Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Verwalten oder Gestalten

Zum Wochenauftakt zeigen die Ölpreise wenig Bewegung. Die Durchhalteparolen von Politik und EZB für den Euro werden zwar laut aber wenig professionell vorgetragen. Zu einem Kursfeuerwerk taugen sie nicht. Gleichwohl wird die Finanzszene weiterhin versuchen, die Willfährigkeit ihrer Unterstützer für kurzfristige Gewinne zu nutzen. Das Kartenhaus der Schulden und des Wachstums ist in den alten Industrieländern allerdings extrem fragil. Es kann jederzeit einstürzen. Das bremst den Finanzoptimismus.

Statt sich um die Stabilisierung des Kartenhauses zu kümmern und es für eine neue Epoche herzurichten, lassen die Verwalter weiter in die Höhe bauen. Die Schulden wachsen und das Wachstum soll gemäß ihren Vorstellungen auch wachsen. Hier wird eine alte Denkweise vollkommen überstrapaziert.

Rückblick: Im Jahr 1620 erschien Francis Bacon’s Schrift Novum Organum, in der er, der meistgelesene Autor seiner Zeit, seine wissenschaftliche Methodik zur Zähmung und Nutzbarmachung der Natur darlegte. Damals war die Menschheit mit einer halben Milliarde Individuen vergleichweise klein, die Natur wurde wegen ihrer zerstörerischen Gewalt als Bedrohung angesehen und die Ressourcen galten als endlos. Um 1746 begann sich Adam Smith mit Arbeitsteilung und dem Prinzip des freien Markts zu befassen, um aus den Ressourcen beschleunigt materiellen Wohlstand zu schaffen. Seit Erscheinen seines wissenschaftlichen Hauptwerks “Der Wohlstand der Nationen” folgen Gesellschaften und Regierungen seinen Verheißungen vom materiellen Wachstum. Im Jahr 1859 begann mit Edwin L. Drakes Erschließung einer Ölquelle bei Titusville in Pennsylvania das Ölzeitalter. Es wurde die erfolgreichste Zeit, die die Ideen Bacon’s, Smith’s und ihrer vielen geistigen Nachkommen hervorbrachten. Fossile Ressourcen wurden mit wachsender Geschwindigkeit ausgebeutet und ausgenutzt. Der daraus geschöpfte materielle Volkswohlstand wuchs in den reichen Nationen über das hinaus, was einst nur dem wohlhabenden Adel vorbehalten war.

Während sich Regierungen am Erfolg der Wachstumsdoktrin berauschten und Wähler ihnen bereitwillig folgten, wurden immer wieder kritische Stimmen laut. Sie warnten vor dem Versagen des Bacon-Smith-Modells als Folge maßlosen Ressourcenverbrauchs und unwürdiger Arbeitsbedingungen. Zusammenbrüche regional begrenzter Ökonomien, die sich rigoros an der Natur bedienten, waren aus der Geschichte zu allen Zeiten bekannt. Vereinzelt sind auch Modelle bekannt, die nach Umsteuerung dauerhaft funktionieren. Prominentes Beispiel ist die auf Nachhaltigkeit beruhende Forstwirtschaft, die bereits im 15. Jahrhundert praktiziert und im 18. Jahrhundert formuliert wurde. Prominentester Kritiker der Wachstumsdoktrin ist der Club of Rome, in dessen Auftrag eine Studie erarbeitet wurde, die 1972 unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ als Buch erschien. Es gilt bis heute als das meist verkaufte Wirtschaftsbuch. Zu seiner Popularität trugen die Ölkrisen der 1970er Jahre und das Ende der Bedarfsdeckungsperiode der Nachkriegszeit bei. Die Ölkrisen brachten Menschen in den reichen Industrienationen mit Rohstoffmangel in Kontakt. Infolge des gedeckten Gebrauchsgüterbedarfs wurde ein Ende des individuellen Wachstums gleichwohl nicht mehr als fundamentale Bedrohung empfunden. Deshalb war die Abkehr vom Wachstumsmodell für einige Jahre denkbar.

Die Rezession der beginnenden 1980er Jahre brachte das billige Öl zurück. Mit der Liberalisierung der Verschuldung und der Intensivierung der Arbeitsteilung auf internationalen Märkten wurde die Rezession überwunden. Eine neue Konsumlust konnte entfacht werden. Schließlich behielt das Bacon-Smith-Modell die geistige Führerschaft bei Regierungen und ihren Wählern. Mit den Schwellenländern traten neue Konsumenten auf den Plan, die die bisherigen Marktteilnehmer an Zahl deutlich übertreffen. Global ist das Wachstumsprinzip bis heute intakt und unangefochten.

In den alten Industrie- und Konsumnationen ist dieser Befund keine Selbstverständlichkeit mehr. Der erwerbstätige Teil der Wähler kämpft mit den Folgen des Bacon-Smith-Modells. Er muss die Steigerung der Arbeitsproduktivität in Kauf nehmen. Aus ihr folgen Arbeitslosigkeit, Arbeitsverdichtung, Arbeitsfrustration und andere negative Aspekte der Leistungsgesellschaft. Sie können nicht mehr vollständig durch die Attraktivität des Warenkonsums kaschiert werden, zumal sein Preis schneller steigt als die durchschnittlichen Einkommen. Hierfür sind hauptsächlich steigende Ölpreise und extrem ungleich verteilte Geldvermögen verantwortlich. Konsum und Konsumlaune beginnen zu sinken.

Öl als wichtigster Rohstoff und Energieträger befindet sich an seinem Fördermaximum (Peak Oil). Das heißt nicht, dass der Stoff in absehbarere Zeit ausgeht. Das heißt aber, dass sein Preis tendenziell stärker steigt als das damit generierte Wachstum. Der Ersatz von Öl durch andere Energieträger ändert an dem Befund, dass die Grenzen des Wachstums greifbar sind, nichts. Jede fossile Ressource, die Öl ersetzt, wird über kurz oder lang knapp und teuer. Peak Oil und Peak Anything werden zum Synonym für das Versagen des Bacon-Smith-Modells. An seine Stelle muss eine neue Gesellschaftsidee treten. Seine Entwicklung ist eine Aufgabe für Gestalter. Derzeit regieren die Verwalter.

Heute Morgen werden selbst die Ölnotierungen verwaltet. Eine ambitionierte Richtung ist ihnen nicht zu entlocken. Der Trend spricht aber derzeit für ihre Steigerung. Die Tonne Gasöl kostet 930 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 89,63 Dollar und in London zu 105,92 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 81,54 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen langsam. Gestern kam der Auftrieb vom Dollar. In den kommenden Tagen sollte Öl wieder das Regime übernehmen. Das passt besser zur geldpolitischen Unterstützung, die der Finanzszene derzeit winkt. Diese Unterstützung hat zwei Gesichter. Einerseits wird sie Öl verteuern. Andererseits bietet sie die Chance, die Preise schneller an einen kritischen Punkt zu führen, von dem sie zurückfallen werden. Der Rückfall ist aktuell nicht zu erwarten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen