Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Planwirtschaft ist Mist

Langfristig wird Öl teurer. Wer wollte dagegen widersprechen. Der Satz klingt wie eine Binsenwahrheit. Er ist es nicht. Der Satz ist reine Spekulation. Ohne ein paar Randbedingungen lässt sich keine ernsthafte Prognose über den Ölpreis abliefern, selbst langfristig nicht. Wenn die Konjunktur in den alten und neuen Industrieländern wächst, wenn die Industrieproduktion und die Lebensbedürfnisse der Menschen ressourcenintensiv bleiben, also wenn wir so weiter machen wie bisher und große Teile der Menschheit unseren Lebensstil kopieren, dann wird Öl wahrscheinlich teurer werden und zwar deutlich teurer. Die Wahrscheinlichkeit in der Aussage ist dem Finanzsystem geschuldet. Es muss halten. Das heißt, es darf nicht zusammenbrechen. Das ist alles andere als sicher. Der jüngste Crash wurde im Wesentlichen durch zuviel Geld ohne realen Wert verursacht. Mit diesem Geld vollbrachte die Finanzindustrie allerhand Kunststücke, die seinen virtuellen Wert sogar noch unermesslich steigerte. Als die Kunststücke unbeherrschbar wurden, brach das System zusammen. Aus Sorge, dass dieser Zusammenbruch bis in die reale Wirtschaft durchschlägt, pumpten Notenbanken auf Geheiß ihrer Regierungen noch mehr Geld ins System. Damit stabilisierten sie es scheinbar. Nun liegen Alt- und Neulasten im System. Sie sind tickende Zeitbomben. Bisweilen geht mal eine hoch. Bisher geschah das in Island, Griechenland und Irland. Die Einschläge rücken näher. Wenn sie das Zentrum treffen, wird Öl nicht teurer werden.

In allen Industrienationen arbeitet man daran, den zügellosen Verbrauch fossiler Energieträger zu beenden. In den alten Ländern zeigt sich das in beschaulichen Verbrauchsrückgängen. In den Schwellenländern wird der mögliche Erfolg vom Wirtschaftswachstum aufgefressen. Das Bemühen um eine Neujustierung des Energieverbrauchs wächst. Der Erfolg der Übung ist indes unbefriedigend. An ihm zeigt sich die unzureichende Qualität der Veränderung. Im Kern hält diese an der Lebensidee vom Überfluss fest. Zwei Beispiele verdeutlichen das.

In den USA boomt die Bioethanolindustrie. Sie produziert mittlerweile mehr erneuerbaren Sprit als die langjährige Nummer Eins Brasilien. In diesem Jahr will die US-Industrie 45,5 Mrd. Liter Ethanol absetzen. Das entspricht annähernd dem Doppelten des deutschen Benzinbedarfs. Der basiert fast vollständig auf Mineralöl. Die US-Amerikaner brauchen die Mengen nicht. Einen Teil davon exportieren sie nun. Das war so nicht geplant. Eigentlich ging es bei der staatlich gut geförderten Initiative zum Aufbau der Bioethanolversorgung nur um Eigenbedarfsdeckung. Die üppigen Subventionen führten zur sinnlosen Übertreibung. Bioethanol wird in den USA übrigens aus Mais erzeugt. 40 Prozent der Ernte gehen in die Spritherstellung.

In Deutschland gibt es ein Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). Es gilt als außerordentlich erfolgreich für die Umgestaltung der Versorgung auf regenerative Energieträger. Die großzügige Förderung von Photovoltaikanlagen führt dazu, dass wir in zehn Jahren eine Leistung von 50 GW (Gigawatt) installiert haben werden. Wir benötigen an einem schönen Sommerwochenende aber nur eine Leistung von 30 GW. Wohin der teure Strom dann fließen soll, weiß heute niemand. Die Förderung wird übrigens von den Verbrauchern selbst über den Strompreis bezahlt. Und der steigt und steigt plangerecht weiter.

Die Beispiele stehen für einen dem Sinn nach richtigen Weg zur Reduzierung des fossilen Energieverbrauchs. Für Verbrauchssenkung stehen sie indes nicht. Sie sind Ausdruck einer nach wie vor ressourcenintensiven Lebensweise. Es werden lediglich andere Stoffe in den Kreislauf gebracht. Stoffe, die teilweise knapper sind als Öl. Indem die Lenkung der Veränderung nun durch staatliche Anreizsysteme und nicht durch eine markt- und mengenrechte Regulierung erfolgt, kommt es zu Überflüssen, die genauso schädlich sind wie die Ursachen, die zum staatlichen Eingreifen führten. Die sozialistische Planwirtschaft schaffte es einst nicht, ihre Bevölkerungen ausreichend zu versorgen. Die kapitalistische „Planwirtschaft“ schafft heute ebenso wenig die allen Menschen gleichermaßen dienliche Versorgung im Einklang mit den Möglichkeiten der Erde. Am Umgang mit dem Finanzsystem zeigt sich die Verantwortungslosigkeit der Politik. Im Hinblick auf den anerkannt nötigen Wandel der Lebensweise zeigt sich die maßlose Selbstüberschätzung der Politik. Wandel lässt sich nicht mit Planwirtschaft erzwingen. Wandel braucht Freiheit, Dinge zu tun, die sich später eventuell als fehlerhaft erweisen. Die Gesellschaft sollte diese Fehler möglichst vielfältig machen dürfen, nicht aber in nur eine politisch sanktionierte Richtung. Die staatlich verordnete Elektromobilität steht für eine solche Vereinheitlichung mit wahrscheinlich fatalen Folgen. Sie folgt dem Ruf „Weg vom Öl“ und wird ein Mehr an Ressourcenverbrauch zur Folge haben.

Angesichts der skizzierten Umstände ist es schwer zu glauben, dass Öl langfristig teurer werden wird. Wahrscheinlich ist eher, dass die Teuerung andere Ressourcen treffen wird, Lebensmittel eingeschlossen. Die Nachfrage nach Öl könnte sich schneller stabilisieren und sogar reduzieren als das in Verlängerung der bisherigen Geschichte heute denkbar ist.

Heute Morgen tanzen die Ölpreise auf erhöhtem Niveau. Ganz oben sind sie nicht. Seit August durchlaufen sie einen schwungvollen Aufwärtstrend. Begünstigt wurde dieser vom zwischenzeitlich fallenden Dollar. Auf Jahressicht gesehen befinden sich die Ölpreise immer noch in einem Seitwärtstrend. Der droht nun allerdings zu brechen. Daten über deutliche Nachfragesteigerungen und vor allen Dingen Massen überschüssigen Geldes im Finanzsystem zeigen Wirkung. Als Bremse des Abhebens wirkt die Unsicherheit über das Eurosystem. Es könnte durch die Pleite einzelner Staaten zerfallen. Der nicht minder kritisch zu beurteilende Dollar ist durch die Vorgänge einstweilen aus der Kritik genommen. Er steigt. Die Tonne Gasöl kostet 728,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 85,22 Dollar. Der US-Dollar wird zu 76,55 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Gestern wurden sie von Öl- und Dollarbewegungen an den Börsen vorangetrieben. Die Befürchtung, dass sie sich aus dem über sieben Monate währenden Seitwärtstrend absetzen könnten, wächst. Wesentliche Ursache hierfür sind die Wetten gegen den Euro, die Heizöl über die Dollaranbindung teuer machen. Ohne diese Wetten gäbe es keinen Zweifel am Fortbestand des Seitwärtstrends. So hängt die spekulative Entscheidung für den Kauf an einem Umstand, der nichts mit dem Ölmarkt zu tun hat. Nach unserer Einschätzung werden die Wetten gegen den Euro noch einige Wochen oder sogar Monate andauern. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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