Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Willkommen in der Gegenwart

Öl für uns alle. Das ist der Titel eines Brettspiels aus den 1970er Jahren. In der Spielbeschreibung ist zu lesen: „Wie spielt sich heute die weltweite Versorgung mit dem lebenswichtigen Energieträger Rohöl ab?“ „Hier geht es um enorme Investitionen und hohe Risiken, sachliche Entscheidungen und - Glück!“ Als das Spiel herauskam, war eines der meistverkauften Bücher „Die Grenzen des Wachstums“, eine Studie des Club of Rome zur Zukunft der Weltwirtschaft. Sie zeichnete ein warnendes Bild. Öl sollte damals noch zirka 30 Jahre verfügbar sein. Die Autoren gaben die eindringliche Empfehlung, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren, Sparsamkeit walten zu lassen und erneuerbare Energien nutzbar zu machen. Die Faszination über eine Welt ständig wachsenden Reichtums und die Sorge vor dem Ende jedweden Wohlstands lagen nah beieinander.

Viele Milliarden verbrauchte Barrel Rohöl später und viele Billarden Vermögensdollar reicher ist der Titel „Willkommen in der Vergangenheit“ zur Lagebeschreibung der Ölwelt angebracht. Die großen Ölgesellschaften gehören mehr denn je zu den profitabelsten Unternehmen der Welt. Das Risiko, alles zu verlieren, ist dennoch gegeben. Das zeigt die Katastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko, die BP fast mit ins Verderben gerissen hätte. Rohöl ist nicht versiegt. Wir sehen sein Ende lediglich genauso nah wie vor 40 Jahren. Dessen ungeachtet ist Öl der weltweit wichtigste Energieträger. Daran wird sich für weitere 20 bis 30 Jahre nichts Wesentliches ändern. Das Nachfragewachstum wird allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich sinken. Das gebietet allein der rasant steigende Preis. Er sorgt auch dafür, dass Öl weiterhin verfügbar sein wird, sei es als Erdöl aus immer teurer zu bewirtschaftenden Quellen oder aus synthetischer Produktion wie der Kohleverflüssigung. Auf die letzte Möglichkeit kann die Menschheit noch mehrere hundert Jahre zurückgreifen. Im Gegensatz zum Ölkonsum wird der globale Energieverbrauch zunehmend wachsen. Die größte Zunahme wird bei den Erneuerbaren Energien erwartet. Ihre Anwendung ist keine Frage der Umweltrettung, sondern eine genauso gewinnorientierte wie die der Ölausbeutung.

„Willkommen in der Vergangenheit“ gilt dem reinen Ölgeschäft. Andere Aspekte menschlichen Seins verdienen den Titel „Willkommen in der Gegenwart“. Dazu gehören das Weltklima, die Verteilung von Reichtum und die Finanzsysteme. Es gibt zwar keinen endgültigen Beweis, dass die Klimaerwärmung allein auf menschliches Handeln zurückzuführen ist. Angesichts des Mengenwachstums, mit dem der Mensch die Rohstoffe der Erde vom festen und flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand überführt, ist dies aber mindestens ein plausibles Modell. Noch plausibler ist, dass die Klimaränderung in prekären Regionen der Erde Armut fördert. Gänzlich ohne haltbare wissenschaftliche Gegenanzeige ist die Feststellung, dass die globalen Geld- und Finanzsysteme Wohlstand mindern, nicht nur in prekären Regionen, sondern überall.

Während in den alten Industrienationen das Faktum endlichen Öls schon lange ernst genommen wird, ist das Problem der anthropogenen Klimaerwärmung eher ein jüngeres Thema. Gerade zu neu ist die Tatsache, dass unsere Lebensweise durch die Geld- und Finanzsysteme bedroht ist. Hierzu existiert noch kein breit angelegtes Verständnis in den Bevölkerungen. Die Opposition gegen die bestehenden Verhältnisse ist qualitativ und quantitativ mit der gegen Atomenergie in Japan vergleichbar. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass das Thema komplex zu sein scheint und dass wir es in gutem Glauben der Finanzindustrie überlassen haben. Heute wissen wir, dass das ein Fehler war. So wie die Ölindustrie, dort wo sie nicht öffentlich kontrolliert wird, zum Nachteil der regionalen Bevölkerung agiert, so agiert die Finanzindustrie, weil sie nicht kontrolliert wird, zum Nachteil der Bevölkerung. Sie hat es verstanden, die Umverteilung von Reichtum zu ihren Gunsten sogar im Fall ihres Versagens aufrecht zu erhalten. BP drohte im Moment der sich offenbarenden Unfähigkeit die Pleite. Großen Banken winkt im Versagensfall, der ursächlich auf asoziales Wirtschaften zurückzuführen ist, die soziale Absicherung ihrer Existenz. Es bedarf wahrscheinlich noch einiger Katastrophen, bis öffentliche Kontrolle die Finanzwirtschaft so eng führt wie hierzulande die Ölwirtschaft. Global ist die Ölwirtschaft keinesfalls gut kontrolliert. Nicht zuletzt deshalb kann sie wahrscheinlich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Finanzwirtschaft pflegen, die, wie könnte es anders sein, zu Lasten der Verbraucher geht.

Heute Morgen können sich beide Industrien über steigende Ölnotierungen freuen. Die Tonne Gasöl kostet 923 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 82,24 Dollar und in London zu 105,27 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,03 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen, seit sie gestern früh den unteren Rand ihres kurzfristigen Aufwärtstrends erreichten. Die nun anstehende Aufwärtsbewegung ist zwar in Anbetracht der globalen Sorgen um Finanzen und Wirtschaft widersinnig. Sie spiegelt aber die Tatsache wider, dass sich die Finanzindustrie im Prinzip unverwundbar fühlt. Hierzu hat sie nach Einstellung der politischen Eliten allen Grund. Geld in Öl zu investieren, verspricht trotz hoher Risiken einen Spekulationsgewinn. Der wird mittelbar vom Verbraucher bezahlt. Es ist dennoch nicht abwegig, den Zusammenbruch des Finanzspektakels und folglich niedrigere Heizölpreise zu erwarten. Über das Wann schweigt sich der Zeitstrahl aus. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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