesentlichen auf das Konto vorausschauender Verbraucher, die die Energiewende antizipieren.

Die Politik trug wenig dazu bei. Das soll nun anders werden. Der Wärmemarkt wurde zum Schlüssel der Energiewende erklärt. Er soll durch Fordern und Fördern umgekrempelt werden. Bis 2050 soll der CO2-Ausstoß dieses Sektors nahezu beendet sein. Die Nutzung fossiler Brennstoffe muss auf homöopathische Dosen reduziert werden. Der Projektplan zu diesem Ziel will der Regierung allerdings nicht gelingen und nicht nur ihr, auch die anderen Parteien haben nichts Zielführendes zu bieten. So bleibt die Sache bis auf Weiteres der Initiative der Verbraucher überlassen.

Was ist nun das Problem, das die Politik so jämmerlich aussehen lässt? Vor einer Antwort auf diese Frage, muss die Dimension der Aufgabe erläutert werden. Am Endenergieverbrauch in Deutschland sind die großen Energieträger folgendermaßen beteiligt: Mineralöl 37 Prozent, Gas 25 Prozent, Strom 20 Prozent. Innerhalb des Stroms hatte die Atomenergie in der Spitze einen Anteil von 23 Prozent, das macht einen Endenergieanteil von knapp 5 Prozent. Das Abschalten der Atomenergie bereitet die bekannten Probleme. Von ausgehenden Lichtern, gewaltigen Stromautobahnen und revolutionären Veränderungen ist die Rede. Eigentlich sollte es kein Problem sein, binnen zehn Jahren durch Effizienz und Verhaltensänderung 5 Prozent Energie einzusparen. Ist es aber, weil Effizienz Geld kostet, das nicht alle Verbraucher aufbringen können, und Verhaltenänderung kategorisch abgelehnt wird.

Bei der Wärmeenergiewende reden wir nicht über 5 Prozent, sondern über 31 Prozent der Endenergie, die wir entweder zusätzlich regenerativ erzeugen oder aber weitgehend einsparen müssen. Derzeit sorgt bereits der Übergang von 5 Prozent Atomstrom auf regenerative Erzeugung für Unmut. Zusätzliche 31 Prozent sind weder politisch durchsetzbar noch technisch und ökonomisch machbar. Also muss sich die Gesellschaft ein Beispiel an den Ölheizern nehmen und sparen. Sparen gehört nicht zu den Kommunikationslieblingen der Politik. Das ist ein Aspekt des Problems.

Die sparsamen Ölheizer leben heute mehrheitlich nicht schlechter als vor 10 Jahren, als ihr Heizölkonsum deutlich höher war. Sie investieren nämlich Geld, mit dem sie sich eine andere, nicht minder angenehme Wärmeumgebung schaffen. Über dieses Geld verfügen aber nicht alle Bürger, die sich auch eine andere Wärmeumgebung schaffen müssen. Und hier liegt das eigentliche Problem der Wärmeenergiewende. Sie betrifft alle Bürger. Angesichts der Geld- und Finanzkrise ist aber nur die Hälfte der Bürger (geschätzte Zahl) in der Lage, diese zu stemmen. Die politische Aufgabe besteht darin, das Geld für die Energiewende bereitzustellen, so wie das Geld für Bankenrettungen bereitgestellt wird. Diese Aufgabe wird nicht wahrgenommen. Sie wird bis heute nicht einmal als solche begriffen.

Und noch etwas ist bemerkenswert an den Ölheizern. Sie weisen mehrheitlich kein Konsumwachstum auf. Sie leben auf eine Weise, die die Regierung eigentlich ablehnt, da sie nicht wachstumsorientiert agieren. Aber sie leben mehrheitlich gut und das nicht einmal auf Kosten der Gesellschaft. Ölheizer sind nämlich Bewahrer und wertkonservative Menschen. Viele von ihnen haben ein Gefühl für die Grenzen des Wachstums und kennen die Zufriedenheit mit dem Ausreichenden. In der Nachhaltigkeitsdebatte nennt man das Suffizienz. Diese steht dem politischen Mainstream allerdings diametral entgegen. Solange das so ist und solange wir keine Veränderung unseres Geld- und Finanzsystems schaffen, wird die Wärmeenergiewende eine politische Ente bleiben, weil sie sich nicht „rechnet“.

Immerhin rechnet es sich derzeit für Ölheizer, Brennstoff zu ordern, wie unsere Heizölpreise zeigen. Die Börsen sind ihnen gewogen. Rohöl tendiert seitwärts auf einem Niveau von 108 Dollar (Brent). Gasöl tendiert sogar leicht abwärts. Die Tonne kostet 921,50 Dollar. Der Dollar macht Freude, weil er fällt. Aktuell wird er unter 76 Eurocent gehandelt. Zu all dem kommt hinzu, dass die Margen der Raffineriegesellschaften nachgeben. Der Binnenmarkt ist zwar durch Orders hoch belastet. Ihre preistreibende Wirkung hält sich aber in Grenzen. Die Lage sollte noch einige Zeit so bleiben. Ein kurzfristiger Anstieg der Heizölpreise muss noch keine Wende bedeuten. Falls Sie zu spekulativem Warten neigen, sollten Sie unbedingt Ihren Vorrat im Blick behalten. Lassen Sie ihn nicht leerlaufen. Dann wäre die mögliche Einsparung durch die beschriebene Lage verspielt. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das kann zum Beispiel die Installation einer neuen Öl-Brennwertheizung sein. Bis zum Jahresende können Sie dafür noch eine Prämie von 500 Liter Heizöl kassieren.

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