Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Und immer wieder der Staat

Der Ölpreis fällt, aber nicht in diesen Tagen. Momentan ist das Abwärtspotenzial ausgeschöpft. Die Charttechnik deutet die Möglichkeit einer Gegenreaktion auf den Preisrückgang an. Geht es nach Banken, Fonds und Spekulanten, sollte keine Gegenreaktion sondern eine Rückkehr zum Aufwärtstrend folgen. Die Mittel, eine derartige Preisbewegung zu initiieren, haben die Institutionen. Die Chuzpe, sie tatsächlich durchzusetzen, ist ihnen aber abhanden gekommen. Die Terminmarktaufsicht und die fundamentale Lage des Ölmarkts stellen eine ernstzunehmende Gegenkraft zu den Preisattacken der Finanzwelt dar. Es ist schwierig, eine bullische Markteinstellung zu verkaufen, wenn ein Drittel der Förderkapazitäten Saudi Arabiens brach liegen, weil der Markt das Öl nicht braucht. Die Förderreserven sind so gigantisch, dass ein Ausfall eines großen Förderlandes ohne Probleme kompensiert werden könnte. Zu einem solchen Ausfall wird es derzeit nicht kommen. Gleichwohl wird er im Zusammenhang mit möglichen Maßnahmen gegen das Atomprogramm des Irans diskutiert.

Wäre die Saudische Ölindustrie marktwirtschaftlich organisiert, würde sie jetzt nach dem Staat rufen. Das muss sie nicht, weil sie dem Staat gehört. Hierzulande gehören dem Staat kaum noch Unternehmen. Das wird von Managern und Unternehmern begrüßt. Sie kritisieren den Staatseinfluss oder gar Verstaatlichung als Ausgeburt ewig gestriger Sozialromantiker. Viele Verbraucher sehen das anders. Der Ruf nach dem Staat hat Konjunktur und das nicht erst seit den Tagen der Lehman-Pleite. Bereits vorher, als die Ölpreise von irren Finanzjongleuren in aberwitzige Höhen katapultiert wurden, war der Ruf nach der ordnenden Hand des Staates laut zu vernehmen. Die Hand blieb aus, sehr zur Freude der Marktverfechter. Die Teilung der Gesellschaft in die Freunde des Marktes und die Freunde des Staates schreitet voran. Die Bundestagswahl scheint dies zu bestätigen. So eindeutig wie die Sache für die Marktfreunde mit dem Gewinn von Schwarz-Gelb zu sein scheint, ist sie keinesfalls. Das Lager der Staatsfreunde hat vermutlich sogar die Mehrheit. Es rekrutiert sich aus einem Teil der SPD-Wähler, aus dem größten Teil der zweitstärksten Gruppe, den Nichtwählern, und aus den Wählern der Linken. Ein paar Grüne und CDU-Wähler könnten auch noch dabei sein. In Summe kommen so wahrscheinlich mehr als 50 Prozent der Bevölkerung zusammen. Es ist schwer erklärbar, dass ein so wichtiges Thema wie Markt oder Staat angesichts der Interessenverhältnisse in der Bevölkerung bisher nicht zu einer außerordentlich lebhaften Gesellschaftsdebatte führte.

Die Sache wird nicht minder brisant, wenn man die Migration zwischen den eigentlich klar definierten Lagern der Marktfreunde und der Staatsfreunde beobachtet. Plötzlich schreien Interessengruppen, die in für sie opportunen Zeiten jedwede Einmischung des Staates kategorisch ausgeschlossen haben, nach Staatshilfe. Banken und Autohersteller sind nur zwei dieser Gruppen. Was ihnen recht ist, ist der deutschen Solarbranche billig. Gepäppelt mit staatlich garantierten Einspeisevergütungen und gehätschelt mit dereinst grandiosen Marktkapitalisierungen einer aufgeblasenen Börse ist sie sich nun nicht zu schade, nach staatlichem Schutz gegen Billigkonkurrenz aus Fernost zu rufen. Der geneigte Beobachter stellt also fest, auch Unternehmer wollen mehr Staat. Das nehmen wir in unserem Haus mit Bedauern zur Kenntnis. Wir hätten gerne mehr Markt. Unser Ansinnen ist allerdings in keiner Weise kategorisch. Denn im Kern sind wir an einer Gesellschaft interessiert, in der der Mensch in allen seinen Eigenschaften und Fähigkeiten gewürdigt und gestärkt wird. Selbstverantwortung und die Freiheit, diese zu praktizieren, ist ein wesentliches Gut. Der Markt hat diesen Werten zu dienen.

Der Markt dient diesen Werten nicht per se. Es gibt Bereiche, die, so wie sie heute aufgestellt sind, keinen funktionierenden Markt zulassen. Dort, wo die Eintrittsbarrieren für Marktteilnehmer so groß werden, dass sie eigentlich nur von Staaten überwunden werden können, macht es keinen Sinn, am Marktprinzip festzuhalten. Die Strom- und die Gaswirtschaft haben tendenziell einen solchen Charakter. Sie werden mit Netzen betrieben, die straßengleich sind, und mit Kraftwerken, die auf Grund ihrer Größe und ihres Gefahrenpotenzials den festen Griff des Staates verlangen. Das Straßenwesen ist in der Hand des Staates gut aufgehoben. Gleiches könnte für Stromnetze und Gasleitungen gelten. Für die Ölindustrie stellt sich diese Frage hierzulande nicht, da sie im weltweiten Vergleich klein und unbedeutend ist. Das ist bemerkenswert, da Öl auch in Deutschland der bedeutendste Energieträger ist und für viele Jahre bleiben wird.

Zurück zum aktuellen Geschehen im Ölmarkt. Heute Morgen ist die Tendenz, die Gegenreaktion zum Preisrückgang fortzusetzen, verhalten. Der übergeordnete Abwärtstrend sieht recht stabil aus. Wenn es einen Preisanstieg gibt, wird dieser einzig aus bullischem Treiben im Finanzzirkus gespeist. Der Aktienmarkt läuft dem Geschehen derzeit voraus. Die Tonne Gasöl kostet 532,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 66,86 Dollar. Der US-Dollar wird zu 68,39 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen moderat an. Auffälliger als der allgemeine Preisanstieg ist die Spreizung der Preise innerhalb Deutschlands. Dort wo Wasserstraßen für die Heizöllogistik eine Rolle spielen, ist das Produkt teurer geworden. Das ist entlang des Rheins und im Süden Deutschlands der Fall. Die niedrigen Pegelstände verteuern die Transporte derzeit spürbar. Die übergeordnete Preisbewegung am Weltmarkt sehen wir recht gelassen. Zwar rechnen wir nicht mit einem spektakulären Fall. Das Gegenteil droht immerhin auch nicht. Tendenziell sollte Heizöl in den kommenden Monaten kaum teurer, zeitweise aber durchaus billiger werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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