Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Weg vom Öl ohne es zu verlassen

Während die Preise mangels einflussreicher Nachrichten den moderaten Abwärtstrend fortsetzen, bewegt sich Deutschland politisch in einem ungewohnt hohen Tempo gegen bestehende Trends der Energienutzung. Dadurch werden weder das globale Energiesystem noch die Preisbildung alsbald geändert. Die Zeichen für einen neuen Umgang mit Energie werden aber weltweit aufgenommen. Wer an die Freisetzung von Schaffens- und Veränderungskraft durch ambitionierte Ziele glaubt, dürfte Freude an den neuen Leitlinien zur Energienutzung haben, auch wenn diese teilweise noch inkonsistent sind. Immerhin, ein Dritteljahrhundert nach der Geburt der Erkenntnis, dass die Idee vom grenzenlosen Wachstum des Energieverbrauchs ein Irrweg ist, nimmt sich eine einflussreiche Gesellschaft der Aufgabe an, den Fehler zu korrigieren.

Das vom Umweltminister übernommene Leitbild „weg vom Öl“ ist etwas zu plakativ geraten. Öl wird auch in 30 Jahren der wichtigste Energieträger der Welt sein. Die Zielsetzung, den Ölverbrauch zu senken, ist allemal vernünftig, denn die Ressource ist begrenzt und sie wird langfristig teurer werden. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nennt für Öl und Gas konventionelle Reserven in ungefähr gleichem Umfang. Da Öl stärker genutzt wird als Gas, ist die Reichweite etwas geringer. Dennoch, sie erlaubt in den kommenden 10 bis 15 Jahren ein moderates Nachfragewachstum. Einschließlich unkonventioneller Reserven, das sind Ölsände, Schweröle und Ölschiefer, die teuer und sehr umweltbelastend gefördert werden müssen, bietet Öl derzeit mehr verfügbaren Energiegehalt als Gas.

Mit dem neuen Energieleitbild möchte die Bundesregierung vor allen Dingen den Wärmemarkt verändern. Das ist sinnvoll, da der Verbrauch in diesem Segment der größte Einzelposten der deutschen Endenergiebilanz ist. Unsere Häuser sind nicht effizient. Sie verschwenden Energie. Das soll sich ändern. Außerdem soll sich die Zusammensetzung des Energieeinsatzes ändern. Zukünftig wird bei Neubauten die Verwendung regenerativer Energieträger vorgeschrieben werden. Neben der direkten Nutzung von Sonne zählen dazu Biomasse und Erdwärme.

Sonne bietet physikalisch das größte Potenzial. Auf deutsche Dächer strahlt im Jahr weit mehr nutzbare Sonnenenergie ein als das Land an gesamter Primärenergie verbraucht. Könnten wir diese Energie über einen Zeitraum von einem halben Jahr speichern, wäre unser Energieproblem bereits gelöst. Selbst wenn die Sonnenenergie nur für Wärmezwecke genutzt werden würde, wären 60 Prozent des Bedarfs gedeckt. Soviel trägt Wärme nämlich zum gesamten Endenergiebedarf bei. Das Einfangen der Sonnenenergie stellt kein Problem mehr dar. Da aber die Speicherung noch ungelöst ist, brauchen wir Ersatzheizungen. Und diese sind heute auf Basis von Öl und Gas am effektivsten. Mit dem Voranschreiten der Speichertechnologien werden sich die Öl- und Gasbedarfe automatisch reduzieren. Die Lösung des Speicherproblems wird sich im Wärmefall vollkommen anders darstellen als im Mobilitätsfall, denn hier spielt das Gewicht keine Rolle.

Die Bundesregierung setzt neben die Nutzung der Sonnenenergie das Anzapfen von Erdwärme und das Verbrennen von Biofeststoffen aus schnell wachsenden Hölzern. Beide Anwendungen sind kritisch zu sehen. Erdwärme wird über elektrische Wärmepumpen gefördert. Bei der Erzeugung von Strom werden bereits 60 Prozent Verlust produziert. Dieser wird durch Wärmepumpen nur bedingt wieder zurückgewonnen. Die Nutzung von Biomasse wird immer ein Nischenmarkt bleiben, weil keine ausreichenden heimischen Flächen existieren, diese im angemessenen Stil zu betreiben. Weltweit werden bereits heute Flächen der Nahrungsmittelproduktion entzogen mit der Folge steigender Lebensmittelpreise.

Nach heutigem Wissen ist die Steigerung von Effizienz durch Wärmedämmung und der schrittweise Ersatz konventioneller Heizungen durch die Nutzung von Sonnenergie sinnvoll. Wenn das Speicherproblem in 20 bis 50 Jahren gelöst sein wird, könnten wir tatsächlich ohne Brennstoffe aus der Erde oder vom Acker heizen. Wenn wir dieser Herausforderung den gleichen Reiz abgewinnen könnten wie dem schnellen Autofahren oder dem Telefonieren mit dem Handy, würde sich eine wirtschaftliche Dynamik entwickeln, die das Zeug zu nachhaltigem Wohlstand hätte.

Von Nachhaltigkeit ist bei den Ölpreisen nie die Rede. Heute Morgen tendieren sie aufwärts. Der kurzfristige Trend zeigt hingegen abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 778,00 $.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Sie sind mittlerweile rund sieben Prozent vom Jahreshoch entfernt, wenn man eine Liefermenge von 3000 Liter zu Grunde legt. Die Aussichten für einen weiteren Preisrückgang sind verhalten positiv. Angesichts des langfristigen Aufwärtstrends besteht die dauerhafte Gefahr eines plötzlichen Endes der Abwärtsbewegung.

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