Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Trotz Ölschwemme

Die OPEC ist zufrieden. Sie sieht die Preise stabilisiert. Zwar pendeln die nicht um das gewünschte Niveau von 75 Dollar pro Barrel sondern um 50 Dollar. Aber diese Marke ist angesichts der Ölschwemme, mit der der Markt konfrontiert ist, ein akzeptabler Durchschnittspreis. Der hätte durchaus tiefer liegen können. Dass das nicht der Fall ist, ist nicht das Verdienst der OPEC und ihrer Kürzungsbemühungen. Es ist die Frucht liquiden Geldes, das an Aktien- und Rohstoffmärkten investiert wird. Im Kern ist es das Ergebnis staatlicher Rettungspakete für das Bankenwesen. Zu diesen gab es nach einhelliger Meinung von Volkswirten und Politikern keine Alternative. Dass diese zu neuen spekulativen Blasen führen, wird billigend in Kauf genommen. Das ist konsequent, wenn Rettung als Rettung im bestehenden System stattfindet und nicht den Anspruch hat, Fehlentwicklungen nachhaltig zu korrigieren.

Die Ölschwemme findet ihren Ausdruck in vollen Tanklagern. Über diese wird allwöchentlich in Form der US-Lagerdaten berichtet. Auch außerhalb der USA sind Lager bis zum Rand gefüllt. In Rotterdam, dem größten Raffinerie- und Lagerplatz in Europa, kann kein Öl mehr eingelagert werden. Schiffe müssen vor dem Hafen warten oder werden gar zurückgeschickt. Weltweit lagern derzeit ungefähr 100 Mio. Barrel Öl in Tankschiffen. Das ist gemessen am Verbrauch nicht viel, aber zu viel für die zur Verfügung stehenden Lager. Ursache der Ölschwemme ist die Nachfrage. Sie wird in den Prognosen weiterhin sinkend angeben. Im Gegensatz zu Spekulationen über Bodenbildungsszenarien für die Konjunktur werden bei der Ölnachfrage noch keine Zahlen einer Richtungsänderung gehandelt. Weil diese Zahlen fehlen, sind Warnungen vor steigenden Ölpreisen wenig stichhaltig. Zwar wird die IEA (Internationale Energieagentur) nicht müde, mit einer erneuten Ölpreisexplosion im Falle einer Konjunkturerholung zu schocken. Der Blick in die Geschichte der Ölpreise lässt diese aber eher unwahrscheinlich erscheinen. Nach dem letzten Ölpreisschock fielen die Preise über Jahre. Selbst wenn das dieses Mal nicht der Fall sein sollte, weil sich die Wirtschaft schneller erholen könnte, bliebe der weitere Teil der Preisentwicklung als mögliche Vorlage. Der verlief über mehr als ein Jahrzehnt seitwärts bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum.

Begründet wird ein erneuter Ölpreisschock mit dem Versiegen der vorhandenen Ölfelder und unzureichenden Investitionen in neue Quellen. In der Tat sind die Lagerstätten weit stärker ausgebeutet als in den 1980er Jahren. Insofern ist das Szenario plausibel. Die jüngste Geschichte zeigt allerdings, wie einflussreich die Nachfrage auf die Preisbildung ist. Wenn diese jährlich um ein bis zwei Prozent gesenkt und nicht wie in alten Prognosen gesteigert wird, wäre ein Preisanstieg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Eine entsprechende Senkung zu realisieren, liegt bei den laufenden Veränderungen in Politik und Technik auf der Hand, nicht nur bei uns sondern weltweit. Sie ist kein Selbstlauf. Sie ist aber auch keine Utopie.

Utopisch bleibt allerdings eine schnelle Senkung des CO2-Ausstoßes. Um den zu erreichen, reicht es nicht, jährlich ein bis zwei Prozent Öl einzusparen. Öl wird trotz der realistischerweise sinkenden Nachfrage auch 2030 noch der bedeutendste Energieträger der Menschheit sein. Für das Klima ist das nicht gut. Schlimmer noch ist die Tatsache, dass der Energieträger Nummer zwei, die Kohle verfeuert, genauer gesagt verstromt wird. Bei diesem Rohstoff gibt es kein Verfügbarkeits- sondern ein Verträglichkeitsproblem. Dieses Verträglichkeitsproblem ist direkt an den Stromverbrauch gekoppelt. Weil das so ist, ist die Idee, Autos mit Strom zu betreiben, entgegen der medialen Beliebtheit kein sinnvolles Zukunftsmodell, jedenfalls solange nicht, wie die Stromerzeugung nicht auf erneuerbarer Basis stattfindet. Um der zweiten beliebten Argumentation in diesem Zusammenhang sofort vorzubeugen, sei angemerkt, dass die Verfügbarkeit von Uran deutlich geringer ist, als die von Kohle, Gas oder Öl.

Energiesparen ist also angesagt. Sparsam mit Energie umzugehen, ist übrigens ein Merkmal einer wohlhabenden Gesellschaft. Tendenziell gilt, je höher der Wohlstand eines industrialisierten Landes ist, um so geringer ist der Rohstoffverbrauch pro Kopf der Bevölkerung im Vergleich zu anderen industrialisierten Ländern. Zum Energiesparen sind Menschen hierzulande bereit. Umfragen ergaben, dass sich das Sparen bei Haus- und Wohnungseigentümern in erster Linie am Stromverbrauch festmacht. Das wird der Sache nicht vollkommen gerecht. Denn der effektivste Sektor für Einsparungen ist in unseren Breiten die Raumwärme. Der Raumwärmebedarf eines Haushalts ist fünf bis zehn Mal höher als sein Strombedarf. Die beliebteste Form des Energiesparens, die Nutzung von Energiesparleuchten, betrifft im Haushalt einen Anteil weniger als fünf Prozent. Dicke Bretter kann man in diesem Bereich nur mit der Heizung und der Hausdämmung bohren.

Bei den aktuellen Ölpreisen und den Erwartungen an die Ölpreisentwicklung steht die Wirtschaftlichkeit von nennenswerten Sparmaßnahmen für Raumwärme erneut in Frage. Wie schon in den 1980er Jahren droht ein sinnvolles und wichtiges Thema für die Menschheit an der Ölpreisentwicklung zu scheitern. Es wäre wünschenswert, wenn Maßnahmen gegen die Wirtschaftkrise hier ansetzten statt unsinnigen Konsum in Form von nicht mehr zeitgemäßen Autos durch Prämien zu unterstützen.

Heute Morgen hat sich der neuste Hype der Ölpreise ausgetobt. Er stand ohnehin nicht auf breiter Basis. Das Handelsvolumen war in den letzten Tagen gering. Insofern ist der kräftige Ölpreisanstieg zu relativieren. Die allgemeine Richtung wird mit seitwärts ihre unveränderte Fortsetzung haben. Die Tonne Gasöl kostet 445 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 53,74 Dollar. Der US-Dollar wird zu 74,96 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise zogen in den letzten Tagen an. Wir messen der Bewegung keine besondere Bedeutung zu. Die mittelfristige Einschätzung bleibt bei Seitwärts. Einzig die Möglichkeit, dass das Preistief aus dem Monat März bald erreicht wird, sehen wir nun skeptisch. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist ruhig geworden. Lieferzeiten sind fast überall auf ein Normalmaß zurückgekehrt. Trotz der relativ günstigen Preise ist der sparsame Umgang mit Brennstoff ein Zukunftsthema. Studium kommt hier vor dem Geldausgeben. Dazu gibt es das Logbuch für den Heizölverbrauch.

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