Brent unter 100 Dollar – Der Ölmarkt glaubt an die Diplomatie
von Claudia Lohse

Internationaler Markt
Brent-Rohöl startet unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar je Barrel in den Tag. Mit den Nachrichten von der UN-Generalversammlung aus New York wächst am Ölmarkt die Hoffnung, dass die Diplomatie die geopolitischen Risiken entschärfen könnte. Zudem hat Saudi-Arabien seine Ost-West-Pipeline nach dem Angriff vor zwölf Tagen gestern schneller als erwartet wieder in Betrieb genommen.
Für den globalen Ölmarkt hat die Ost-West-Pipeline an Bedeutung gewonnen, weil sie dazu beiträgt, die Straße von Hormus zu umgehen. Sie transportiert Rohöl aus dem Osten Saudi-Arabiens zum Rotmeerhafen Yanbu. Zunächst läuft sie nur mit reduzierter Leistung.
Noch stärker als die Reparatur der Pipeline bewegt aber die Hoffnung auf politische Lösungen den Preis. Donald Trump drohte in seiner UN-Rede zwar einmal mehr mit der Vernichtung der Islamischen Republik Iran, stellte jedoch zugleich eine Einigung nach den US-Kongresswahlen am 3. November in Aussicht. Was für die Marktteilnehmer allerdings noch stärker zählt: Parallel gab es mehrstündige Gespräche zwischen amerikanischen und iranischen Unterhändlern. Heute richtet sich die Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Rede des iranischen Präsidenten. Diplomatische Fortschritte könnten die Gefahr einer weiteren Eskalation rund um die Straße von Hormus verringern und längerfristig wieder mehr Öl auf den Weltmarkt bringen.
Auch zum Ukraine-Krieg gibt es Signale, die der Markt mit Blick auf die Versorgungslage bei Diesel und anderen Ölprodukten verfolgt. Nach einem Treffen mit Trump erklärte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Rande der UN-Vollversammlung bereit, die Angriffe auf russische Raffinerien und Treibstofflager zu beenden – allerdings nur wenn auch Russland keine ukrainischen Energieanlagen mehr angreift. Selenskyj zeigte sich zudem offen für ein trilaterales Treffen mit Putin und Trump. Einen konkreten Durchbruch gibt es bislang nicht.
Und selbst bei der saudischen Pipeline bleibt die entscheidende Frage offen: Wie viel Öl kann tatsächlich über das Rote Meer auf den Weltmarkt gelangen? Die Huthi-Miliz hat ihre Position an der Meerenge Bab al-Mandab ausgebaut. Damit beseitigt die Wiederherstellung der Ölpipeline nicht automatisch das Risiko auf der anschließenden Seeroute. Großbritannien und Italien wollen Saudi-Arabien bei der Sicherung der Schifffahrt unterstützen.
Der Ölmarkt will derzeit an die Chancen der Diplomatie glauben. Jetzt muss die Diplomatie liefern. Denn werden die Hoffnungen auf Washington, Teheran, Moskau und Kiew enttäuscht, könnte die Risikoprämie schnell wieder steigen.
An der Ölbörse suchen die Rohölpreise heute Morgen ihre Richtung, während Gasöl deutlich zulegt. Das Barrel der US-Rohölsorte WTI (West Texas Intermediate) steht aktuell bei 87,78 Dollar
. Brent kostet 98,81 US-Dollar das Barrel
. Eine Tonne Gasöl wird zu 1459,75 Dollar gehandelt
. Der US-Dollar kostet heute Morgen 0,8749 Euro
. Damit ist der Euro für 1,1427 Dollar zu haben
. Die Pfeile zeigen die Veränderung der Preise im Vergleich zum Handelsauftakt des Vortages an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise legen nach dem jüngsten Rückgang heute Morgen wieder zu. Der bundesweite Durchschnittspreis bewegt sich in der aktuellen Heizölpreis-Tendenz bei 171,30 Euro je 100 Liter (Standardlieferung 3.000 Liter).
Anders als Rohöl verteuert sich Gasöl heute früh am internationalen Markt. Da Gasöl ein Vorprodukt für die Herstellung von Heizöl ist, wirkt sich dies preissteigernd auf die Heizölpreise hierzulande aus. Die niedrigeren Rohölpreise können dem Anstieg nur wenig Schärfe nehmen. Insgesamt bleibt das Preisniveau so hoch wie seit über vier Jahren nicht mehr.
Die Kaufbereitschaft der Heizölkunden – bemessen anhand der tatsächlich aufgegebenen Bestellungen nach einer Preisanfrage – steht dennoch auf der zweithöchsten Stufe. Gleichzeitig überwiegt noch immer die Hoffnung auf günstigere Kaufgelegenheiten: In der tagesaktuellen Lesereinschätzung rechnen 71 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen.
Orientierungshilfe für alle Unentschlossenen: Die Krise im Nahen Osten und auch die russischen Raffinerieausfälle halten an. Beides sorgt für das aktuell hohe Preisniveau. Ein schnelles Ende dieser Phase scheint unwahrscheinlich, auch wenn die Hoffnung auf eine erfolgreiche Diplomatie am Rande der UN-Vollversammlung etwas Erleichterung bringen könnte. Wer kurzfristig Nachschub benötigt, ist mit einer Teilbestellung derzeit weiterhin auf der sicheren Seite.
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Heizölpreise-Chart vom 23. September 2026
